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RWJ 04/2019: IWA 2019

Modellpflege und andere Dreistigkeiten

Echte Neuheiten waren auf Europas größter Fachmesse für Sportwaffen, Optik und Zubehör in Nürnberg in diesem Jahr eher Mangelware. Demgegenüber geradezu erschreckend war eine wahre Welle neuer Produkte im Bereich Nachtoptik – und zwar nicht zum Beobachten, sondern ohne jede juristische Resthemmung klar für etwas ganz Anderes.

Die Highlights des RWJ-Messe-Bummels im Überblick:

 

Langwaffen

Frankonia präsentierte den Repetierer „Forest Favorit Versatile“ mit einem Schicht holzschaft mit höhenverstellbarer Schafbacke u. längenverstellbarer Gummi-Schaftkappe. Das 98er-System gibt es in den Kalibern .30-06, .308 und .300 Win.Mag.. Die Waffe verfügt über ein 5-Schuss-Kastenmagazin (4 Schuss bei .330 Win.Mag.), einen 52 cm-Semiweightlauf (61 cm bei .300 Win.Mag.) mit Mündungsgewinde (M17 x 1), einen Recknagel-Flintenabzug sowie eine EAW-Picatinny-Schiene („1 999 € ab sofort verfügbar“).

 

Browning zeigte mit der BAR MK3 „Reflex Composite“ seinen Bestseller mit 53 cm-Lauf, Flintenabzug, Spannschieber und niedrig montiertem Rotpunkt- Visier (abnehmbar). Ein Zielfernrohr lässt sich dahinter so montieren, dass das Reflexvisier beim Blick hindurch nicht behindert. Der Schaft in Carbon-Optik ist standardmäßig dabei (.30-06, .308, 9,3 x 62/2 199 € inkl. Rotpunkt-Visier).

 

Winchesters „XPR Thumbhole“ richtet sich v. a. an Jungjäger. Der Repetierer der Einsteigerklasse weist einen 53 cm- Bergara-Lauf mit Mündungsgewinde, einen ergonomischen Schichtholzschaft mit Daumenloch und Weaver- Montagebasen (inkl.) auf. Die Waffe gibts in den Kalibern .243 Win. und .308 Win. für unter 900 €, zusammen mit Nomad-Montage und einem großen, variablen Kite-Zielfernrohr inkl. Leuchtpunkt ist sie für knapp über 2 000 € zu haben.

 

Blaser zeigt die „R8 Ultimate Silence“, die sich mit integriertem Schalldämpfer, verstellbarem Schaftrücken, in Länge, Höhe und Schränkung justierbarer Schaftkappe, Rückstoßdämpfungssystem und dem Lochschaft auf die individuellen Bedürfnisse des Schützen ausrichtet.

 

Mauser richtet sich mit der Sonderedition DWM an Liebhaber klassischer Waffen. Der legendäre 98er kommt mit Schaftholzklasse 9 im Hochglanzfinish, Design aus hellem und dunklem Stahl, offener Visierung, Laufriemenbügeln. Systemhülse und Magazinrahmen mit Magazindeckel sind hell plasmanitriert, der 51 cm-Lauf ist brüniert. Verfügbar sind Einzelanfertigungen in .308, .30-06, 7 x 57 und 8 x 57 IS – ab etwa 13 000 €.

 

Beretta hat mit der „A400 Upland Kick-Off“ eine Weiterentwicklung am Start. Ein Reduzierungssystem soll den Rückstoß um bis zu 70 Prozent mindern. Auffällig ist das Kunststoffelement mitten im Hinterschaft – eine Kombination aus hydraulischen Dämpfern und Federn in der Nähe der Gummi-Schaftkappe nimmt den ersten Stoß auf. Ein dritter Dämpfer im Schaft mildert die zweite Belastungsspitze ab.

 

Merkels „I-Sight-System“ richtet sich v. a. an Nachsuchenführer. Damit lässt sich die offene Visierung der Helix verändern oder ein seitlicher Mündungs-Riemenbügel anbringen. Das Korn lässt sich bei Bedarf einfach nach hinten versetzen oder ganz abnehmen, etwa für Overbarrel- Schalldämpfer.


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Kurzwaffen

Steyr bringt mit der „A2MF“ eine neue Pistole, die technisch auf der A1-Serie basiert, aber ein neues Griffstück hat. Sie ist in drei Größen (Large, Medium und Compact), erhältlich mit 17 (9 x 19mm) bzw. 15-Schuss-Magazin (.40 S&W). Im vorderen Bereich ist eine Picatinnyschiene angebracht. Der Griff lässt sich am Rücken und den Seiten lassen mit Einsätze in verschiedenen Größen individuell anpassen. Der Magazinschacht ist zum raschen Wechsel angetrichtert.

 

Glocks G 45 besteht aus dem großen Griffstück der G 17 und einem kompakten Oberteil (Kapazität: 17 Patronen 9 mm Luger). Dazu wurde der leicht gängigere Abzug der jungen Generation 5 verbaut.

