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RWJ 06/2018: Zu Besuch bei Europas hrößtem Jagdwaffen-Hersteller sako

Finnische Abenteuer

Im vergangenen Herbst erhielt die RWJ-Redaktion eine Einladung in Finnlands hohen Norden. Bei Europas größtem Hersteller von Jagd- und Sportwaffen gabs interessante Informationen und Hintergrundgespräche – bis in die Sauna …

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Wir haben für Sie den Jagdwaffen-Hersteller sako besucht.

Die Kleinstadt Riihimäki ist Sitz des finnischen Waffen- u. Munitionsherstellers SAKO („Suojeluskuntain Aseja Konepaja Osakeyhtiö/dt. Feuerwaffen- Maschinenfabrik der Heimatschutztruppe“). Finnland gehörte ursprünglich zum russischen Zarenreich und wurde erst nach 1917 unabhängig. 1918 sollte das Militär mit eigenen Waffen ausgestattet werden, dazu gründete man eine Fabrik, die ab 1921 als SAKO firmierte. Im 2. Weltkrieg zunächst Verbündeter Deutschlands gegen Russland, schloss Finnland bereits 1944 Waffenstillstand mit Moskau. Kurz darauf übereignete der finnische Oberbefehlshaber Feldmarschall Mannerheim SAKO dem Roten Kreuz (!) – und entzog den Betrieb so dem Zugriff der Russen. 1967 kaufte die Nokia-Gruppe SAKO, in den 80er- Jahren auch Tikka und später Valmet. Seit 2000 gehört SAKO zur italienischen Beretta-Holding.

 

Das Werksgelände in Riihimäki ist ein Komplex aus älteren und neuen Gebäuden. Wurden dort ursprünglich Militärwaffen gebaut, verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Jagd- und Sportwaffen. Kernstück der heute produzierten Repetierer ist ein klassischer Drehzylinder-Verschluss mit Dreiwarzenverriegelung in einer geschlossenen Stahlhülse. In den großen Hallen und Fertigungsstraßen ist von Jagdwaffen zunächst nicht viel zu sehen. Erst bei näherem Hinsehen zeigt sich, dass hier Gewehrteile hergestellt werden.

 

Besonders auffällig sind die Kammerrohlinge, die samt Kammerstängel aus dem Vollen gearbeitet werden. Auch die Hülse besteht zunächst nur aus einem runden Stück Stahl, bevor moderne CNC-Fräsen sich darüber hermachen. Beim Betrachten der fertigen Hülsen zeigt sich ein weiteres Alleinstellungsmerkmal – sechs verschiedene Systemgrößen – von XS bis XL wird damit jede Büchse optimal auf die jeweilige Patronengruppe abgestimmt, von der .222 Rem. bis zu stärksten Großwildkalibern. Das wirkt sich besonders positiv auf Repetierweg, Länge und Gewicht aus.

 

Eigene Lauf-Fertigung

Zittern und dumpfes Dröhnen kündigen das Kernstück der Produktion an. Tonnenschwere Hämmer bearbeiten Laufrohlinge so lange, bis aus den eher plumpen Stahlstücken silbrig glänzende, elegante Läufe werden. Lauflängen variieren dabei ebenso wie die Konturen. Auffällig ist die hohe Anzahl gefluteter Läufe (aufpreisfrei, genau wie dickere oder längere). Die Beschaffenheit des Laufs bestimmt sich ausschließlich nach dem Modell – und davon gibts über 20 bei SAKO und 15 bei Tikka. Mehrpreis ist bei den Finnen übrigens auch ein Fremdwort für Magnum-Kaliber, echte Linkswaffen oder Mündungsgewinde – nach der Freigabe von Schalldämpfern ein nicht unwichtiges Detail. Gefertigt werden in Riihimäki jährlich rund 110 000 Jagd- und Sportwaffen – so viele wie die übrigen europäischen Hersteller gerade einmal zusammen …!

