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RWJ 07/2015: Programmbeschwerde gegen den WDR

Jäger-Mob bei „Tiere suchen ein Zuhause“

Einen journalistischen Fehltritt mit Ansage produzierte der WDR zum wiederholten Male mit seinem Sonntags-Klassiker „Tiere suchen ein Zuhause“ am 7. Juni. Dagegen wehrt sich der Landesjagdverband.

 

Der Landesjagdverband hat im Vorfeld der Sendung eine Interviewanfrage von „Tiere suchen ein Zuhause“ abgelehnt, die guten Gründe dafür wurden der Redaktion erläutert.

 

Wie richtig diese Ablehnung war, mussten Zuschauer der Sendung am 7. Juni zur Novellierung des Landesjagdgesetzes selbst mit ansehen. Dieser Klassiker für Tendenz-Journalismus wäre auch durch ein Interview mit einem LJV-Vertreter nicht besser geworden, da die verantwortliche Autorin schon in der Vergangenheit bewiesen hatte, wie manipulativ sie Interviews zusammenschneiden kann. Bereits frühere Beiträge von Tiere suchen ein Zuhause und der gleichen Dame zur Jagd waren mehrfach Anlass für massive Kritik des Landesjagdverbandes (s. www.ljv-nrw.de).

 

Falsch/manipulativ im aktuellen Beitrag waren besonders folgende Darstellungen:

 

