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RWJ 07/13: Von Moutainbikern zu Tode erschreckt

Hirschdrama im Siegerland

Ausgelöst durch plötzlich auftauchende Fahrradfahrer geriet im südlichen Siegerland ein Hirschrudel derart in Panik, dass dabei zwei Hirsche verendeten.

Das Foto zeigt einen Bericht der Siegener Zeitung.

Auch in der örtlichen Presse wurde ausführlich über die ungewöhnliche Tiertragödie berichtet.

Der 21. Mai 2013 markiert ein Ereignis, das in der Revier­chronik des seit sieben Jahrzehnten in Familienhand befindlichen Hochwildrevieres Wilgersdorf-Ost (Kreis-Siegerland-Wittgenstein) vermutlich einmalig bleiben wird.

 

Gleich für zwei Hirsche aus einem ca. acht- bis zehnköpfigen Hirschrudel endete eine panikartige Flucht durch eine Wiederaufforstungsfläche tödlich. Offensichtlich hatten sich die Hirsche beim Aufprall auf höhere Fichtenstubben oder durch Streifen von Stammresten, die nach der Aufarbeitung der Kyrill-Windwürfe stehen geblieben waren, die tödlichen Verletzungen zugezogen. Der Kreisveterinär betätigte für den ersten Hirsch (2. Kopf) einen Leber- und Nierenriss und für den zweiten (etwa 8. Kopf) ebenfalls eine Verletzung der Leber sowie einen Aortenabriss.

 

Wie konnte es zu der ungewöhnlichen, panikartigen Reaktion des Rudels kommen? Beobachtet und geschildert wurde der Vorfall von vier Mountainbikefahrern. Die Gruppe war auf einem kaum begangenen Forstweg unterwegs. Dieser führt in Einstandsnähe steil hangabwärts an einer vom Rotwild sehr gut angenommen Äsungsfläche vorbei. Nach wenigen hundert Metern Abfahrt bemerkten die Mountainbiker ein hochflüchtiges Rotwildrudel und hielten sofort an. Unmittelbar darauf hörten sie einen lauten Knall und ein von Ästen ausgelöstes Prasseln durch das flüchtige Rudel. Dadurch aufmerksam geworden bemerkten sie weitere 200 m hangabwärts am Rand der Kyrill-Fläche einen ersten verendeten Hirsch.

 

Die verantwortungsbewussten Radfahrer meldeten den Vorfall sofort. Ein Anruf per Mobiltelefon bei einer ortskundigen Person stellte rasch den Kontakt zum zuständigen Jagdaufseher her. An der beschriebenen Stelle fand dieser zunächst den ersten und rund 100 m davon entfernt einen zweiten verendeten Hirsch. Auf Nachfrage erfuhr er, dass die Mountainbiker keine andere mögliche Störungsquelle wie Hunde oder Menschen bemerkt hatten.

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Von Mountainbikern zu Tode erschreckt

Hirschdrama im Siegerland

Im betroffenen Revier stellt man sich die Frage, ob Fallwild mit ungeklärter Todesursache nicht auch auf das Konto solcher und ähnlicher Vorfälle geht.

Im betroffenen Revier stellt man sich die Frage, ob Fallwild mit ungeklärter Todesursache nicht auch auf das Konto solcher und ähnlicher Vorfälle geht.

Die topographischen Verhältnisse, Äsungsfläche in einer jagdlich beruhigten Zone ca. 150 m unterhalb der Bergkuppe, verhinderten vermutlich, dass das Rotwild die Radfahrer frühzeitig bemerkte. Daher liegt der Schluss nahe, dass die vertraut äsenden Hirsche durch deren plötzliches und unerwartetes Erscheinen in Panik versetzt wurden.

 

Der Vorfall macht nicht nur nachdenklich, weil gleich zwei Hirsche ohne Beteiligung von Motorfahrzeugen zu Tode kamen, sondern auch weil die Beobachtung panikartigen Verhaltens vielleicht auch eine Erklärung zur Todesursache von verludert aufgefundenem Rotwild geben könnte.

 

Vor diesem Hintergrund erscheint nicht nur die allgemeine Forderung nach Ruhezonen im besonderem Licht, sondern auch die Möglichkeit, in sensiblen Bereichen das Waldbetretungsrecht einzuschränken – wenn nötig auch mit der Sperrung wenig genutzter Wege.

 

Dabei ist sicher zunächst die Politik gefordert, denn derzeit sieht die Forstverwaltung in NRW offenbar kaum eine Möglichkeit, im Sinne der Wald- und Wildökologie einzugreifen.

 

Dr. Joachim Pheiffer


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