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RWJ 12/2018: Vandalismus gegen jagdliche Einrichtungen am Niederrhein

„Täter gehen professionell und vorsichtig vor“

Viele Jäger am Niederrhein machen sich Sorgen, wenn sie zum Ansitz gehen. Im vergangenen halben Jahr wurden über 60 Hoch sitze und Leitern zerstört – und in einigen Fällen auch gefährlich präpariert.

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Mehrere Dutzend Kanzeln und Leitern wurden zerstört – oft geradezu zerteilt.

Es gibt mehrere belegte Fälle, bei denen Leitersprossen von unten angesägt wurden“, erklärte KJS-Vorsitzender Alfred Nimphius im Gespräch mit dem RWJ. „Das ist heimtückisch, da werden schwere Verletzungen billigend in Kauf genommen!“ Zum Glück ist bisher niemand zu Schaden gekommen, fast hätte es aber einen Jäger erwischt, der erst oben auf der Kanzel bemerkte, dass alle vier Pfähle durchgesägt worden waren – mit großer Vorsicht und einem gehörigen Schreck in den Knochen verließ er die Ansitzeinrichtung.

 

In den überwiegenden Fällen wurden Hochsitze umgeworfen und mit sauberen Schnitten auf Kaminholzlänge zersägt, selbst Stahlunterbauten wurden fachgerecht zerstört. Nimphius geht davon aus, dass die Täter mit Akku-Kettensägen und Rohrschneidern gearbeitet haben. Eine Flex hätte zu viel Lärm gemacht, Rohrschneider hingegen arbeiten sehr leise. Der Einsatz solcher Profi-Werkzeuge zeugt von Sachverstand und Kraft, das waren sicher keine spontanen Aktionen von Spaziergängern. Viele Leitern muss man auch vorher auskundschaften.

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Saubere Schnitte durch Stahl zeugen von hoher Professionalität und Spezialwerkzeug.

Da die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft bisher keine ausreichenden Erkennt nisse erbrachten, suchen die Jäger jetzt in Abstimmung mit den Strafverfolgungsbehörden die Öffentlichkeit. Wer verdächtige Fahrzeuge in den Revieren gesehen oder Menschen mit Werkzeugen im Wald beobachtet hat, wird gebeten, diese der Geschäftsstelle der KJS Wesel zu melden. Jeder noch so kleine Hinweis kann zu einem Ermittlungsansatz führen. Klar ist, dass die Täter mit Sachverstand, überlegt und sehr vorsichtig vorgehen. Die Hochsitze wurden stets fachmännisch zerlegt. In einem Fall stießen die Täter einen Hochsitz um und kehrten dann wenigen Tage später an den Tatort zurück, um die Pfähle, Latten und Bretter zu zersägen.

 

Ein Wiederaufstellen ist so unmöglich. All das trifft die Jäger am Niederrhein natürlich besonders hart. Neben der vielen Arbeit müssen natürlich auch beträchtliche Materialkosten aufgewendet werden – ohne zu wissen, wie lange die Hochsitze nachher noch stehen. Bisher ist völlig unklar, aus welchen Motiven die Vandalen handeln – sind es militante Jagdgegner, steckt ein persönliches Motiv dahinter? Dagegen spräche, dass zahlreiche Reviere in den Kreisen Kleve und Wesel sowie auf Duisburger Stadtgebiet betroffen sind. „Umgeworfene Hochsitze gibt es überall immer mal wieder. Diese Welle hat aber aufgrund der Massivität und Professionalität eine neue, bisher unbekannte Dimension“, so Nimphius.

 

Felix Höltmann


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