Seite 1

RWJ 02/2017: Editorial

Geteilter Tierschutz

Das umstrittene, im April 2015 von der rot-grünen Mehrheit verabschiedete Landesjagdgesetz ist wieder im Landtag gelandet. Dank unserer Volksinitiative für ein ideologiefreies, praxisgerechtes Jagdrecht hat sich der zuständige Parlamentsausschuss damit am 18. Januar befasst. Demnächst steht das Thema auch wieder im Landtagsplenum öffentlich im Fokus.

Das Foto zeigt Ralph Müller-Schallenberg - Präsident des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen.

Ralph Müller-Schallenberg, Präsident des Landesjagdverbandes NRW.

Das Landesjagdgesetz ist teilweise verfassungswidrig, eigentumsschädlich und ideologisch geprägt. Es richtet sich gegen bewährte jagdliche Praxis und gegen den Einsatz der Jagd für Artenvielfalt und ungeteilten Tierschutz. Das ist nach wie vor unsere Position. Das Gesetz widerspricht aber auch den eigenen Zielen der Landesregierung. Denn sie zementiert mit dem Landesjagdgesetz einen geteilten Tierschutz. Wir Jäger sind nie scharf gewesen auf die Tötung von Katzen. Aber mit dem Abschussverbot wildernder Streuner hat das Gesetz ein Problem mehr geschaffen als gelöst. Jetzt merken auch immer mehr Nichtjäger, dass es zu viele dieser kleinen Raubtiere gibt und sie auch deswegen Amsel, Drossel, Fink und Star kaum noch in Gärten und Parks erleben können. Genauso ist es mit den Erschwernissen bei der Fallenjagd, was dazu führt, dass die Tiere in der Feldflur immer stärkerem Druck der Beutegreifer ausgesetzt sind.

 

Aus dem Grundsatz „Wald vor Wild“ droht ein Abschusszwang zu werden mit uns Jägern als Schädlingsbekämpfern. Dazu sind wir und dazu ist die Jagd nicht da. Am Ende werden wir noch dafür verantwortlich gemacht, dass kein Mensch mehr ein Reh im Wald oder auf der Wiese sehen und erleben kann.

 

Es bleibt dabei, was der frühere SPD-Fraktionschef Friedhelm Farthmann gesagt hat: Dieses Jagdgesetz ist das unzulänglichste, das jemals vom Landtag verabschiedet worden ist. Das werde ich auch Minister Remmel erneut sagen. Er hat mir Ende des vergangenen Jahres seinen Wunsch nach einem persönlichen Gespräch übermittelt. Ich habe ihn daraufhin in die Geschäftsstelle des Landesjagdverbandes nach Dortmund eingeladen. Wenn der für die Jagd derzeit zuständige Minister einen solchen Gesprächswunsch hat, ist es für mich und das Präsidium des Landesjagdverbandes selbstverständlich, diesem Wunsch Rechnung zu tragen. Denn der Landesjagdverband ist immer gesprächsbereit gegenüber allen verantwortlichen und demokratischen Kräften der Politik. In diesem Fall zeigen die 120.000 Unterschriften und der Erfolg unserer Volksinitiative natürlich auch Wirkung.

Zum Schluss eine große Bitte an alle Revierinhaber – Feldhase und Fasan sind die wichtigsten Wildarten unserer Niederwildreviere – und dort unsere größte Sorge. Deshalb bitte ich um besondere Aufmerksamkeit für die Umfrage zur aktuellen Entwicklung – wir sind es unserem Niederwild schuldig.

Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.