Seite 1

RWJ 08/2015: Afrikanische Auswüchse

„Jäger-Werbung“ zur besten Sendezeit

Anfang Juli flimmerte ein ZDF-Beitrag über den Bildschirm, der die wohl traurigsten Machenschaften beleuchtete, die weltweit mit Jagd und Jägern in Verbindung gebracht werden. Leider.

hannes jaennicke

Wenn Hannes Jaenicke im ZDF den Betroffenen gibt („Im Einsatz“ für was auch immer), darf man getrost auf Emotionen pur gespannt sein – Rührseliges am Stück, gut verpackt als Pseudo- Dokumentation. Da stört es keinen großen Geist, dass man’s mit der Wahrheit und den Fakten oft nicht ganz so genau nimmt. Als regelmäßiger Gast auf der Dortmunder Jagdmesse heisst es für viele Aussteller oft „volle Deckung“, wenn der smart ergraute Mime mit seinem Kamera- Trupp um die Ecke kommt. Kein Wunder, dass etwa Erkenntnisse aus einem langen Interview mit Kai-Uwe Denker, einem der profundesten Kenner der Elefantenjagd auf dem schwarzen Kontinent, „Im Einsatz für Elefanten“ nur gestört hätten.

 

Doch der Löwen-Beitrag war anders. Er ging auch Jägern an die Nieren.

 

Ballerei auf handzahme Kisten-Katzen

hannes jaennicke 36 36

Das Bild zeigt die perverse Exekution eines bedauernswerten handzahmen Löwen im Rahmen einer sog. „Gatter-Jagd“.

Nach allgemeinen Einleitungen über den massiven Rückgang der Löwen- Population landete Jaenicke „undercover“ (getarnt als wohlmeinender Reisereporter) auf einer Farm in Südafrika. Wie landwirtschaftliches Nutzvieh anderswo, werden dort Löwen aus rein kommerziellen Gründen gezüchtet, gefüttert, gehalten und exekutiert – vom Schmusen mit „süßen“ Löwen-Babies auf dem Arm (einmal Knuddeln: 15 Euro) bis zum Verkauf ausgewachsener Mähnenträger an die „Jagd“-Industrie (einmal Ballern: zigtausend Euro …).

 

Perverse Krönung war ein eingespieltes (da versagte selbst Jaenickes Tarnung) unsägliches Filmchen darüber, was mit ausgewachsenen Mähnen-Löwen auf solchen Farmen passiert:

 

Die an den Menschen gewöhnten, ihr ganzes Leben gefütterten „Könige des Dschungels“ werden in Mini-Gattern von zahlungskräftigen „Großwild-Jägern“ abgeknallt. Was Hannes Jaenicke besonders betroffen machte, war die Tatsache, dass man für solche Geschmacklosigkeiten nicht mal einen Jagdschein braucht oder wenigstens Erfahrung im Umgang mit Waffen haben muss. Eine Gruppe ausgebuffter Profis ballert so lange auf der bemitleidenswerten Katze herum (im ZDF-Film 11 mal…), bis man den Kadaver endlich für ein entsprechendes „Erleger-Foto“ (s. o.) drapieren kann – und ausgestopft als Vollmontage in der hauseigenen Safari-Bar den staunenden Jagdfreunden daheim erzählt, wie man das ganze Eingeborenen-Dorf vor dem Menschenfresser gerettet hat …

 


Wie Löwenjagd wirklich geht

hannes jaennicke 32 12

Der Alltag auf einer afrikanischen „Löwen-Farm“.

Nur zur Orientierung für wirklich Jagd-Interessierte (all das weiß Jaenicke natürlich auch, hätte aber nicht in sein Betroffenheits-Gedusel gepasst:

 

Löwen gehören zu den „Big Five“ – einer Gruppe von Tieren, die Großwildjäger seit der Kolonialzeit magisch anzieht (außerdem Elefant, Kaffernbüffel, Leopard, Spitzmaul-Nashorn). Durch das ungebremste Bevölkerungswachstum auf dem schwarzen Kontinent (und nicht die Jagd !) wird der König der Tiere immer weiter zurückgedrängt. Regulär bejagt werden darf die Großkatze daher nur noch in ganz wenigen Ländern – Tansania, Mosambique, Simbabwe, demnächst wieder in Sambia und ganz wenige Exemplare in Namibia. Die Kosten für so eine Jagd in „freier Wildbahn“ liegen weit über den 50 000 Euro, die im ZDF kolportiert wurden: Das fängt mit 18 bis 21 Tagen Mindestjagddauer an (Tagessatz 2 000 bis 3 000 Euro) plus Abschussgebühr plus Nebenkosten. Wer mit einer echten Löwenjagd seine Big Five komplettieren will, muss unterm Strich rund 80 000 Euro einplanen. Dafür bekommt man zwar nicht zwangsläufig eine dunkle Riesenmähne wie aus Disneys Epos „König der Löwen“, aber dafür eine Jagd, die bis heute nachhaltig betrieben wird. Denn abweichend von Jaenickes Behauptung, mit jedem Abschuss eines Rudel- Anführers würden gleich zig Jungtiere quasi „mitgetötet“ (weil die Nachfolger diese umbringen, um die Löwinnen selbst zu decken), dürfen erfahrene Berufsjäger Gäste nur auf solche Löwen führen, die gerade „kein“ Rudel mehr führen und als Einzelgänger leben. Wer dagegen verstößt, zahlt hohe Strafen, spielt mit seiner Berufsjägerlizenz und ausgeführt werden dürfen solche Trophäen sowieso nicht.

 

Über eines muss man sich klar sein – die Zukunft der Wildtiere Afrikas wird „nicht“ auf dem Schwarzen Kontinent selbst entschieden. Genauso wie derzeit eine wahnsinnige asiatische Aphrodisiakum- Mafia die letzten Nashörner ausrottet, heizen „Jäger“, die preiswerte Farm-Löwen exekutieren, genau die Entwicklung an, die das ZDF zur besten Sendezeit anprangerte – völlig zu Recht.

 

Und wenn man neueste Horror-Meldungen aus Namibia hört (s. Artikel), ist das erst der Anfang vom Ende dessen, was wir einmal unter „Jagd“ verstanden.

 

Sie möchten wissen, was das alles mit „unserem Waidwerk“, hier „bei uns“ in NRW zu tun hat? Dann gehen Sie mal mit offenen Augen durch die Halle 7 der nächsten Dortmunder Jagdmesse.

 

Matthias Kruse

 


Afrikanische Auswüchse

Mehr zum Thema

Die Anfang Juli ausgestrahlte Sendung lässt sich unter folgendem Link noch in der ZDF-Mediathek anschauen:

| zur ZDF-Mediathek |

 

Artikel aus RWJ 08/2015 über unnatürliche Wild-Exoten in Naimibia:

| RWJ 08/2015: Frankenstein lässt grüßen |


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.