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RWJ 11/2013: Von H bis S.

Gedanken zum Hubertustag

Pfarrer Wolfgang Pütz aus Boornheim hat in Gedanken einmal den Namens­patron der Jäger, den heiligen Hubertus, durchbuchstabiert.

 

H wie Hege – des Wildes, der Felder, der Natur und Umwelt. Hege bedeutet, sich kümmern, pflegen. So wie ich mich um meine Dinge zu Hause kümmern muss, muss auch die Natur und was sich in ihr befindet, gepflegt werden. Die Mär von den Jägern, die lediglichraus gehen, um zu schießen, ist vorbei. Mag es auch schwarze Schafe geben, weiß ich aus eigener Erfahrung, dass sich engagierte Jäger für das Wild und den Wald einsetzen. Pflegen und mich kümmern, kann ich nur, wenn mir daran etwas liegt; wenn ich davon überzeugt bin, dass das, was ich tue, richtig und gut ist. Zur Hege gehört deswegen auch die Regulierung der Population, gerade beim Schwarzwild, das in den letzten Jahren drastisch zugenommen hat und sich von allein nicht reguliert. Zur Hege gehört gute Zusammenarbeit zwischen Jägern, Förstern und Landwirten, Staat und Eigentümern. Hege heißt dann auch Politik und zwischenmenschliches Handeln.

 

U wie Umwelt – ich weiß aus meiner eigenen Zeit als Jäger von Aktionen „Sauberer Wald“, die heute von vielen Grup- pen wie Pfadfindern oder Schulen durch- geführt werden. Die Umwelt steht für das Fortbestehen der Menschheit. Wer das bis heute nicht begriffen hat, handelt unverantwortlich gegenüber der Schöpfung – und damit auch gegen den Heilsplan Gottes. Die Umwelt ist uns Menschen anvertraut. Bereits in der Schöpfungsge- schichte weist Gott den Menschen auf diese besondere Verantwortung hin. Umweltschutz ist mehr als die richtige Mülltonne mit der entsprechenden Farbe erkennen zu können. Zur Umwelt gehören wir Menschen, die Tiere, die Pflanzen, der Kosmos. Ich habe bislang keinen Jäger kennengelernt, der von sich sagte, dass ihm die Umwelt egal sei. Wo Reviere verpachtet sind oder im Eigentum liegen, finden sich immer Menschen, jung und alt, die dafür Sorge tragen, dass dieses Revier in einer umweltfreundlichen Gestaltung wachsen und sich entfalten kann. Jägerinnen und Jäger gehören zu denen, die Lobbyarbeit für die Umwelt leisten. Natürlich reihen sich viele weitere Gruppierungen herum, diese ergänzen und bereichern sich – gut so!

 

B wie Berufung – ich bin der festen Überzeugung, dass ein Großteil der Jäger Menschen sind, die sich zur Jagd und zum Waidwerk berufen fühlen. Berufung geht über Beruf hinaus – es ist nicht einfach nur eine Tätigkeit, die ausgeübt wird. Es gehört viel Enthusiasmus und Freude dazu – Freude, etwas bewegen zu können, Geselligkeit zu leben und sich in den Fächern auszukennen, die von jedem Jäger bei der Prüfung abgefragt werden. Berufung ist ein Gefühl, eine Gabe, genauso wie sich Menschen berufen fühlen, anderen zu helfen, sich in Politik und Gesellschaft zu engagieren, in der Schule etwas zu bewegen, Kirche mitzugestalten und vieles mehr. Auch Jagd ist eine Berufung, zählt sie doch zu einer der ältesten Künste der Menschheit.

 

E wie Erlebnis – frühmorgens in der Dunkelheit aufzubrechen und sich für den Morgenansitz fertigzumachen. Der Weg zum Hochsitz im taunassen Gras, das Schauen der Fläche vor einem – Wälder, Wiesen, Felder. Das Heraustreten des Wildes, das Betrachten und Beobachten der Rehe, Hasen, Wildschweine und Füchse. Jagen heißt nicht, immer und überall zu schießen und zu töten. Wer so Jagd betreibt, wird früher oder später auffallen und sich selbst ausgrenzen. Jagd ist ein Rundumbegriff für Staunen können, sich inspirieren lassen, die Natur sprechen zu lassen, sich ergreifen zu lassen von einer Schönheit, die nicht zu bezahlen ist.

 

R wie Ritual – kaum eine Gemein- schaft, eine Zunft pflegt ihre Bräuche, Rituale und Herkunft so faszinierend und authentisch wie Jäger. Die Hubertusmesse ist ein solcher Brauch – eine eigene musikalische Messe, die in Frankreich und in den Niederlanden noch sehr feierlich begangen wird, ist ein Zeugnis dafür. Wer schon mal bei einer Jagd dabei war, weiß um die Sitten der Jäger – das Wild wird nicht einfach weggelegt. Es wird ge- ehrt und verblasen, wie es in der Jägersprache heißt. Wild steht gleichberech- tigt neben den Jägern und darf während dieser Zeremonie nicht berührt werden. Das zünftige Essen danach, das Miteinanderreden über Jagderlebnisse von heute und früher, die feierliche Aufnahmeder Jungjäger in die Reihe aller durch das Ritual „zum Jäger schlagen“ – was vielleicht von außen befremdlich wirken mag, bei näherem Hinschauen und durch Erklären aber sicher Aufschluss finden wird.

 

T wie Tiere – Wild steht im Vordergrund der Jagd, und zwar nicht in erster Linie aus Spaß am Töten. Wild ist ein Grund, warum wir Menschen leben. Tiere liefern uns Nahrung, auch wenn es immer mehr Menschen gibt, die sich vegetarisch oder gar veganisch ernähren. Trotz alledem bleibt Fleisch wichtiger und erster Nahrungslieferant. Wie Tiere heute gehalten werden, lässt aufhorchen und auch eingreifen. Oft werden sie nicht mehr als Geschöpfe der Natur angesehen, verzweckt und missbraucht. Jagd und Jäger sind ein wichtiger Garant und ein Sprachrohr für die Tierwelt, die sich selber nicht äußern kann. Der Weg vom Erlegen des Wildes führt über das Ausweiden, die Kontrolle des Gesundheitszustandes bis zur weiteren Verarbeitung. Dabei sind Jäger gefragt und gefordert, artgerecht und tierzugewandt zu handeln.

 

U wie Unterstützung – die Menschen brauchen, immer und überall. Unterstützung kann auch Aufklärung und Unterweisung bedeuten – Waldschulen der Jäger dienen der Aufklärung von Schülern, Reviergänge laden ein, sich die Arbeit der Jäger draußen vor Ort anzuschauen. Schießstände, die beaufsichtigt und gewartet werden, laden zur Aufklärung ein. Spendenaktionen von Jägern, das Aufsuchen von Kirchengemeinden, wo im Anschluss die Gelegenheit da ist, miteinander ins Gespräch zu kommen – eben nicht für sich bleiben, sondern hinausgehen und sich offensiv präsentieren.

 

S wie Segen – Segen sein und Segen spenden. Das lateinische Wort für segnen heißt bene dicere für Gutes sagen und Gutes tun. Der heilige Hubertus, Patron der Jäger, war Bischof und Glaubensbote. Er lebte als Glaubenslehrer für die Kirche und den Glauben und ließ sich von der Botschaft Jesu leiten. Das kann Jägern Vorbild und Maßstab sein – eine Option, in der Welt von heute nicht nur Hüter und Behüter zu sein, sondern offensiv auch für den Glauben und das menschliche Miteinander einzutreten aus dem Geist Jesu heraus.

 

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