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RWJ 11/2015: Afrikanische Schweinepest

Ein Wurstbrot reicht...

An Afrikanischer Schweinepest (ASP) erkranken Haus- und Wildschweine. Über Georgien und den Kaukasus verbreitete sich das Virus bis Ostpolen. Vor der Drückjagdsaison befragte der DJV Dr. Sandra Blome vom nationalen Referenzlabor für Tierseuchen.

 

Wie ist die aktuelle Situation in Europa, ist ein Ausbruch bei uns zu erwarten?

Blome: In Polen, Litauen, Lettland und Estland wird seit 2014 regelmäßig Afrikanische Schweinepest (ASP) bei Hausund Wildschweinen festgestellt. In den betroffenen Regionen gelten Restriktionsmaßnahmen zur Bekämpfung gemäß EU-Recht. Russland berichtet seit mehreren Jahren immer wieder von Fällen, die Lage in Weißrussland ist aufgrund fehlender Daten schwer einzuschätzen. In den letzten Monaten meldete zudem die Ukraine Fälle. Eine Einschleppung nach Deutschland, v. a. über kontaminierte Fleischprodukte, kann nicht ausgeschlossen werden.

 

Welche Übertragungswege sind bekannt oder gelten als wahrscheinlich?

Blome: Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände übertragen werden. Unter ungünstigen Bedingungen reicht ein unachtsam entsorgtes Wurstbrot aus, um die Seuche einzuschleppen. Besonders effizient ist die Übertragung über Schweiß, kleinste Tropfen reichen für eine Infektion, daher ist Hygiene bei der Jagd besonders wichtig.

 

Welche Symptome sind typisch, gibt es äußerlich erkennbare Kennzeichen, die Jäger auf die Erkrankung des beobachteten Wildschweins hinweisen?

Blome: Bei europäischem Schwarzwild führt die Infektion zu sehr schweren, aber unspezifischen Allgemeinsymptomen wie Fieber, Schwäche, Fressunlust, Bewegungsstörungen und Atemproblemen. Durchfall und Blutungsneigung (Nasenbluten, blutiger Durchfall, Hautblutungen) können ebenfalls auftreten. Erkrankte Tiere zeigen mitunter eine verringerte Fluchtbereitschaft (Liegenbleiben in der Suhle) oder Auffälligkeiten wie Bewegungsunlust und Desorientiert heit. Die Erkrankung betrifft alle Altersklassen und Geschlechter und führt in nahezu allen Fällen zum Tod innerhalb einer Woche. Beim Aufbrechen sollte auf vergrößerte, „blutige“ Lymphknoten, eine vergrößerte Milz und feine, punkt- o. flächenförmige Blutungen in Organen, Haut oder Unterhaut geachtet werden. Lunge und Atemwege sind häufig mit Schaum gefüllt. Das Fehlen solcher Auffälligkeiten schließt nicht aus, dass es sich dennoch um ASP handelt. Die Erkrankung kann anhand der Krankheitserscheinungen nicht von Klassischer Schweinepest (KSP) und anderen schweren Erkrankungen unterschieden werden.

 

Wie sollte man sich verhalten, wenn ein totes Wildschwein gefunden wird?

Blome: Information der Veterinärbehörden, wenn Schweinepest als Todesursache nicht ausgeschlossen werden kann, Absprache der Probennahme und mögliche Hygienemaßnahmen. Als Probematerial eignen sich besonders Schweiß und Milz, notfalls andere Organe oder Knochen. Sogar schon verweste Stücke können noch untersucht werden. Besondere Vorsicht sollte man bei Gegenständen walten lassen, die Kontakt zu Schweiß von Schwarzwild hatten (Stiefel, Lappen, Wildwannen, Messer, Kleidungsstücke). Außerdem können Trophäen und Schwarzwildprodukte aus betroffenen Regionen ein Risiko für die Einschleppung darstellen, wenn sie nicht ordnungs - gemäß dekontaminiert worden sind. Gleiches gilt für dazu verwendete Kleidungsstücke und Gegenstände.

 

Gibt es einen Notfallplan, falls die ASP in Deutschland ausbricht – und was müssen Jäger dann beachten?

Blome: Nach der Schweinepestverordnung wurde ein Notfallplan erstellt, der auch die Bekämpfung der Wildschweinepest enthält. Jeder Verdacht auf ASP wird labordiagnostisch und epidemiologisch abgeklärt. Sollte ein Ausbruch amtlich bestätigt werden, wird um die Abschuss- oder Fundstelle ein gefährdeter Bezirk festgelegt und durch Schilder ausgewiesen. Darin werden auch Hausschweine untersucht und unterliegen bereits weitreichenden Restriktionen. Für die Bekämpfung im Schwarzwildbereich können Jäger zur Mitwirkung festgelegter Maßnahmen verpflichtet werden, wie verstärkte und konzertierte Bejagung.

 

Afrikanische Schweinepest

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