Seite 1

RWJ 04/2017: Editorial

Kompromisslos bis zur Krise

Als die Grünen nach eigener Einschätzung noch eine „Basispartei“ waren, haben sie vielleicht mal aufs Volk gehört. Lang, lang ist das her. Denn die Grünen haben sich wirklich weiterentwickelt – und zwar weg vom Volk. Anders kann man ihren Umgang mit unserer erfolgreichen Volksinitiative für ein ideologiefreies, praxisgerechtes Jagdrecht nicht sehen. Noch lieber, als aufs Volk zu hören, wissen die Grünen alles – und selbstverständlich auch alles besser als die Hauptbetroffenen. So ist das neue Landesjagdgesetz 2015 zustande gekommen und daran hat sich nie etwas geändert.

Das Foto zeigt Ralph Müller-Schallenberg - Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen.

Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW.

Geändert haben sich allerdings die Umfragen. Mitte März bekamen die Grünen in NRW zumindest eine vorläufige Quittung präsentiert. Nach jüngsten Umfragen müssen sie um den Wiedereinzug in den Landtag zittern. Kein Wunder, wenn man Land und Leute dauerhaft ignoriert. Die Demoskopen müssen die grüne Partei so aus der Fassung gebracht haben, dass ihre Spitzenkandidatin und amtierende Vizeministerpräsidentin nicht mal mehr pünktlich auf eine Interview-Anfrage des RWJ reagiert. Die Reaktionen blieben auch in der Öffentlichkeit nicht aus: „Fakt ist, dass eine Volksinitiative, die 117.000 Unterschriften sammelt und machtvolle Demonstrationen organisiert, Ausdruck eines demokratischen Willens ist, der vom Landtag nicht gänzlich ignoriert werden sollte“, kommentierte die Neue Westfälische aus Bielefeld, „insofern täte Rot-Grün gut daran, dieser demokratischen Bewegung mehr Entgegenkommen zu zeigen. Möglicherweise ist die Kompromisslosigkeit, mit der die Grünen nicht nur in dieser Sache agieren, mit verantwortlich für ihre Akzeptanzkrise, die sich in den aktuellen Umfragen manifestiert.“

 

Die sind nämlich in einer Aussage am deutlichsten – mit der rot-grünen Mehrheit dürfte es in Düsseldorf nach der Landtagswahl vorbei sein. So lauten übrigens nicht nur die (aktuell stets mit Vorsicht zu genießenden) Umfrage-Ergebnisse Mitte März. Tatsächlich haben SPD und Grüne demoskopisch in NRW schon seit Ende 2014 keine Mehrheit mehr und jede Umfrage verloren. Deshalb ist unsere Volksinitiative über den Tag und die nun endende Legislaturperiode des Landtags von großem Wert.

Gleichwohl sind die Missachtung des ländlichen Raums und der fehlende Respekt angesichts der weit über 30.000 Demonstranten vor der Gesetzesverabschiedung und der größten Volksinitiative Nordrhein-Westfalens enttäuschend. Die jetzige Regierung macht erst ein neues Landesjagdgesetz und kündigt dann an, mit Monitorings und Evaluationen überhaupt den Änderungsbedarf auszuloten. Das ist absurd und richtet sich gegen die hauptbetroffenen Jäger und Jagdrechtsinhaber. Mit den Beschwichtigungen der amtierenden Landesregierung, notwendige Korrekturen auch künftig noch vornehmen zu können, geben wir uns nicht zufrieden.

Wir nehmen unsere Forderungen mit in die Zeit nach der Wahl. Auf den neuen Landtag kommt es an. Das untaugliche Landesjagdgesetz braucht dringend eine neue Mehrheit. Ganz offensichtlich warten wir Jäger darauf nicht allein.

Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.