 

Mit der „P10-F“ bringt CZ eine Full-Size Selbstladepistole mit beeindruckender Magazinkapazität („19/9 mm Luger“). Der glasfaserverstärkte Polymerrahmen verfügt am Griff über ein rutschhemmendes Checkering (Lauflänge 11,4 cm, 800 g).

 

Rugers Kompaktrevolver „LCR“ mit ultra kurzem 47,6 mm-Lauf kam 2010 auf den Markt. Der nur fünfschüssige, 383 g leichte und sehr kleinrahmige Revolver mit Polymergehäuse und Rahmen aus hartbeschichtetem Flugzeug- Alu mit gefluteter Edelstahltrommel und Double-Action- Abzug wurde zum Verkaufsschlager. Der neue LCR kommt mit 3 Zoll-Lauf, außenliegendem Hahn und Rahmen aus schwarz beschichtetem Edelstahl – mit 600 g zwar deutlich schwerer, doch dafür schießt er angenehmer und setzt die Leistung der starken .357 Mag. wesentlich besser um.

 

Die Kompaktpistole „Security 9“ (9 mm Luger) hat einen innenliegenden Hahn und ist teilvorgespannt. Rahmen und Griffstück sind aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Die Lauflänge beträgt 4 Zoll. Für zusätzliche Sicherheit sorgen eine Abzugs- u. Fallsicherung (15 Patr., 670 g).

N. Klups


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IWA-Nachlese

Zubehör

AKAH stellte einen „Bergegurt“ aus 8 mm starker Biothane- Rundschnur zur Bergung von Wild bis zu 400 kg vor. Mit dem massiven, gummierten Edelstahlgriff (Durchmesser 28 mm) lassen sich selbst stärkere Stücke zu zweit bequem bergen. Der Schleppgurt ist 160 cm lang und universell einstell- und kürzbar (37,50 €).

 

Niggeloh stellte den Drückjagd-Gewehrgurt „Pull“ vor, durch Zug wird die Waffe damit im Anschlag zur besseren Präzision stabilisiert. Der spezielle Eingriff wirkt beim Ansitz als volumige Unterlage zum Auflegen („m. Schnellverschlüssen in oliv, schwarz, braun und gelb-rot/ab 59,90 €“).


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IWA-Nachlese

Munition

Für eine bessere Energieausbeute aus kurzen Läufen entwickelte Blaser das neue Kaliber „8,5 x 55“ Blaser. Selbst aus 47 cm-Läufen erreicht es ballistische Werte, die sich bei leistungsstarken Kalibern sonst nur in Verbindung mit längeren Läufen erzielen lassen. Der Durchmesser der 11,7 bzw. 12 g schweren Geschosse soll in Verbindung mit hoher Geschwindigkeit für bestmögliche Wirkung und eine sehr gestreckte Flugbahn sorgen („113 €/ab Mai“).

 

Für weite Distanzen entwickelt Norma das „Bondstrike Extreme“ und verspricht perfektes Ansprechen im Wildkörper auf alle Entfernungen. Mit einer Polymer spitze ist es auf dem Stand der Technik. Verbundtechnologie und Boattail-Heck versprechen eine tödliche Kombination aus Präzision, Eindringung und Stoppwirkung auf große Entfernung auf (mittel) großes Wild. (.308, .30-06, .300 WSM, .300 WM, .300 RUM/76 - 107 €).


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IWA-Nachlese

Optik

Leica stellt mit dem „Fortis 6“ neue Zielfernrohre mit 6 fach-Zoom vor. Beim Drückjagdglas (1 - 6 x 24/1 695 €) beeindruckt das 44 m-Sehfeld, beim Allrounder 2 - 12 x 50 i (1 995 €) sind es noch 20,4 m (Transmission: 92 Prozent).

 

Aimpoint präsentierte erstmals ein offenes Rotpunktvisier in Docter-Sight- Bauweise. Das „Acro C-1“ aus Aluminium wurde für den Einsatz auf Pistolen entwickelt, ist sehr leicht und klein (47 mm x 30 mm x 30 mm). Die Schweden betonen wie gewohnt Robustheit, Unempfindlichkeit gegen Hitze und Kälte (– 30° bis + 60°) sowie Wasserdichtigkeit bis 5 m, die Lithium-Batterie hält 15 000 Stunden (ab 600 € für zahlr. Montagen).

 

Minox stellte in Nürnberg das Rotpunktvisier „Micro RV“ vor. Das kompakte, geschlossene Modell mit einfacher Ver größerung, 2-MOA-Leuchtpunkt, 12 regulierbaren Helligkeitsstufen (LED) und Alu-Gehäuse soll wasserdicht sein und wird mit einer Neopren-Schutzhülle ge liefert („289 €/ Adapter für diverse Montagen erhältlich“).


