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RWJ 11/2018: Editorial

Höchste Eile

Seit dem 13. September wissen wir, dass die Afrikanische Schweinepest 60 km vor Nordrhein-Westfalen steht. An diesem Tag gab es den ASP-Befund in Belgien. Der Landesjagdverband befasst sich seit Monaten neben dem künftigen Landesjagdgesetz mit keinem anderen Thema so sehr wie mit der Prävention zur Abwehr dieser Seuche und dem potenziellen Krisenfall.

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Ralph Müller-Schallenberg
Präsident des Landesjagdverbandes NRW

Im vergangenen Jagdjahr wurden in Deutschland mehr als 820 000 Wildschweine erlegt – so viele wie noch nie in einer Jagdsaison, 66 000 davon in NRW. Diesen kaum noch zu steigernden Streckenrekord brachten Jäger in NRW auch deshalb zustande, um einen von vielen Übertragungswegen der Seuche zu hemmen. Damit dienen wir den berechtigten Interessen der heimischen Schweinefleischerzeuger, die akut und massiv bedroht würden, wenn die ASP unser Land erreichte. Jäger erfüllen damit einmal mehr einen sozialen Auftrag im Dienst der Gesellschaft. Allerdings warten wir trotz intensiver Gespräche mit dem zuständigen Ministerium, der Landwirtschaft und der Fleisch verarbeitenden Industrie immer noch auf ein schlüssiges Gesamtkonzept einschließlich der angekündigten Unterstützung zur Vermarktung von Schwarzwild. Denn die intensive Sauenbejagung hat zu einem Überangebot mit stark fallenden Preisen geführt, mancherorts werden nicht mal mehr 50 Cent/kg bezahlt.

 

Dabei haben allein „Tönnies“ und „Westfleisch“ längst die Abnahme und Vermarktung von 10 000 Sauen signalisiert. Mit dem Ministerium muss jetzt endlich Klarheit über Details einer Regelung gefunden werden, die wir zur Drückjagdsaison schon längst haben müssten. Es wird allerhöchste Eisenbahn für ein schlüssiges Gesamtkonzept, wozu Umweltministerin Ursula Heinen-Esser und andere Landespolitiker auch Bereitschaft und Unterstützung bekundet haben. Wir müssen gemeinsam handeln – oder wir werden gemeinsam scheitern, höchste Eile ist geboten. Gut voran geht es beim Landesjagdgesetz, das am 12. November zur Beratung im NRW-Umweltausschuss ansteht. Wir haben mit allen Landtagsparteien darüber gesprochen – außer mit den Grünen, die an einem Treffen kein Interesse hatten.

 

Mit den Regierungsparteien ist der Austausch von Informationen und Meinungen verständ licherweise besonders eng, aber auch aus der SPD waren interessante Signale zu vernehmen – vielleicht sei Remmels Landesjagdgesetz doch nicht der Weisheit letzter Schluss gewesen, auch wenn man ihm aus Koalitionsraison gegenüber dem damaligen Grünen-Koalitionspartner zugestimmt hat. Gute Nachrichten kommen auch aus der Schweiz: In Zürich überstand die Jagd gerade problemlos eine Attacke bei einer Volksabstimmung – 84 Prozent der Züricher erteilten einer Anti-Jagd-Initiative eine Abfuhr. Von der erfolglosen Initiative geforderte Wildhüter machen bereits im Kanton Genf die Jagd unnötig teuer – jede erlegte Sau kostet die Steuerzahler im Genfer Urbanmilieu, wo 1974 die private Jagd abgeschafft wurde, sage und schreibe 2 400 Euro. Bezogen auf erlegte Rehe, Hirsche und Sauen lägen die Kosten in Deutschland damit bei 4,7 Mrd. Euro jährlich.

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