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RWJ 09/2015: Kommentar

Feudaljagden contra Tierschutz

Das letzte bekannt gewordene Mal, bei dem in Deutschland Eingestellte Treiben durchgeführt wurde, war nicht etwa zu Zeiten der Feudalherrscher. Bei Jagdhistoriker Dr. Andreas Gautschi kann man nachlesen, dass auch noch führende Gestalten des 3. Reiches in der Colbitz-Letzlinger Heide und anderswo ihre Freude an dieser ekligen und tierschutzwidrigen Art der Tötung von Wildtieren fanden. Den Namen „Jagd“ verdient solches Handeln nicht.

 

Dass der Paderborner Jagdleiter in unheiliger Tradition mit solchem Frevel nichts Verwerfliches daran findet, in die Enge getriebenes Rotwild stundenlang Zäune entlangzuhetzen, ist eigentlich schon schlimm genug.

 

Dass gleich noch die Führungsspitze des Landesbetriebes nach Ostwestfalen anreist, um bei dem Gemetzel mitzumischen, ist der eigentliche Skandal (s. Artikel „Rotwild-Krieg in Ostwestfalen). Diese jagdlichen Profis werden sich keinesfalls damit herausreden können, sie hätten von all dem ja gar nichts gewusst und seien nur ahnungslose Gäste gewesen. Wer als Ortsunkundiger zu einer solchen Jagd eingeladen wird und vor Ort solche Verhältnisse vorfindet, bricht als anständiger, waidgerechter Jäger seine Teilnahme unverzüglich ab. Überaus zynisch ist es daher, wenn Verantwortliche des Landesforstbetriebes solche glasklaren Verstöße gegen das Tierschutzrecht auch noch als „Effizienzjagden“ glorifizieren.

 

Solange sich die Führung des Landesbetriebs und das Ministerium nicht eindeutig zu den Zielen einer tierschutzund waidgerechten Jagd bekennen, sollte es man sich in NRW wirklich sehr genau überlegen, ob man es mit seinen eigenen Vorstellungen vereinbaren kann, derzeit weiter an sog. „Waldschutzjagden“ im Landesforst teilzunehmen.

 

De facto bestätigen die Vorkommnisse im Hochstift, dass in manchen Köpfen die Jagd immer mehr dabei ist, zur reinen Schädlingsbekämpfung zu verrohen. Gegen diesen Ungeist gilt es, laut und deutlich seine Stimme zu erheben: „Nicht mit uns!“

 

Darüber hinaus bleibt abzuwarten, wie lange ein sonst doch ständig dem Tierschutz huldigender Umweltminister noch weiter die Hand über leitende Beamte halten will, die beim Rotwildkrieg bei Lichtenau in vorderster Front mitgemischt haben – zumal sich Landesbetriebsleiter Wiebe bereits in der Vergangenheit wegen erwiesener Verstöße gegen das Jagdrecht zu verantworten hatte.

 

Matthias Kruse

 

„Effizienzjagden“

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