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IWA-Nachlese

Messer

In diesem Jahr machten sich die Beschwerden der Aussteller über eine Schwemme gar nicht vorgesehener Endverbraucher auf dieser reinen Händlermesse massiv bemerkbar – so wurde besonders gründlich kontrolliert, etliche nicht ausreichend autorisierte Interessenten mussten unverrichteter Dinge wieder abreisen. Wirklich neidisch braucht trotzdem niemand auf diejenigen sein, die Europas führende Messe für Jagdwaffen, -optik und Ausrüstung besuchen „dürfen“ – wozu auch Journalisten gehören:

 

Hersteller und Händler brauchen die knappe Zeit, um Geschäfte zu machen, dafür sind solche Messen da. Journalisten hetzen durch Hallen und Gänge, um alle wichtigen Stationen („was und wer wirklich wichtig ist, legt aber keiner fest …“) abzuklappern und nur ja keine Neuheit zu verpassen. An den Ständen gibts im besten Fall Presseunterlagen (CDs, Datenstifte, Drop-Boxen für Downloads) – und mit ganz viel Glück auch noch jemanden, der sich ein paar Minuten Zeit für Erläuterungen nimmt. Dazwischen liegen etliche Pressekonferenzen im Medien-Center, für die man allein 20 Minuten Fußweg hin und zurück einplanen muss. Arbeit. Normal. Dennoch ist und bleibt die IWA ein absolutes Highlight im Kalender eines Jagd- Journalisten. Nirgends sonst trifft man sie ALLE – Hersteller, Händler, Kollegen aus dem In- und Ausland, wirklich alle. Auch in diesem Jahr konnten Felix Höltmann und ich eine Fülle wertvoller Gespräche und Informationen einsammeln. Nur wenig davon lässt sich in dieser Messe-Strecke komprimiert weitergeben.

 

Aber die RWJ-Leser werden dennoch davon profitieren – sei es durch interessante (Vergleichs-)Tests, die wir vorbereitet haben. Oder durch echte Produktverbesserungen, die die Hersteller oft erst Jahre nach solchen Hintergrundgesprächen umsetzen. Zum Wohle der Käufer.

 

Matthias Kruse


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Nachtziel-Technik

Gezielte Provokation

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Ob mit Vorsatz-Technik (Dual-use/l. ) oder als „Wärmebild-Zielfernrohr“ wie das in Nürnberg vorgestellte Pulsar Thermion (r.) – alles, womit sich auch noch in finsterster Nacht schießen lässt, wird derzeit nachgefragt wie „geschnitten Brot“ ...

Wie schon auf den Publikumsmessen in den Wochen zuvor („Jagd & Hund Dortmund, Hohe Jagd Salzburg“) bestätigte sich auch in Nürnberg ein wahrer Hype um alles, mit dem sich auch noch in völliger Dunkelheit schießen lässt. Hintergrundgespräche mit Handel und Herstellern ließen keinen Zweifel daran, dass solche Geräte derzeit extrem gefragt sind und sich zu wahren Umsatzträgern gemausert haben. Kein Wunder also, dass der Gesamtjahresumsatz entsprechen der „Player“ dieser Szene wie der des litauischen Herstellers Pulsar mittlerweile erkennbar über dem der wirklich großen Jagdoptik-Firmen in Europa (Zeiss, Swarovski) liegen soll ...

 

Der deutsche Gesetzgeber wird offenbar dabei nur noch von wenigen als „Spielverderber“ empfunden – obwohl der Einsatz solcher Technik zum Schießen vom Waffen- wie Jagdgesetz schlicht verboten ist. Nur der Vollständigkeit halber sei daher daran erinnert, dass die Verwendung sog. „Dual-use-Geräte“ zum reinen „Beobachten“ zwar erlaubt (BKA-Freistellungsbescheid), mittels entsprechender Klemm-Adapter als Vorsatzgerät vor Zielfernrohren allerdings nahezu überall verboten ist.

 

Lediglich in Bayern und Baden-Württemberg ist die Verwendung von Dual-use-Geräten zum Schießen bei der Jagd unter bestimmten Auflagen erlaubt. Erst recht verboten (schon der Besitz allein !) sind echte Nachtzielgeräte, also Vorrichtungen, die sich „anstelle von Zielfernrohren“ montieren lassen. Auch dies scheint „große Geister“ hierzulande nicht wirklich abzuschrecken, wie diverse Verkaufsgespräche zum brandneuen „Wärmebild-Zielfernrohr“ „Pulsar Thermion“ am Rande der IWA erahnen ließen. Parallel dazu bieten manche Hersteller Dual-use-Geräte aus Kostengründen mittlerweile schamlos schon ohne „Pseudo-Monokular“ an, das von den meisten sowieso nie benutzt wird ...

 

Auch wenn viel darauf hindeutet, dass bei einem Ausbruch der ASP solche Verbote zumindest für Vorsatz-Geräte (Dual-use) schnell fallen werden, sollte man sich trotz aller Dreistigkeiten auf Jagdmessen darüber im Klaren sein, dass man bis dahin mit seinem Jagdschein spielt, wenn man bei Fahrzeug- oder Tresorkontrollen mit Nachtziel-Technik auf der Waffe erwischt wird. Nur, dass wir das mal klargestellt haben.

Matthias Kruse


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