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RWJ 07/2015: Umfrage zur FFH-Richtlinie

Erstickt der Naturschutz an seinen Erfolgen?

Der DJV ruft alle Jäger auf, an einer Umfrage teilzunehmen, bei der bis zum 24. Juli jeder EU-Bürger seine Bewertung der europäischen Naturschutzpolitik abgeben kann.

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Obwohl die Biber-Populationen überall stark anwachsen - und zu Schaden gehen - tut die FFH-Liste so, als sei die Art weiter gefährdet.
Foto: R. Bernhardt

Die Erholung der Bestände einstmals gefährdeter Arten führt inzwischen in einigen Regionen Deutschlands zu erheblichem Unmut. So ist der Biber mancherorts zum Streitobjekt Nummer eins geworden. Spätestens seit etwa im Oderland in Brandenburg Biber regelmäßig Deiche unterhöhlen und Flutgräben stauen, gibt es dort kaum noch Befürworter für ihren strengen Schutz. Der DJV fordert, dass es künftig möglich sein muss, flexibler auf solche Entwicklungen zu reagieren.

 

„Sonst ist die Akzeptanz für den Artenschutz in ländlichen Gebieten in Gefahr“, sagte DJV-Präsidiumsmitglied Dr. Jürgen Ellenberger. Vor diesem Hintergrund müsse die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) dringend überarbeitet werden, um auf nationale und regionale Besonderheiten besser reagieren zu können. Die jetzt anstehende Bewertung der FFH-Richtlinie sei eine Chance für größere Flexibilität und damit auch für eine bessere Akzeptanz des Artenschutzes auf nationaler Ebene, sagte Ellenberger.

 

Auf europäischer Ebene fordert die Änderung des Schutzstatus für eine Art bisher die einstimmige Entscheidung der EU-Mitgliedsstaaten. Die FFHRichtlinie hat direkten Einfluss auf das Bundesnaturschutzgesetz, das nur sehr begrenzt und mit hohen bürokratischen Hürden Ausnahmen vom strengen Schutz der Arten in Anhang IV der FFH-Richtlinie zulässt – selbst für Arten mit positiver Bestandsentwicklung, die längst nicht mehr im Bestand gefährdet sind. Die ohnehin schon strengen Vorgaben der europäischen FFH-Richtlinie wurden in Deutschland sogar verschärft. Der DJV kritisiert die Behauptung einer Vielzahl europäischer Naturschutzverbände, Naturschutz sei nur mit dem Erhalt der Richtlinien aufrechtzuerhalten.

 

Das erklärte Ziel der Umweltverbände ist es, eine Überarbeitung der FFHRichtlinien mit allen Mitteln zu verhindern. Sie suggerieren damit, jede Öffnung der Richtlinien sei ein Rückschritt für den Naturschutz. Dem widerspricht der DJV vehement – es geht nicht darum, den Naturschutz zu schwächen, sondern die Richtlinie den Veränderungen der letzten Jahrzehnte anzupassen und durch bessere Regeln die Akzeptanz des Artenschutzes zu erhöhen.

 

Aufruf zur Teilnahme

Liebe Jägerinnen und Jäger!

Die EU-Kommission überprüft die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) mit einer öffentlichen Konsultation, dem sog. Fitness-Check. Noch bis zum 24. Juli ist jeder EU-Bürger aufgerufen, die FFH-Richtlinie auf ihre Brauchbarkeit zu beurteilen. Andere Naturschutzverbände machen bereits mobil – bitte machen auch Sie mit!

 

Der DJV hat sich an der Befragung der EU-Kommission zum sogenannten „Fitness-Check“ der europäischen Naturschutzrichtlinien beteiligt. Die Überprüfung von Vogel-Richtlinie und Fauna- Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) soll zeigen, ob die Richtlinien ihre Aufgaben erfüllen und wo es möglicherweise Verbesserungsbedarf gibt. Anfang 2016 will die EU entscheiden, ob es zur Überarbeitung (ggf. auch Zusammenlegung) der Richtlinien kommt.

 

Änderungsbedarf an den Richtlinien ergibt sich für den DJV aus einer Vielzahl von Beispielen aus der gängigen Praxis der letzten Jahre. So kommt es durch die Ausweisung von Schutzgebieten zunehmend auch zu Einschränkungen und Verboten der jagdlichen Nutzung. Diese sind zum Teil überzogen und der weiteren Akzeptanz der Richtlinien in der Bevölkerung nicht förderlich. So kann es zur Einschränkung der Fangjagd oder von Jagdzeiten kommen, oder bestimmte Arten erhalten einen besonders strengen Schutzstatus, trotz eines günstigen Erhaltungszustandes.

 

Bis einschließlich 24. Juli kann sich jeder an der öffentlichen Befragung beteiligen – und damit die mit dem Fitness-Check verbundene Chance zur Änderung der Richtlinien nutzen. Bitte füllen Sie den Bogen nach Ihren persönlichen Kenntnissen und Erfahrungen im Zusammenhang mit den beiden EU-Richtlinien aus und beantworten Sie zumindest die Fragen in Teil 1 des Bogens!

 

Auch wer die Detail-Fragen im zweiten Teil nicht mehr beantworten möchte, sollte vor Absendung des Beitrages unbedingt noch zusätzliche Anmerkungen in einem freien Textfeld machen – teilen Sie der EU-Kommission Ihre ganz persönlichen Erfahrungen und Beispiele mit den Richtlinien aus der Praxis mit.

 

Die Beteiligung ist nur online möglich: www.bit.ly/1GOzPP9
(die Umfrageseite ist auf der rechten Bildschirmseite auf Deutsch einstellbar)


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