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RWJ 08/2018: LJV-Ehrenpräsident Jochen Borchert mit Landesverdienstorden ausgezeichnet

Ihm gelang, was so gut wie nie gelingt

Jochen Borchert (Präsident des Landesjagdverbandes von 2002-12) ist mit dem Verdienstorden des Landes NRW ausgezeichnet worden.

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Finanzminister Lutz Lienenkämper (l.) überreichte dem früheren Jägerpräsidenten Jochen Borchert den NRW-Verdienstorden.

Der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten unter Kanzler Helmut Kohl von 1993–98 gehörte von 1980 bis 2009 über ein Vierteljahrhundert dem Deutschen Bundestag an und war von 200311 auch Präsident des DJV. Zu den Verdiensten Borcherts in der Landesjagdpolitik gehört ein großer Erfolg – die Abschaffung der Jagdsteuer in NRW 2010. Selbst die folgenden rotgrünen Regierungen trauten sich trotz anderer Absichten nicht, sie wieder einzuführen. LJVPräsident Ralph MüllerSchallenberg gratulierte Borchert zu der Auszeichnung und erinnerte an das jagdpolitische Meisterstück seines Vorgängers: „Über die Bedeutung für uns Jäger hinaus bleibt es eine einmalige Leistung, eine Steuer abgeschafft zu haben. Das gelingt kaum einem Politiker.“

 

Die Ehrung Borcherts und 17 weiterer Bürger fand in einer Feierstunde Anfang Juli im Museum Kunstpalast in Düsseldorf statt. Finanzminister Lutz Lienenkämper würdigte in Vertretung von Minis terpräsident Armin Laschet, dass Borchert auch in hohen Ämtern und Aufgaben den Kontakt zur heimatlichen Basis nie verloren habe. So leitete der 78Jährige über 23 Jahre lang die Geschicke der CDU in Bochum. Borchert ist engagierter Umweltund Naturfreund, „und deshalb heute gleich zweifacher Ehrenpräsident, nämlich des Landesjagdverban des NRW und Deutschen Jagdverbandes“, so Lienenkämper. „Das Bewusstsein, dass in einer urbanisierten Gesellschaft die Jagd zum Naturschutz gehört und dazu beiträgt, Ökosysteme zu pflegen und zu stärken, ist auch ihm zu verdanken.“

 

Borchert habe NordrheinWestfalen nicht zuletzt geprägt als Präsident der„ NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat und Kulturpflege“. In seiner Amtszeit wurden 516 Projekte bewilligt und Hunderte ehrenamtliche Vereine gefördert. Großprojekte wie die Renovierung von Burgen oder der Einstieg ins Nationale Naturerbe fanden unter seiner Präsidentschaft statt. Lebensräume für gefährdete Tiere und Pflanzen zu schaffen und Baudenkmäler zu pflegen, gehört ebenfalls zu den Aufgaben dieser Stiftung, an deren Arbeit er bis heute als Ehrenpräsident regen Anteil nimmt. Borchert zählt über viele Jahre zu den versiertesten politischen Anwälten des ländlichen Raumes. 1970 übernahm er mit seiner Frau Ingrid den landwirtschaftlichen Pachtbetrieb in BochumWattenscheid von seinen Eltern. Zur selben Zeit begann der schon zum Agraringenieur und Landwirtschaftsmeister ausgebildete Borchert in Bochum ein Studium der Wirtschaftswissenschaft, das er 1974 als Diplomökonom beendete. Obwohl sich Borchert seit Jahrzehnten ganz im Ruhrgebiet zu Hause fühlt, ist er nicht von Geburt ein Mann des Reviers. Geboren wurde er am 25. April 1940 in Nahrstedt im Kreis Stendal/SachsenAnhalt. Über Berlin, Bramsche und Bremen kam der Flüchtlingsjunge nach der Lehre 1959 nach Wattenscheid. Die deutsche Wiedervereinigung 1990 empfand er als ganz persönliches Glück, den Kontakt in seine sachsenanhaltinische Heimat hatte er nie verloren. „Die Wiedervereinigung“, so erzählte er einmal, „hat mich emotional unglaublich mitgenommen.“

 

Sein Vater hatte mit der Familie gerade noch in den Westen fliehen können, der Onkel war 1957 wegen Fluchthilfe zu sieben Jahren Zuchthaus in Bautzen verurteilt worden. Als ihm Anfang der 1990er Jahre die Nahrstedter Genossenschaftsjagd unaufgefordert einen Pachtvertrag zuschickte, schloss sich für ihn ein Stück seines Lebenskreises – „auch wenn ich bei der Wiedervereinigung sicher nicht an die Jagd gedacht habe.“

 

Ludger Baumeister

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