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RWJ 04/2018: Wolfs-Management

Jagdverbände fordern länderübergreifende Zusammenarbeit

Anfang März wurde bekannt, dass die obersten Naturschutzbehörden aus Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland bei Herdenschutz und „Wolfs-Management“ enger zusammenarbeiten wollen und dazu eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen haben.

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Wölfe halten sich nicht an Ländergrenzen. Daher ist eine grenzüberschreitende Kooperation gut und richtig. Allerdings sollten alle Betroffenen eingebunden werden.

DJV und LJV Baden-Württemberg kritisieren diesen Alleingang. Der Wolf kenne keine Ländergrenzen, deshalb sei ein bundesweiter Ansatz notwendig. Jäger und Landwirte müssten in die Planung einbezogen werden. Eine länderübergreifende Vereinbarung zu einem effektiveren Wolfs-Management sei durchaus sinnvoll, betonen beide Verbände. Eine Vereinbarung zwischen vier Bundesländern sei allerdings nicht zielführend – vor allem, wenn Betroffene nicht eingebunden werden. „Die letzten in Baden-Württemberg bestätigten Wölfe kamen aus Niedersachsen“, sagte DJV-Präsidiumsmitglied Helmut Dammann-Tamke. Der Vorstoß sei blanker Aktionismus und ein unnötiger Vorgriff, weil der Bund eine bundeseinheitliche Regelung schaffen will. Das haben CDU, CSU und SPD im Koalitionsvertrag vereinbart.

 

Der LJV Baden-Württemberg ist verärgert, dass bei vorgesehenen Steuerungsund Managementgruppen im Rahmen der Kooperation weder Landwirte noch Jäger einbezogen werden sollen. Zudem fand eine Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministerium in Baden-Württemberg bisher nicht statt. „Eine länderübergreifende Kooperation ohne Einbeziehung Betroffener ist ein Weg in die falsche Richtung“, so Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann, „wir fühlen uns regelrecht ausgegrenzt, obwohl wir uns seit Jahren für ein Wolfs- Management im Land einsetzen.“ Der Wolf unterliege zwar dem Naturschutzrecht, aber von Einwirkungen des Wolfes seien Landwirte, Schafhalter und Jäger direkt betroffen.

 

Jäger seien flächendeckend im Land in den Revieren präsent und deshalb für ein Wolfs-Monitoring auf der Fläche ebenso wie für den Umgang mit verhaltensauffälligen Wölfen prädestiniert. „Wir lehnen es aber vehement ab, dass über unsere Köpfe hinweg in von uns gepachteten Revieren anonyme, nicht ortskundige, bewaffnete Eingreiftrupps Jagd auf Problemwölfe machen sollen. Der Versuch, sich eine alleinige Zuständigkeit zu sichern, ist nur politisch motivierter Aktionismus“, so Friedmann weiter. Dammann-Tamke ergänzt: „Besonders Niedersachsen zeigt, dass Jäger den Aufgaben des Wolfs-Monitorings gewachsen sind, wenn sie diese Aufgabe übertragen bekommen.“

 

Die Zahl der Wölfe in Deutschland steigt weiter – und damit die Herausforderungen. Warum sich das baden-württembergische Umweltministerium seit langem weigert, den „Handlungsleitfaden Wolf“ zu einem umfassenden Managementplan weiterzuentwickeln, bleibt unklar. „Wildtiermanagement ist mehr als das Beharren auf Zuständigkeiten. Statt Aktionismus in Baden-Württemberg brauchen wir bundeseinheitliche Richtlinien für das Wolfsmanagement“, betonten Dr. Friedmann und Dammann-Tamke.

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