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RWJ 11/2018: Jagdhütte des Fürsten von Bückeburg soll abgerissen werden

Ein Stück Geschichte soll verschwinden

Im Siekholz-Revier „Hurn“ streifte einst der Fürst von Bückeburg als Jäger durch die Wälder. In dem Forst baute er sich für die Jagd ein Häuschen zwischen Bäumen und sanften Hügeln. Das historische Gebäude soll jetzt abgerissen werden.

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Frank Meinert kann sich um den Erhalt der Jagdhütte auf dem Hurn nicht mehr kümmern. Jetzt soll er sie abreißen.

Frank Meinert schiebt einen schweren Eisenriegel zur Seite, mit dem er die Eingangstür gesichert hat, und zieht die massive Holztür auf. „Der Fürst von Bückburg hat diese Jagdhütte gebaut“, sagt der Besitzer. Seit 24 Jahren gehört ihm das Holzhaus. Mit Jägern und Freunden hat er hier nach der erfolgreichen Jagd oft gefeiert. Für seine Gäste hat er im Laufe der Zeit das obere Dachgeschoss ausgebaut. Sechs Personen können dort oben schlafen. Eine Solaranlage generiert Strom für Batterien im Schuppen. Die sorgen für die Beleuchtung der Jagdhütte.

 

Frank Meinert betätigt einen Lichtschalter. Nichts passiert. Die Batterien sind leer. „Denen geht es genauso wie mir. Ich bin müde geworden und schaffe es nicht mehr, mich um das alles hier zu kümmern“, sagt der 74-Jährige. Dennoch hält er an dem Gebäude fest, jedenfalls daran, dass die Jagdhütte weiter stehen bleibt. „Es kann doch nicht sein, dass ich die jetzt abreißen muss“, sagt er und sieht sich im Inneren um und öffnet die Fensterläden. Das hereinfallende Licht fällt auf eine kleine Küche, einen großen Tisch mit Eckbank in einer geräumigen Stube und eine Tür, die in ein weiteres Zimmer führt. „Da drin hat der Fürst persönlich geschlafen“, sagt Frank Meinert. Er öffnet sie. Dahinter liegt eine Schlafkammer mit einem Doppelstockbett. Vor 24 Jahren hat der Unternehmer aus Bad Salzuflen die Hütte vom Landesverband Lippe gekauft.

 

Wer die 150 Hektar Fläche auf dem Hurn zum Jagen pachtet, ist vertraglich daran gebunden die Hütte zu kaufen. Findet sie keinen neuen Besitzer, muss sie abgerissen werden. Die beiden derzeitigen Pächter des Waldstücks mit Wiesen, sanften Hügeln und Baumbestand wollen die Hütte jedoch nicht übernehmen. „Ist mir zu teuer“, sagt Uwe Pottharst, der einen Teil der Jagd gepachtet hat. Der zweite Pächter hat ebenfalls kein Interesse. Jetzt steht Frank Meinert vor einem Dilemma. Weil er keinen Käufer findet, ist er vertraglich dazu verpflichtet die Jagdhütte zurückzubauen. „Das ist ein historisches Gebäude. Ich hätte nie daran gedacht, dass ich einmal in diese Situation kommen könnte“, sagt er und zieht die Schultern verständnislos nach oben. Eigentlich wollte er die Hütte an ein Familienmitglied weitergeben. Doch das funktionierte auch nicht. Jetzt hat er ein Schreiben vom Rechtsanwalt bekommen, in dem er mit dem Rückbau beauftragt wird.

 

„Ich bin mit all dem einfach überfordert“, sagt er und setzt sich auf die Eckbank. Er blättert in alten Fotos und erinnert sich an die Gäste, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten hier waren: Jäger, Freunde, Familie, Geschäftsleute. Nach der Jagd haben sie oft das geschossene Schwarz- und Damwild gefeiert. Wie es jetzt weitergeht, weiß er nicht. „Vielleicht passiert ja noch ein Wunder“, sagt er.

 

Frank D. Lemke

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