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RWJ 10/2013: Afrikanische Schweinepest

Risiken, die Jäger kennen sollten

In Russland sind kürzlich bei Sauen Krankheitsfälle mit Afrikanischer
Schweinepest (ASP) aufgetreten. Die Sorge ist groß, dass sich das Virus in die EU ausbreiten könnte. Auch heimische Jäger sollten vorsichtig sein – dazu führte der DJV ein Interview mit Seuchenspezialistin Dr. Sandra Blome vom Friedrich-Löffler-Institut.

 

Was ist Afrikanische Schweinepest?

Die Viruserkrankung kann Haus- und Wildschweine gleichermaßen betreffen. Sie ist klinisch nicht von schweren Verlaufsformen der Klassischen Schweinepest zu unterscheiden und führt in der Regel binnen einer guten Woche zum Tod. Gegen die Erkrankung kann nicht geimpft werden, eine Gefahr für Menschen, Jagdhunde oder andere Wildarten besteht nicht.

 

Welches Risiko besteht, die Krankheit nach Mitteleuropa zu übertragen?

In Russland sind nach wie vor sowohl Haus- als auch Wildschweine betroffen. Ein Risiko für Schwarzwild besteht besonders über unachtsam entsorgte Speisereste etwa an Autobahnrast- und Campingplätzen. Eine direkte Einschleppung über Schwarzwild erscheint derzeit nicht wahrscheinlich, kann aber aufgrund zusammenhängender Habitate nicht ausgeschlossen werden.

 

Wie wird ASP übertragen?

In Russland wurde sie v. a. durch Kontakt mit illegal entsorgten Hausschweinen in die Schwarzwildpopulation getragen. In der Rotte kann der Erreger durch direkten Kontakt und Kontakt zu verendeten Artgenossen sowie Ausscheidungen übertragen werden. Der effizienteste Übertragungsweg ist der Kontakt zu Schweiß. Wenige Tropfen enthalten genug Virus, um eine Infektion auszulösen. Da das Virus sehr widerstandsfähig ist, bleiben entsprechende Infektionsquellen über lange Zeit „aktiv“.

 

Welche Vorkehrungen muss man bei Jagdreisen nach Osteuropa treffen?

Neben normaler Jagdhygiene ist vor und nach der Rückkehr auf gründliche Reinigung und sorgfältige Desinfektion der Schuhe und aller Werkzeuge zu achten. Alle Utensilien, die mit Schweiß in Berührung gekommen sind, sind besonders kritisch. Kleidung sollte vor weiterer Verwendung gewaschen werden.

 

Wie verfährt man mit Trophäen aus Osteuropa bei der Einreise?

Es sollten nur Trophäen mitgebracht werden, die sorgfältig aufbereitet und bei denen durch Kochen mögliche Viren abgetötet wurden. Auf die Einfuhr unbehandelter Trophäen sollte man verzichten (z. B. Saubärte).

 

djv-asp

Vergrößerter Lymphknoten in der Nähe des Magens bei einer ASP-infizierten Sau.

Wie erkennt man ASP am lebenden und erlegten Stück?

Unter Feldbedingungen suchen betroffene Sauen Suhlen und Wasserläufe auf und verlieren die Scheu vor Menschen und Hunden. Auffällig sind häufig vergrößerte, fast schwarze Lymphknoten um Magen und Leber sowie Einblutungen in Niere und Blase. Die Lunge wirkt teigig. Eine Vergrößerung der Milz und diverser Körperlymphknoten sowie eine sehr schlechte Blutgerinnung können ebenfalls auffällig sein. Da die Erkrankung das Immunsystem stark schwächt, findet man häufig schwere bakterielle Begleitinfektionen und Parasiten (Lungenwürmer, starke Räude). Da die Erkrankung sehr schnell verläuft, treten weniger abgekommene Stücke auf als bei der Klassischen Schweinepest. In Russland fand man ganze Rotten verendet in Einständen. Im Gegensatz zur Klassischen Schweinepest ist keine Altersabhängigkeit der Symptome zu erwarten – Frischlinge zeigen die gleichen Symptome wie Bachen oder Keiler.

 

Was müssen jagende Schweinehalter generell zur Seuchenvorsorge beachten?

Kleidungsstücke und Utensilien für die Jagd sind strikt von Stallkleidung zu trennen. Wildkammern und andere Einrichtungen zur Behandlung geschossener Stücke dürfen keine direkte Verbindung zum Stall haben. Vor dem Betreten der eigenen Stallungen sollte geduscht werden. Generell sollte von Jagdreisen in betroffene Gebiete (Russland, Weißrussland, Sardinien) abgesehen werden.

 

Was ist beim Einsatz von Jagdhunden in Osteuropa zu beachten?

Für Hunde stellt das ASP-Virus keine Gefahr dar.

 

Welche Gefahren resultieren aus dem Import von Wildbret und Schweinefleischprodukten aus potenziellen Krankheitsregionen?

Auch wenn davon keine Gefahr für Menschen ausgeht, stellen solche Fleisch­erzeugnisse ein potenzielles Risiko für die heimische Schweine- und Wildschweinpopulation dar – sie dürfen daher unter keinen Umständen im Futtertrog von Hausschweinen landen oder in Reichweite von Wildschweinen kommen. Aus betroffenen Gebieten sollten keinerlei Produkte (Haus- und Wildschweinefleisch) eingeführt/mit­genommen werden.

 


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