 

Diese gewaltige Menge macht die Finnen zur unumstrittenen Nummer 1 in Europa. Neben den Hunter-Modellen der Sako 85 stehen auch die erfolgreiche Bear sowie die traditionell geschäfteten Büchsen MA 05 (auch als Stutzen) zur Verfügung. Letztere entstammen wie die Grizzly und Black Bear der erfolgreichen Zusammenarbeit mit SAKO Deutschland (Manfred Alberts/Wiehl). Die von Vertriebsmanager Volker Sonntag angeregten Modelle erfreuen sich mittlerweile weltweit großer Beliebtheit. Alle Modelle überzeugen mit hoher Funktionalität und Bedienungsfreundlichkeit.

 

Der Verschluss der Sako 85 mit seinem geringen Öffnungswinkel von 60 Grad repetiert schnell, leicht und trocken. Mit dem extrem kurzen Kammerweg und dem herausnehmbaren Magazin lassen sich sehr flotte Schussfolgen realisieren. Auch schnelles Repetieren im Anschlag ist problemlos möglich – für Drückjagden wichtig. Die Sicherung rechts vom Schlösschen läuft geräuschlos. Durch Betätigen einer separaten Drucktaste entriegelt die Kammersperre zum Laden bzw. Entladen auch im gesicherten Zustand.

 

 


Bildergalerie Finnische Abenteuer - Eigene Lauf-Fertigung

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Finnische Abenteuer

Eigene Munition

SAKO ist neben Remington (USA) der einzige Waffenhersteller weltweit, der auch Patronen fertigt. In einer eigenen Fabrik werden Büchsenpatronen in 32 Kalibern und mehr als 100 unterschiedlichen Laborierungen hergestellt. Auch bleifrei produziert SAKO bereits seit über 30 Jahren und lässt diese Erfahrungen auch in die Laufproduktion einfließen. Die Patronenherstellung reicht bis in die 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts, Zeugnis davon legen bis heute Maschinen aus deutscher Fertigung der 30er-Jahre ab, die bis heute klaglos ihren Dienst versehen – weil es immer noch nichts Besseres gibt …

 


Erfolgreicher Test bei der Elchjagd

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Finnisches Elch-Schmaltier mit finnischem Traditions-Repetierer

Finnland hat eine der letzten unberührten Wildnisse Europas. Von seinen etwa fünf Millionen Einwohner sind immerhin 380 000 Jäger, genauso viele wie etwa bei uns – bei 40mal mehr Menschen …

 

Finnische Jäger sind stolz auf ihre Jagdtradition – und darauf, heimische Jagdwaffen zu führen, perfekte Werkzeuge. Elchjagd in Finnland wird perfekt organisiert. Gejagt wird in mehreren Treiben, das Abstellen erfolgt schnell, effektiv und störungsarm vom Bus aus. Alle Teilnehmer sind mit Funkgeräten verbunden, Sicherheit hat höchste Priorität. Aber auch Waidgerechtigkeit und Brauchtum in Form von Erlegerbrüchen und Streckelegen kommen nicht zu kurz. Besonders beeindruckend ist die Begrüßung und Verabschiedung der Jagdgesellschaft: Wie beim Eishockey passieren die Schützen die lange Reihe der Treiber zum Handschlag – ein schöner Brauch, der die gemeinsame Verbundenheit mit der Jagd unterstreicht.

 

Dass die Elchdichte in Skandinavien nicht besonders hoch ist, kannte ich von etlichen Gelegenheiten, bei denen ich höchstens erlegte Exemplare der in Europa nächsten Verwandten unserer Rehe auf der Strecke bestaunen konnte. Dennoch ist der Reiz dieser Jagden unbeschreiblich: Beim Hunde-Laut etwa ist alles „andersrum“ – während bei uns der Adrenalinspiegel steigt, wenn das Hundegeläut einmal direkt auf den eigenen Stand zukommt, gehen finnische Jäger erst in Anschlag … wenn es verstummt!

