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RWJ 10/2015: An alles gedacht?

Gut vorbereitet zur Treib- und Drückjagd

In diesen Wochen kontrolliert mancher Jäger seinen Briefkasten mehrmals täglich – die hohe Zeit der Treib- und Drückjagden steht unmittelbar bevor. Eine kräftige Eichelmast, bis in den September gute Hasenbesätze und sich langsam erholende Fasanen lassen Vorfreude auf ein Wiedersehen mit alten Kumpels und herrlichen Revieren aufkommen. Zuvor sollten sich Beständer und ihre Gäste gut auf die Höhepunkte im Jahr des Jägers vorbereiten.

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Bei manchem Bockansitz haben wir uns in diesem Sommer die Augen gerieben – Hasen satt, wo lang schon keine mehr waren. Abgesichert durch professionelle Wildzählungen nachts mit dem Scheinwerfer planen viele Niederwildreviere daher auch wieder Treibjagden. Lieb gewordene Traditionen werden vorsichtig wiederbelebt, nachdem 2014 angesichts der dramatischen Einbrüche bei Fasan, Hase und Co. ungezählte Treibjagden zwischen Rhein und Weser mangels Masse schlicht abgesagt worden waren.

 

Verantwortungsvolle Beständer gehen einige Wochen vor dem großen Tag mit Jagdaufsehern und Obertreibern die geplanten Abläufe vor Ort im Detail durch. Bei der Begrüßung vor der Jagd sollte man in diesem Jahr ein bisschen mehr Zeit einplanen, da neben den Jagdscheinen erstmals auch der neue NRW-Schießnachweis kontrolliert werden muss.

 

Auf der sicheren Seite ist, wer bei jeder Gesellschaftsjagd auf Schalenwild seinen Schießnachweis vorlegt und als Jagdleiter bei jedem Teilnehmer auf dem Besitz dieses Dokuments besteht! Die Reihenfolge der Treiben lässt sich dabei heute oft nicht mehr nach dem Motto „wie immer“ festlegen. Das gilt höchstens für Sicherheitsaspekte (immer weg von Straßen und Wohnbebauung). Aber wenn der Bauer unvermutet den „todsicheren“ stehen gebliebenen Maisschlag kurz vorher doch aberntet oder im schlimmsten Fall in der Nacht zuvor ein ganzes Treiben mit Gülle flutet, muss man umdisponieren.

 

Hundeführer muss man nicht nur in ausreichender Zahl einladen – sie freuen sich besonders darüber, wenn die Treiben so angelegt sind, dass ihre vierbeinigen Helfer zumindest halben Wind von vorn bekommen und nicht den ganzen Tag mit Wind im Nacken arbeiten müssen. Die gute Versorgung der Strecke fängt mit den Bändern am Wildwagen an, und führt über ein eventuelles Versorgen in der Mittagspause zur zügigen Verbringung in entsprechende Kühlräume.

 

Bildergalerie: Gut vorbereitet zur Treib- und Drückjagd

 

Weil viele Gäste dies regelmäßig vergessen, hat es sich auch bewährt, auf den Jagdwagen nicht nur Getränke (kein Alkohol!) mitzuführen, sondern auch eine Box mit Einmal-Gummi-Handschuhen zur Fuchsbergung und Wildversorgung. Beim Streckelegen freuen sich alle über detaillierte Hinweise zum Schüsseltreiben. Wo und wann das ist, wissen zwar die Meisten – aber wohin mit den Hunden und Waffen? Ein kurzes Vorgespräch mit dem Wirt schafft da oft Abhilfe. Keinesfalls sollte man die Waffen beim Schüsseltreiben im Auto zurücklassen!


Üben und rechtzeitig packen

Die Vorbereitung für Treib- und Drückjagden beginnt eigentlich schon, bevor man überhaupt die Einladung aus dem Briefkasten holt.

 

Dass man seine lange Zeit verwaiste Flinte gut eingeölt aus dem Tresor holt, um damit ein paar Runden auf Tontauben zu üben, ist man nicht nur dem Beständer, sondern vor allem dem Wild schuldig. Denn sauberes Treffen mit der Flinte verlernt man im Gegensatz zum Fahrradfahren doch – üben ist alles!

 

Gleiches gilt für die Vorbereitung zur Drückjagd: Vor dem neuen Schießnachweis braucht sich niemand zu fürchten. Ich habe in diesen Wochen zahlreiche ältere Jäger im Schießkino getroffen, die noch nie in ihrem Leben auf eine Leinwand geschossen haben. Die meisten waren so begeistert über die praxisnahe Simulation, dass sie gar nicht mehr über die (wirklich einfachen) Bedingungen für den Nachweis nachgedacht haben. Die meisten Probleme dabei gibts auch nicht wegen fehlender Schießfertigkeit, sondern aufgrund technischer Probleme: nicht sauber laufende Systeme, hakelnde Magazine und vor allem oftmals viel zu harte (und damit unbrauchbare!) Abzüge. Wie gut, wenn solche Probleme rechtzeitig vor der Jagd erkannt und abgestellt werden können. Auf den laufenden Keiler oder im Schießkino führt dies im schlimmsten Fall zu Bodentreffern, Fehloder Krankschüssen. Aber eben nur auf einer Pappscheibe oder Leinwand ! Durch technisch einwandfreie Waffen und gut geübte Jäger lassen sich viele Krankschüsse auf der Jagd selbst vermeiden. Im Kino kann man auch lernen, wann man den Finger ganz einfach besser gerade lässt – Ihr Standnachbar freut sich, wenn ihm das Stück vielleicht passender kommt …

