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RWJ 07/2015: Editorial

Jägermeister-Fläschchen

Das neue NRW-Jagdgesetz war Ende Mai erst zwei Tage in Kraft, da wurde klar, was Remmel und Konsorten auch zuvor hätten erkennen können. Die nordrheinwestfälische CDU-Bundestagsabgeordnete Rita Stockhofe kündigte schon für die nächsten Wochen Änderungen des Bundesjagdgesetzes an, welche die NRW-Regelungen kippen.

editorial schallenberg

Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen

Das gilt für die Verwendung bleifreier Munition, den Nachweis von Schießübungen und die Jägerausbildung. Wenn der Landesjagdverband seinen Mitgliedern heute empfehlen muss, den neuen Leistungsnachweis nach dem NRW-Jagdgesetz so rasch wie möglich zu absolvieren, um dem absehbaren Gedränge auf den Schießständen vor den herbstlichen Drückjagden aus dem Weg zu gehen, kann das schon bald überholt sein. Wer sich für dieses Tohuwabohu bedanken möchte – Minister Remmel, Ministerpräsidentin Kraft und die rot-grünen Regierungsfraktionen in Düsseldorf sind geeignete Adressen.

 

Im Gegensatz zu Remmel (dank eigenem Zutun neuerdings das Jägermeister-Fläschchen genannt) will der Bund die in NRW ab dem nächsten Jagdjahr verbindliche bleifreie Büchsenmunition nicht generell einführen. „Weil wir nicht wollen, dass Tiere leiden“, zitierte der Westfälische Anzeiger die zuständige Bundestagsabgeordnete Stockhofe, nicht jede bleifreie Munition sei geeignet. Während der schwarz-rot regierte Bund einige NRW-Regelungen schon bald wieder kippen könnte, ist es mit Remmels selbst ernannter Vorbildfunktion selbst bei engsten politischen Freunden offensichtlich vorbei. So kommen aus Niedersachsen, wo der gleiche jagdpolitische Unfug wie hierzulande befürchtet wird, Nachrichten, die rot-grüne Landesregierung in Hannover wolle dem zum Scheitern verurteilten Düsseldorfer Gesetz nicht nacheifern (S. 25), sondern auf eine ideologisch motivierte Totalrevision des Landesjagdgesetzes verzichten – damit wird Remmel inzwischen von eigenen Parteifreunden als Voll-Ideologe bloßgestellt. Das wird uns in unserem Kampf nur bestärken, wir werden ihn politisch und juristisch fortsetzen.

 

Ich bin den Jägern in NRW besonders dankbar, dass sie dem Weg geschlossen folgen, den Präsidium und Landesvorstand beim Landesjägertag Ende Mai so eindrucksvoll bestätigt bekamen (S. 8). Noch mehr danke ich Ihnen allen für die hohe Mobilisierungskraft und Kampagnenstärke, die unser Verband bewiesen hat.

 

Die Moral unserer Land-und-Leute-Truppe ist ausgezeichnet – und das wird Düsseldorf weiter zu spüren bekommen!

 

Inzwischen stellt sich leider aber auch eine Niveau-Frage: Mit was für Leuten in der Regierung des größten Bundeslandes haben wir es zu tun? Wie lange mutet Ministerpräsidentin Kraft uns das noch zu, ohne selber massiven Imageschaden zu nehmen, oder ist ihr inzwischen alles egal? Bekanntlich griffen Remmel und die Parteigrünen zur kleinen Flasche, nachdem sie „ihr“ Jagdgesetz durch den Landtag gepaukt hatten und stellten Fotos dazu ins Netz (S. 9). Über Remmels Flaschenpost schrieb ein nichtjagender Leserbriefautor der Westfalenpost:
„Ein grinsender Minister mit einer Flasche Jägermeister in der Hand, primitiver geht’s doch nicht mehr – auf welches Niveau darf sich in Nordrhein-Westfalen ein Minister begeben, um ein durchgepeitschtes Gesetz zu feiern? In diesem Zusammenhang fehlt mir ein rügendes Eingreifen von Hannelore Kraft.“
Mir auch.

 

Jagdrechtsnovelle und Landesjägertag 2015

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