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RWJ 12/2016: Editorial

Abschied und ein Anfang – ein Auftrag

Bei mancher Gesellschaftsjagd werden auch dieses Jahr wieder vertraute Gesichter fehlen. Wie selbstverständlich erinnert der Jagdherr dann seine Gäste noch vor der offiziellen Begrüßung in ehrenvollem Gedenken an Jagdfreunde, die jahrzehntelang lebendes Inventar dieser Jagd waren – und nun aus unserer Mitte gerissen wurden.

Das Foto zeigt Mathias Kruse, Chefredakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger.

Matthias Kruse, Chefredakteur Rheinisch-Westfälischer Jäger

Nicht nur am offenen Grab gehört es sich, mit einem letzten Halali derer zu gedenken, die über den Tod hinaus zu uns gehören, mit denen wir gern jagen durften. Doch genauso, wie wir unsere verstorbenen Freunde nicht vergessen, steht es uns gut zu Gesicht, der neuen, kommenden Jäger-Generation zu zeigen, wie sehr wir uns darüber freuen, dass sie zu uns gehören will. Und damit dafür sorgt, dass „die Sache mit der Jagd“ weitergeht. Sicher haben Sie die beschriebenen traurigen Momente zu Beginn von Gesellschaftsjagden schon öfter erlebt. Was spricht dagegen, direkt nach dem Verklingen des letzten Halalis der Trauer in solchen Momenten die Freude an die Seite zu stellen? Begrüßen wir doch namentlich jene, die in diesem Jahr zum ersten Mal dabei sind, zum ersten Mal zu uns gehören.

 

Mit so einem neuen Ritual hätte der Jagdherr seinen Part erst mal erfüllt. Denn dann sind SIE dran – jeder einzelne Teilnehmer einer Drück- oder Treibjagd: Sicher haben Sie noch nicht vergessen, wie Sie sich selbst als junger Eleve bei den ersten jagdlichen Schritten gefühlt haben: ein erster Knopfer noch in Begleitung, das erste Stück allein vom Hochsitz und dann die Premiere in der Öffentlichkeit einer großen Corona. Aufregend und sicher auch mit ein bisschen Beklemmung – „Nur nichts falsch machen!“ bimst man sich mit klopfendem Herz an einem solchen Morgen immer wieder ein. Wie schön, wie „zugewendet“ würde es doch sein, wenn der Jungjäger in diesem unbekannten Neuland zu spüren bekommt, dass sich alle darüber freuen, dass er dabei ist. Dass man ihm hilft, all das zu lernen und zu erfahren, was für alte Hasen längst selbstverständlich ist.

 

Verkneifen Sie es sich daher, Jungjäger mit Argwohn und List zu beobachten oder gar in eine Falle zu locken, um sie abends beim Jagd gericht mit fragwürdigen Ritualen wie Hase-Apportieren, Aus-Flintenläufen-mit-Schnaps-abfüllen und ähnlichen Sauereien in die Pfanne zu hauen („Datt hat noch kei’m geschadt“). Das genaue Gegenteil ist gefragt – jeden jungen Jäger (erst recht jede junge Jägerin!) im wahrsten Sinne des Wortes an die Hand zu nehmen, um ihnen unser Handwerk zu vermitteln. Das kann ein nettes Wort sein, ein Trost bei Fehlschüssen (Wem passierte das noch nie?) und natürlich erst recht die tief empfundene Mitfreude bei erstem jagd lichen Erfolg. Das Ziel ist doch ganz einfach – wenn der junge Mensch am Abend eines hoffentlich erlebnisreichen Tages in die Federn fällt, soll er stolz darauf sein, zu UNS gehören zu dürfen. Und sich auf das nächste Mal freuen.

 

Wer so eine Ahnung davon bekommt, was es heißt, auch heute noch Jäger zu sein, der kommt vielleicht von selber darauf, dass es vielleicht auch sinnvoll sein könnte, ganz offiziell unserer Gemeinschaft in Form von Hegering, Kreisjägerschaft und LJV beizutreten. Automatisch passiert das nämlich schon lange nicht mehr – mehr als 90 000 gelösten Jagdscheinen zwischen Rhein und Weser stehen knapp 65 000 LJV-Mitglieder gegenüber. Wenn auf „Ihrer“ Gesellschaftsjagd, auch mit „Ihrer“ Hilfe in diesen Wochen auch nur ein Einziger hinzukäme, wäre das ein toller Erfolg!

 

Ich wünsche Ihnen einen ruhigen Advent, ein friedvolles Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches Jahr 2017 – Waidmannsheil auf allen Wegen!

 

Matthias Kruse

 

P. S.: Wenn Sie bei der Christmette einmal kurz die Augen schließen und ganz genau hinhören, werden Sie vielleicht bemerken, dass sich der übliche Posaunen-Chor zur Begleitung der himmlischen Chöre in diesem Jahr mit einem sauber geblasenen Es-Horn verstärkt hat – mach’s gut da oben, Josef!

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