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RWJ 04/2018: Lehrtreibjagd der KJS Bielefeld

Grau ist alle Theorie

Damit angehende Jäger der Leineweberstadt die Materie nicht nur aus Lehrbüchern kennenlernen, organisiert die Kreisjägerschaft seit fast 40 Jahren eine „Lehrtreibjagd“.

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Über erlaubte und nicht erlaubte Fallen (solche dürfen in NRW nur verblendet verwendet werden) wissen die Bielefelder Aspiranten nun Bescheid. Foto: F. Höltmann

Samstagmorgen auf dem Wanderparkplatz Eisgrund im Süden Bielefelds. Der Name scheint Programm zu sein. Bei knackig-kalten –5 Grad begrüßen Michael Gran und Karsten Topka knapp 50 Teilnehmer der Bielefelder Lehrtreibjagd. Den ganzen Tag gehen Ausbilder mit dem Vorbereitungskurs verschiedene Bereiche des „Grünen Abiturs“ durch. Der Ablauf orientiert sich an einer klassischen Gesellschaftsjagd – Begrüßung mit Hörnerklang und Sicherheitsbelehrung. Alle Teilnehmer sind dick eingepackt und haben Warnwesten oder orange Jacken an.

 

In kleinen Gruppen geht es durch das städtische Revier, unterwegs müssen zahlreiche Fragen aus der Jägerprüfung beantwortet werden. Wann ranzt der Fuchs? „Im Januar und Februar“, hat eine junge Frau die Antwort parat. Wann genau man damit angefangen hat, kann niemand mehr so richtig sagen. Um 1980 herum muss es gewesen sein. Wer schon mal Schweiß am Anschuss gesehen oder ein Gefühl dafür bekommen hat, wie intensiv man auf dem Boden nach Schnitthaar suchen muss, hat „im richtigen Jägerleben“ Vorteile. Mit viel Liebe zum Detail haben Ehrenamtliche Losung, Schnitthaar, Lungenschweiß und eine zerfetze Drossel im Wald platziert. Die Jungjäger werden gefragt. Nur bei einem großen Haufen hellbrauner Losung blicken alle in fragende Gesichter – Bärenlosung aus dem nah gelegenen Tierpark war eher ein auflockernder Schabernack …

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Drahthaar, Kurzhaar, Weimaraner und Co. sehen „in echt“ doch ein wenig anders aus als im Blase oder Nüßlein  … Foto: B. Petercord

Die Teilnehmer sind zwischen 15 und 75 Jahre, knapp 30 Prozent davon weiblich. An diesem Tag schätzen sie Entfernungen anhand lebensgroßer Scheiben auf freiem Feld. Detlef Hülsewig erläutert gebräuchliche Fallen – wie man sie stellt, welche erlaubt oder in NRW verboten wurden. Förster Herbert Linnemann erläutert einige Aspekte des Waldbaus. „Was ist das für ein Baum?“, fragt er in die Runde. „Eine Fichte?“, kommt die zaghafte Antwort. „Nein, eine Douglasie, die wächst deutlich schneller als Kiefern, die man auf sandigem Boden auch häufig findet.“ Linnemann erläutert Schwierigkeiten des Waldbaus ohne Zaun – nur bei einem deutlich niedrigeren Rehbestand ist dies überhaupt möglich …

 

Etwa 70 Prozent der Teilnehmer sind kommen heute nicht aus Jägerfamilien. Vor 30 Jahren sei das Verhältnis noch umgekehrt gewesen, so Graen. Für immer mehr Jagdscheinanwärter sei hochwertiges Wildbret wichtigste Motivation. Bei der Fallenstation hat Detlef Hülsewig ein wärmendes Feuer entzündet. Das trockene Holz knackt, die Wärme verwöhnt die klammen Finger. Der Duft gegrillter Würstchen steigt in die Nase und Glühwein vertreibt die Kälte. Die Helfer sind schon seit 7 Uhr auf den Beinen, dennoch wird viel gelacht. „Die Stimmung im Jahrgang ist sehr gut“, erklärt Öffentlichkeitsobmann Joachim Krause. Mittags bringen Helfer einen großen Pott heißer Erbsensuppe in den Wald, auch hier brennt ein Feuer, an dem sich alle wärmen.

 

Nachmittags präsentieren Hundeleute ihre Rassen. Anschließend wird noch eine böhmische Streife, ein Kessel und eine Drückjagdsituation simuliert. Wer das schon mal gesehen hat, ist bei der ersten Jagdeinladung weniger nervös und kann sich aufs Beutemachen konzentrieren. Beim anschließenden Streckelegen lernen die Schüler, in welcher Reihenfolge erlegtes Wild ablegt wird, wo Schützen, Bläser, Treiber stehen, von wo der Jagdherr seine Ansprache hält, wann man die Kopfbedeckung abnimmt und wie einen Erlegerbruch entgegen nimmt – wer die Entfernungen am besten geschätzt hat, bekommt einen symbolischen Bruch! Dann hat man das alles schon einmal gesehen und weiß ungefähr, wie man sich auf der ersten Gesellschaftsjagd verhalten muss. Dabei wird auch korrektes Benehmen geübt – wer über die Strecke tritt oder beim Streckelegen raucht, wird schon mal fürs Jagdgericht am Abend vorgemerkt. Das gehört seit jeher zum abschließenden Schüsseltreiben im Gasthof – bei Grünkohl mit Mettwurst, kühlem Bier und klarem Korn klingt der Tag in gemütlicher Atmosphäre aus – das muss schließlich auch geübt werden. Felix Höltmann


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