 

Denn skandinavische Hunde kennen nur Standlaut – wenn sich die gestellten Elche in Richtung der angestellten Jäger in Bewegung setzen, verstummen sie. Während ich noch über diese für deutsche Jäger völlig unübliche Hundearbeit nachgrübelte, tauchte fast lautlos (unvorstellbar, wie die zentnerschweren Kolosse dahergeschwebt kommen …) auf knapp 100 m im lichten Kieferbestand vor mir ein schwarzer Schatten auf. Dass der nichts „auf dem Kopp“ hatte, ließ sich selbst bei monokularem Ansprechen sicher erkennen. Da kein weiteres Stück folgte (Tiere schießen nämlich auch die Finnen grundsätzlich nicht von den Kälbern weg!), war der Schuss auf den langsam schräg wegtrollenden Giganten kein echtes Problem. Dass Elche als allgemein eher „weich“ gelten, galt für diesen Vertreter der Trughirsche allerdings nicht – ohne zu zeichnen, flüchtete er mit erhöhtem Tempo in Richtung meines linken Nachbarschützen.

 

Es war ein großes Glück, dass dies mein Gastgeber Volker Sonntag vom deutschen SAKO-Importeur Alberts war. Selten habe ich mich so gefreut, wie in dem Moment, als es Sekunden danach aus dem Walkie Talkie schnarrte: „Waidmannsheil, Dein Elch liegt!“ Und so setzte der unerwartete Erfolg auf dieses sauber erlegte Schmaltier einen mehr als würdigen Abschluss des Besuches beim größten Jagdwaffenhersteller Europas.

 

Matthias Kruse


Bildergalerie Finnische Abenteuer - Eigene Munition

... bis in die Sauna

Das Bessere ist der Feind des Guten

Ich weiß nicht, meine wievielte Waffenfabrik diese in der Peripherie des Polarkreises war. Die Dimensionen von SAKO sind jedenfalls riesig. Doch nicht die Stückzahl allein macht die Erfolge der Finnen aus. Der Hauptgewinner der RWJAktion zur diesjährigen „Jagd & Hund“ darf sich über einen Top-Repetierer freuen. Doch wenn so eine Waffe bei rund 3 000 € beginnt, ist damit auch die Verpflichtung verbunden, die Zugehörigkeit zur Spitzenklasse dauerhaft zu beweisen. Was die M 85 seit Jahrzehnten auch tut. Dennoch musste die Frage erlaubt sein, warum Elemente, die aus heutiger Sicht ganz normaler Bestandteil hochwertiger Waffen sind, bislang bei den Finnen fehlen – eine praktische Handspannung genauso wie die Möglichkeit für Wechselläufe und die damit erhebliche kompaktere Transportlänge.

 

Fragen, die ich mir schon vor der Reise in den Norden überlegt hatte. Bei der Werksbesichtigung kam eine weitere hinzu – die seitliche Schiebesicherung der M 85 wirkt gemessen am Anspruch dieser High-Ende-Waffe ausgesprochen „pisselig“. Verwunderlich, denn mit geringstem Aufwand ließe sich in der aufwendigen Produktionsstraße eine deutlich höherwertige Alternative verbauen. Sofort. Wirklich überrascht hat mich ein (deutschsprachiger!) Prospekt, in dem SAKO einen Behörden-Repetierer mit integriertem Schalldämpfer vorstellte – vor 30 Jahren! Wenn die Finnen diese Technik schon so lange beherrschen, werden wir sicher bald auch eine zivile Version davon erwarten können.

 

In Riihimäki bot sich die exklusive Gelegenheit, solche Fragen nicht nur mit den Entwicklern, sondern dem Firmen-Chef selbst zu diskutieren. Besonders die Atmosphäre einer traditionellen finnischen Sauna war dabei durchaus förderlich. Würde mich jedenfalls wenig wundern, wenn die freundlichen Finnen darauf demnächst reagieren.

 

mk


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