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RWJ 08/2014: Editorial

Im Grundsatz verlogen

Nach den Sommerferien hat die Landesregierung den ersten Entwurf eines novellierten Landesjagdgesetzes angekündigt. Kurz vor den Sommerferien hat eine höchst fragwürdige Allianz von Jagdgegnern dazu ein gemeinsames Papier vorgestellt. Es ist politisch indiskutabel, rechtlich unhaltbar und praktisch unbrauchbar, die Forderungen würden auf eine Abschaffung der Jagd hinauslaufen.

Das Foto zeigt Ralph Müller-Schallenberg - Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen.

Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW.

Dies ist weder mit dem Eigentumsschutz des Grundgesetzes vereinbar noch von der Landesregierung gewollt, wie der für die Jagd zuständige Minister Johannes Remmel zuletzt Mitte Mai auf dem Landesjägertag 2014 in Köln betont hat. Das Jagdgegner-Papier kann in der weiteren Debatte um das Landesjagdgesetz bei den maßgeblichen politischen Kräften in Regierung und Parlament kein Maßstab sein.

 

Völlig verkannt wird, dass die Jagd angewandter Natur- und Tierschutz ist, zu deren Ausübung die Jäger im Gegensatz zu Jagdgegnern eine schwierige staatliche Prüfung abgelegt haben. In den Gärten wird die Zahl der Singvögel immer weniger. Tauben führen zu erheblichen Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen und verschmutzen Städte wie Kulturdenkmäler. Rabenvögel sind eine ernsthafte Bedrohung für viele Jungtiere. Millionen wildernde Katzen und Hunde stellen eine massive Bedrohung für die frei lebende Tierwelt dar. Um diese Probleme kümmern sich nur die Jäger, was freilich von den Jagdgegnern auf ignorante und polemische Weise zu diskreditieren versucht wird.

 

Treffend schrieb dazu Eckhard Fuhr in der Tageszeitung „Die Welt“, dass NABU und BUND „trotz mancher Verstiegenheit“ ihren Ruf als seriöse Naturschutzorganisationen aufs Spiel setzen, weil sie sich „in Nordrhein-Westfalen mit Partnern zusammengetan haben, denen es um alles Mögliche geht, nur nicht um Naturschutz, ökologische Land- und Forstwirtschaft und solche Dinge. „Peta und Menschen für Tierrechte“ sind fundamentalistische Organisationen, die Menschen das Recht abstreiten, Tiere zu nutzen, weil Tiere angeblich ein Grundrecht auf Leben und Unversehrtheit hätten. Sie interessieren sich nicht für natürliche Prozesse und ökologische Zusammenhänge, sondern stellen das zur Rechtspersönlichkeit erklärte Tierindividuum in den Mittelpunkt ihres Denkens. Vollmundig behaupten sie, damit werde ein neues Kapitel in der moralischen Evolution der Menschheit aufgeschlagen. Nach all den Erfahrungen mit solchen Ankündigen v. a. im vergangenen Jahrhundert müsste eigentlich jeder vernünftige Mensch schreiend davonlaufen, wenn jemand solche Thesen schwingt. Wer sich als Anwalt von Milliarden Lebewesen aufspielt, die ihre Grundrechte weder verstehen noch artikulieren können, muss an totalitärem Größenwahn leiden.“

 

Fuhr verweist darauf, dass zumindest der NABU die Jagd im Gegensatz zu so genannten Tierrechtlern als legitime nachhaltige Nutzung nachwachsender Ressourcen einschätze und fährt fort: „Der grüne Umweltminister Remmel behauptet, seine ökologische Jagdreform solle die Zukunft der Jagd sichern. Ich würde ihm das gern glauben und sehe selbst ja auch tatsächlich erheblichen Reformbedarf. Mit den Geisterfahrern von Peta und Co. wird das aber nichts. Das Bündnis zwischen Naturschützern und Tierrechtlern ist im Grundsatz verlogen. Solange es besteht, muss für jeden Bio bauern und Ökoförster gelten: Keinen Euro für NABU und BUND.“

 

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