  • Falsch ist schon in der Anmoderation die Aussage „Die Politik setzt in Zukunft auf die Kastration wild lebender Katzen statt Abschuss.“
    Richtig ist, dass die NRW-Landesregierung bisher rein gar nichts unternommen hat, um mildere Maßnahmen zum Schutz wild lebender Tiere wie Kastrations-, Chip- und Registrierungspflicht für Katzen einzuführen. Richtig ist weiter, dass diese Maßnahmen Forderungen der Jäger sind, zu deren Umsetzung der Landesregierung offenbar Wille, Kraft oder Kompetenz fehlt.
  • Frau Grochowiak-Schmieding MdL als „einfache Jägerin“ darzustellen, die aus Protest gegenüber der LJV-Politik den Landesjagdverband verlassen hat, ist schon ein starkes Stück. Sie war vielmehr maßgeblich im gesamten politischen Prozess der Grünen eingebunden, es ist offenkundig, dass ihr die parteigrüne Bluse näher ist als die jagdgrüne Jacke. So ist auch ihr Verbandsaustritt (wirksam zum 1.1.2016) als letzte Verzweiflungstat grüner Parteiräson zu sehen. Sie hatte ihren öffentlichen Auftritt minutiös vorbereitet und vorab die Medien informiert. Die 15 000 Teilnehmer der Düsseldorfer Jäger-Großdemo begrüßten ihren Austritt mit großem Applaus. LJVPräsident Ralph Müller-Schallenberg quittierte dies eindeutig: „Wer so ein Jagdgesetz vertritt, gehört auch nicht in unseren Verband!“.
  • Der im Beitrag verwendete Terminus Jägerlobby spricht (bei wohlwollender Auslegung) für mangelnde Sprachkompetenz der Autorin – schließlich gingen bisher über 30 000 Jäger, Landwirte und Waldbauern, Grundeigentümer, Fischer, Imker und viele andere Naturfreunde gemeinsam auf die Straße und protestierten gegen das ideologische Jagdgesetz, weil sie bei der derzeit herrschenden Landesregierung eben genau „keine“ Lobby haben.
  • Sachlich falsch ist auch die Darstellung, Jäger hätten fast alle Reformpunkte kategorisch abgelehnt und gemauert.
    Richtig ist, dass seit 1953 die Jäger über 40 Gesetzesnovellen auf Bundesund Landesebene immer mittrugen, wenn es sich dabei um „sachlich-fachlich begründete Verbesserungen“ handelte.
    Bei den über 100 Neuregelungen des neuen Jagdgesetzes fehlt aber über weite Strecken jede sachlich-fachliche Begründung, was der LJV auf 107 Seiten einer Stellungnahme darlegte. Diese detaillierte und umfassende Kritik mündete in 13 sog. No-Gos, bei denen die Jäger in NRW tatsächlich keinen Verhandlungsspielraum sehen. Die rot-grüne Landesregierung zeigte sich selbst bei diesen 13 Punkten absolut unbeweglich, hielt krampfhaft an ihren Verschlimmbesserungen fest und konnte nur durch massiven öffentlichen Protest zu einigen Zugeständnissen bewegt werden, die Jäger und Gesellschaft keineswegs zufriedenstellen.
    Nicht die Jäger, sondern die rot-grüne Landesregierung (besonders die Grünen) zeigten sich also absolut unbeweglich und beratungsresistent.
  • Beleidigend und stillos ist die Bezeichnung der Jäger als „Subkultur in der Gesellschaft“, auch wenn diese Formulierung so in den Beitrag eingebettet wurde, dass presserechtliche Schritte gegen Redaktion und Autorin unmöglich sind. •
  • Falsch ist die Unterstellung, „viele Bürger“ würden die Jäger so sehen, wie der WDR das vorgaukeln möchte. Stattdessen belegen zahlreiche unabhängige Meinungsumfragen eine ausgesprochen hohe Akzeptanz von Jagd und Jägern in der Bevölkerung.
  • Falsch ist die Behauptung, in Euskirchen sei im Winter 2014/15 eine revierübergreifende Fuchsjagd abgeblasen worden. Diese Jagd fand wie geplant statt, lediglich auf das gemeinsame Streckelegen wurde verzichtet, um Übergriffe durch militante Jagdgegner zu vermeiden. Die Jagd war mit dem Veterinäramt Euskirchen abgestimmt, das alljährlich tote Füchse zur Tollwutüberwachung untersuchen muss und dazu in den Vorjahren gern auf die Strecke dieser revierübergreifenden Jagden zurückgriff.
  • Falsch ist die Vorstellung einer vermeintlichen Fütterung durch einen „ehemaligen Jagdaufseher“. Dabei handelte es sich augenscheinlich um eine Kirrung, die auch nach neuem NRW-Jagdrecht zur effizienten und tierschutzkonformen Wildschweinbejagung ausdrücklich erlaubt ist. Dieser falsch konstruierte Fütterungsexzess fällt damit wie ein Kartenhaus in sich zusammen.
    In vielerlei Hinsicht bedenklich ist zudem die Behauptung des „ehemaligen Jagdaufsehers“, er habe erlebt, wie an besagter Kirrung führende Bachen erlegt wurden und danach Frischlinge nah der Kirrung verendet seien. Damit wird eine Straftat nach § 38 BJG beschrieben, die den Jagdscheinentzug nach sich ziehen kann. Wenn es solche Straftaten tatsächlich gab, wäre die Frage äußerst interessant, ob und inwieweit der Informant des WDR an der Aufklärung beteiligt war bzw. zur Vertuschung beigetragen hat.
  • Das Aufsuchen dieser Kirrung durch den „ehemaligen Jagdaufseher“, Tierschützer und das TV-Team ist dazu ein gutes Beispiel für die vielen Verschlechterungen durch das rot-grüne Gesetz. Denn nun ist erstmals das Betreten von Kirrungen erlaubt, was selbst ernannten Blockwarten Tür und Tor öffnet – wie soll man effektiv Wildschäden verhindern, wenn zuvor Spitzel alles verstänkerten ? Auch davor hatte der LJV gewarnt – auch diese Warnung wurde von der Landesregierung stumpf ignoriert.

 

Ungeachtet dieser journalistischen Entgleisung einer einzelnen Sendung ruft der LJV seine Mitglieder auf, auch weiter aktiv Öffentlichkeit und Medien über das eigene Tun zu informieren. Dazu läuft derzeit u. a. die Aktion „Gemeinsam Jagd erleben“, bei der interessierte Nichtjäger Jagd live erleben können, indem sie Jäger in ihre Reviere begleiten.

 

Infos zur Aktion von DJV und dlv-Verlag: www.jagdverband.de/content/gemeinsam-jagd-erleben

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