Seite 1

RWJ 04/2015: Editorial

Wir zählen zur Mitte!

Über 15 000 Jäger und Landleute vor dem Landtag – jetzt dürfte auch dem Letzten klar geworden sein, dass es massive Änderungen am Entwurf für das Jagdgesetz der Landesregierung geben muss. Es geht gar nicht mehr anders, wenn sich die Regierung nicht unmöglich machen will!

editorial schallenberg

Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen

Der Kampf der Jäger gegen das neue Jagdgesetz könnte sich auszahlen, hieß es nach der Großdemonstration am 18. März im WDR-Kommentar. Immerhin hat die größte Regierungspartei erneut Änderungen angekündigt, vor 15 000 Zeugen sprach der stv. SPD-Fraktionsvorsitzende Jochen Ott von erforderlichen Änderungen und nannte erstmals konkret die geplante Kürzung der Liste der jagdbaren Tierarten und die beabsichtigte Wiedereinführung der Jagdsteuer. Dort gäbe es laut Ott „mit Sicherheit“ Veränderungsbedarf gegenüber dem „nicht in Stein gemeißelten“ Gesetzentwurf von Minister Johannes Remmel (Grüne). Das ist zwar nicht genug, aber ein Anfang.

 

Die SPD will für den Landesjagdverband ein fairer Partner bleiben, davon bin ich überzeugt. Aber hoffentlich steht ihr der Koalitionspartner dabei nicht im Wege. Aufschluss geben werden die kommenden Wochen und vor allem die Verabschiedung des Gesetzes im Mai. Jagdpolitisch gab es mit der SPD in NRW nie Ärger, das Problem ist das ideologische Vorgehen der Grünen. Sicher hatte es ihr stv. Fraktionsvorsitzender Norwich Rüße nicht leicht, aber seine Rede wurde als „von oben herab“ und arg belehrend empfunden – so müssen sich die Grünen nicht wundern, wenn sie für viele der Buhmann sind und nicht nur Jäger und Landleute fordern: Schluss mit den Verboten! CDU-Chef Armin Laschet und sein FDP-Kollege Christian Lindner trafen einen ganz anderen Ton. Sie trauen Land und Leuten zu, mit Kompetenz und Erfahrung unsere Dinge selbst, also ohne permanente staatliche Regulierung, in Ordnung zu halten. Die Mitte der Gesellschaft hat die Nase voll von einer Politik auf Kosten der Betroffenen und zur Befriedigung irgendwelcher Kleingruppen. Und wer zur Mitte der Gesellschaft gehört und wer nicht, das wurde vor dem Düsseldorfer Landtag überdeutlich – 15 000 Jäger standen dort etwa 30 Jagdgegnern gegenüber.

 

Das Jagdgesetz kann nicht zulasten und auf Kosten der hauptbetroffenen Jäger und Grundeigentümer gehen. Dies wäre umso bitterer, als die Jagd nach Jahrhunderten als ausschließliches Privileg des Adels erst nach der Französischen Revolution und in Deutschland seit 1848 auch für einfache Bauern und Bürger erkämpft wurde.

 

Genau 167 Jahre zuvor, am 18. März 1848, schoss man Bürger und Bauern in Berlin nieder. Es waren die letzten Zuckungen des Feudalismus. Wir sind auf den Tag genau zum NRW-Landtag gezogen, weil wir uns gegen eine neue Art des Feudalismus wehren. Er kommt nicht mit Bajonett und Kanonen daher, sondern säuselt sanften Öko-Sound. Tatsächlich aber geht es darum, Land und Leute abzuwerten und klein zu machen. Der Landesjagdverband und die anderen Landnutzer wehren sich gemeinsam da gegen, dass uns Freiheitsrechte genommen werden sollen.

 

Allen, die in Düsseldorf dabei waren und die weiter für Jagd, Jäger, Land und Leute kämpfen, gilt mein tief empfundener Dank: Unseren Mitgliedern im LJV NRW, den anderen Landesjagdverbänden, dem Deutschen Jagdverband, unseren neun NRWPartnerverbänden des ländlichen Raumes, dem europäischen Jagdverband FACE und dem internationalen CIC – sie alle waren und sie sind großartig.

Und gemeinsam werden wir das auch bleiben!

Jagdrecht NRW

Mehr zum Thema


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.