 

Wer ehrlich zu sich selbst ist, wird spätestens im Schießkino erkennen, dass man ein 3 - 12 x 56-Zielfernrohr zwar auf dreifach stellen kann … aber damit flinke Wutze immer noch nicht ins Glas bekommt, geschweige denn sauber mitschwingen und einen vertretbaren Schuss antragen kann. Von einem 8 x 56 ganz zu schweigen.

 

Wer sich jedes Jahr über mehrere Drückjagd-Einladungen freuen darf, sollte sich daher wirklich ernsthaft mit der Überlegung befassen, für diesen ganz speziellen Zweck auch eine ganz spezielle Optik anzuschaffen: Ob man sich dabei für ein nicht vergrößerndes Rotpunkt-Visier (Kompaktmodelle wie „Doctersight“ oder Röhrenversionen wie „Aimpoint“) oder ein Drückjagd-Zielfernrohr mit 20- oder 22-mm-Objektiv, am besten mit 6-fach-Zoom und Rotpunkt, entscheidet, hängt vom eigenen Geschmack und Geldbeutel ab – am besten verschiedene Varianten im Schießkino ausprobieren. Hervorragend dafür geeignet sind Anlagen mit angeschlossenem Büchsenmacher-Betrieb („in NRW etwa bei Klett in Borken“, www.das-schiesskino.de).

 

Besonders für ganz spontane Einladungen („Sauen fest! Kommst Du..?“) empfiehlt es sich, seine Siebensachen zur Drückjagd in einem nur dafür vorgesehenen Rucksack abrufbereit vorzuhalten: Dort hinein gehören Handschuhe und Schal, Ersatz-Unterwäsche, Gummi- Handschuhe, eine kurze Leine für eingesammelte Hunde, eine Sitzunterlage, ein kleines Tageslichtfernglas, ein halber Liter Wasser, ein paar Müsli-Riegel, ein kompakt zu verstauender, leichter Regen- Umhang, eine Jagdschein-Kopie in Klarsichtfolie, Warnkappe und -jacke in Orange, ein paar große Gefrierbeutel für die Leber (wer sie verwertet), Messer, Aufbrechzange/- säge und eine Bergehilfe.

 

Munition gehört nicht dazu. Die holt man nämlich, wie seine Waffe, erst unmittelbar vor der Jagd aus dem entsprechenden Tresor – und Sie gehören doch zu denen, die nicht nur Ihre Waffe, sondern auch die Munition ordnungsgemäß verwahren, oder?


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Sicherheit geht vor Jagderfolg

… schon 1 000 Mal gehört, oder? Und doch passieren fast alle Unfälle bei der Jagd, weil der Teufel genau diese Binsenweisheit in den Köpfen von Jägern ausschaltet. Spucken Sie ihm in die Suppe !

 

Mehr als die halbe Miete dazu ist ein ritualartiges Besinnen unmittelbar nach dem Bezug jedes Standes. Ganz egal, ob auf der Treib- oder Drückjagd. Ganz egal, was der Ansteller Ihnen auch gesagt haben mag, einmal im-Kreisdrehen ist Pflicht: Wohin darf auf gar keinen Fall geschossen werden – und sei der Keiler noch so dick? Bläuen Sie sich diese Sicherheitsbereiche ein, machen Sie Probeanschläge, bei denen Sie abrupt abbrechen, wenn der Sicherheitsbereich beginnt. Nehmen Sie sich die paar Sekunden – und schämen Sie sich keinesfalls für dieses Ritual. Nie.

 

Genauso wichtig ist die Abstimmung mit Ihren Standnachbarn: Zur äußeren fordert Sie schon der Ansteller auf („Dort an der Ecke steht Ihr Nachbar, verständigen Sie sich bitte.“). Genauso wichtig ist aber die „innere Abstimmung“: Es ist meist völlig klar, auf wen der Hase zuläuft oder der Hahn zufliegt. Gönnen Sie auch Ihren Nachbarn die Chance auf Waidmannsheil, zu Beginn genau wie am Ende des Treibens. Es gibt nicht Unwürdigeres als die Geißel des Jagdneids (auch so eine Eigenschaft, die des Teufels ist …). Also – legen Sie Ihrem Standnachbarn keinen Hasen, Hahn oder Frischling vor die Füße, sondern freuen Sie sich mit ihm über seinen Jagderfolg. Denn DAS ist der eigentliche Schlüssel für jede erfolgreiche Gesellschaftsjagd – ganz egal, ob Sie dabei echte Beute machen – oder „nur“ in Ihrem Herzen. Weidmannsheil dabei!


Gesellschaftsjagd

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