Seite 1

RWJ 07/2015: Noch nicht aus dem Ei . und schon gefressen

Waschbären bedrohen seltene Sumpfschildkröte

Die Europäische Sumpfschildkröte ist Reptil des Jahres 2015. Diese Ehrung ist zugleich ein Verweis auf eine besonders bedrohte Art. Im Nordosten Brandenburgs existiert eines der letzten Vorkommen in Deutschland, das staatliche Naturschützer seit über 20 Jahren gemeinsam mit Jägern betreuen.

schildkrote1

Die Europäische Sumpfschildkröte gehört zu den bedrohten Arten.

Um die Population zu erhalten und wieder großräumig zu etablieren, fordert der DJV eine Bejagung der Fressfeinde besonders in den Brutgebieten. „Lebensraumverbessernde Maßnahmen und eine intensive Fangjagd helfen stark bedrohten Arten wie der Sumpfschildkröte“, erklärt DJV-Artenschutzexpertin Astrid Sutor.

 

wb5

Sumpfschildkröten sind für Waschbären eine leichte Beute.

Seit 2005 beobachten Forscher einen starken Bestandsrückgang auch bei erwachsenen Sumpfschildkröten. Wo Waschbären vorkommen, weist nahezu jedes zweite Reptil schwere Verletzungen wie abgebissenen Gliedmaßen und Schwänze auf. Filmaufnahmen von Monitoringkameras zeigen, wie geschickt Waschbären Jagd auf Sumpfschildkröten machen.

 


waschbär-m.-breuer

Kraniche gefährden Waschbären nach neuesten Erkenntnissen nicht - dafür aber Sumpfschildkröten um so mehr. M. Breuer

In Brandenburg sind bereits 71 Prozent der Jagdreviere in Waschbärhand, wie Erhebungen im Rahmen des Wildtierinformationssystems zeigen – rund ein Drittel mehr als 2006. Deutschlandweit kommt der Kleinbär in 46 Prozent aller Jagdreviere vor.

 

Neben dem Waschbär bedrohen zahlreiche andere Fressfeinde, wie Fuchs, Marderhund, Mink und Krähenvögel, Gelege und Schlüpflinge der seltenen Schildkröte. Gezielte Pflegemaßnahmen wichtiger Brutplätze, an denen im Frühsommer die Eier abgelegt werden, sind deshalb nur eine Säule des Artenschutzes. Daher fordert der DJV von Politik und Naturschutzverbänden eine Unterstützung bei der Ausübung der Fangjagd, um Fressfeinde zu reduzieren. Denn Jäger sind im Umgang mit Fanggeräten geschult und daher wichtige Partner im Artenschutz, in speziellen Seminaren lernen sie das richtige Aufstellen verschiedener Fanggeräte unter Berücksichtigung aller tierschutzrechtlichen Vorschriften. Der Einsatz von Fallen ist eine wichtige Maßnahme zum Erhalt der europäischen Sumpfschildkröte, der DJV hat dazu auch einen Film veröffentlicht:

 

 


Info

Europäische Sumpfschildkröte

Ursprünglich verbreitet von Portugal bis zum ehemaligen Aralsee, im 19. Jahrhundert in Brandenburg und Mecklenburg noch relativ häufig, sukzessive Bestandsabnahme durch übermäßige Nutzung als Nahrungsmittel (Exportgut „Fastenspeise“) und Beifang in Fischreusen.

 

Zunehmende Lebensraumzerstörung (Trockenlegung von Gewässern, Umwandlung sonnenexponierter Magerrasenstandorte in Ackerflächen) führte zu lokaler Ausrottung.

 

Sumpfschildkröten legen etwa 10 bis 20 Eier in Erdgruben unweit ihrer Wohngewässer, in den unterirdischen Brutstätten entwickeln sich aus dem Gelege die jungen Schildkröten. Sie überwintern in ihren Bruthöhlen und suchen erst im Frühjahr des nächsten Jahres das Wasser auf.

 


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.