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RWJ 03/2014: Eklat im Vorfeld der Jagdgesetz-Novelle

„Jagd uninteressant machen, damit Jäger die Lust verlieren“

LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg hat zur Eröffnung der Jagd & Hund Anfang Februar ausführlich über den Eklat um ihm übermittelte Äußerungen des Jagd-Abteilungsleiters im Düsseldorfer Ministerium berichtet. Laut Schreiben von Minister Johannes Remmel an Müller-Schallenberg hat der Abteilungsleiter eine dienstliche Erklärung vorgelegt, wonach die gegen ihn erhobenen Vorwürfe falsch seien. Hier der Ablauf aus Sicht des LJV-Präsidenten:

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Dass die EU deutsche Jäger dazu zwingt, sich mit Gewissensentscheidungen von Jagdgegnern auseinanderzusetzen, ist schlimm genug. Wenn Jagdbehörden diese auch noch mit Tipps versorgen würden, wie man effektiv aus Jagdrevieren Flickenteppiche macht, wäre das ein Skandal. Foto: M.Breuer

Am 16. Januar fand im Remmel-Ministerium ein Gespräch über die Zusammenlegung zweier biologischer Stationen im Kreis Aachen statt. An diesem Gespräch haben für das Ministerium der zuständige Abteilungsleiter und mehrere Vertreter der dortigen biologischen Stationen teilgenommen.

 

Über das im Mittelpunkt stehende Thema hinaus soll sich dabei nach Zeugenaussage der Abteilungsleiter ausführlich und abfällig über die Jagd und die Jäger geäußert haben, und zwar in dieser Weise:

 

  • Die Jäger hätten ohnehin keine Lobby mehr.
  • Sie hielten sich doch nur noch an ihrer Waffe fest.
  • Derzeit würden Überlegungen angestellt, dass die Naturschutzverbändeerworbene Flächen an Alt-Eigentümer zurückgäben, damit diese dann eine Befreiung von der Jagd aus ethischen Gründen verlangen könnten.
    Das Bundesjagdgesetz gestehe dieses Recht allein natürlichen Personen, aber leider nicht Organisationen zu. Es werde und müsse ein Flickenteppich entstehen, so dass die Bejagung in den bisherigen Jagdrevieren uninteressant werde.
  • Zudem würden landesjagdgesetzliche Bestimmungen so stark verändert, dass die bisher geübte Bejagung nicht mehr zulässig sei.
  • Im Ergebnis solle damit die Jagd uninteressant gemacht werden, sodass die Jäger die Lust daran verlören.

 

Völlig entsetzt über diese Aussagen informierte eine Teilnehmerin an diesem Gespräch den Rheinischen Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (RVEJ). Das Gesprächsprotokoll darüber wurde vom RVEJ dem Landesjagdverband und anderen Verbänden zur Verfügung gestellt.

 

Da ich als Präsident des Landesjagdverbandes derart ungeheuerliche Aussagen zunächst nicht glauben konnte und wollte, habe ich mich unverzüglich mit der Geschäftsführung des RVEJ in Verbindung gesetzt. Von dort aus wurde mitgeteilt, dass es sich bei der in Rede stehenden Teilnehmerin um eine seit Jahren bekannte und absolut integre Person handele. Daraufhin habe ich mit der Teilnehmerin und Zeugin des Gesprächs selbst Kontakt aufgenommen und ihr die beschriebenen Äußerungen vorgehalten. Dabei wurde nicht nur der Inhalt der gemachten Äußerungen als vollkommen richtig bestätigt, sondern auch noch mitgeteilt, dass der Beamte in dem Gespräch des Weiteren geäußert habe, dass die „Blaublüter“ schon gegen Beschränkungen in FFH-Gebieten gewesen seien. Die „Blaublüter“ seien doch reine „Rotwild-Bewahrer“.

 

Ich habe mich daraufhin in der gebotenen Weise an den Minister gewandt und mein Entsetzen über die auch mir mitgeteilten Aussagen seines für die Jagd zuständigen Abteilungsleiters und unseres unmittelbaren Ansprechpartners gewandt und um umgehende Klarstellung gebeten, ob solche Positionen auch die von Minister Remmel und der Landesregierung sind.

 

Ralph Müller-Schallenberg

Präsident des Landesjagdverbandes NRW

 

Jagdpolitik

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