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RWJ 03/2020: Umfrage zur Niederwild-Situation in NRW

Vorsichtige Zuversicht bei Fasan und Hase

Eine vorsichtige Zuversicht melden viele Niederwildreviere, die in der abgelaufenen Saison einen steigenden Besatz bei Fasanen und (teilweise) Hasen feststellten.

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Während den Hasen in NRW v. a. das Wetter und weniger Krankheiten zugutekamen ... Foto: H. Pieper

In einer Umfrage wollte der LJV von Kreisjägerschaften wissen, wie diese die Lage bei Ente, Fasan, Hase und Kaninchen einschätzen und welche Erfahrungen sie in der Treibjagdsaison gemacht haben. Daran beteiligten sich 21 Kreisjägerschaften – ihre Aussagen decken die klassischen NRW-Niederwildregionen von der Kölner Bucht über den Niederrhein, das Münsterland bis nach Ostwestfalen ab und werfen ein Schlaglicht auf die Situation zwischen Rhein und Weser Anfang Februar 2020:

 

 

Starke Fuchsbejagung führte zu höherem Fasanenaufkommen

Die Abfrage bei den Hegeringen erbrachte recht unterschiedliche Werte. Das liegt einmal an den recht lokalen Unterschieden und Gegebenheiten der Landschaft sowie persönlichen Initiativen und Maßnahmen zu Niederwildhege. Eine starke Fuchsbejagung führte zu einem höheren Fasanenaufkommen. Die trockenen Sommer mit wenigen Erkrankungen begünstigten den Hasenbesatz.

 

Franz-Josef Kipshagen (KJS Rhein-Erft)

 

 


Tularämie wirkte sich negativ auf Hasen aus

Der Rückgang der Wildkaninchen ist der RHD geschuldet. Greening-Maßnahmen plus Ernteverzicht haben sich positiv auf die Entwicklung des Fasans ausgewirkt. Der Fuchs ging bedingt durch die Staupe zurück. Die trockenen Sommer wirkten sich positiv auf Fasan und Hase aus. Der Rückgang des Hasen ist in diesen Revieren der Tularämie geschuldet.

 

Richard Hansen (KJS Düren)

 

 


Von der Trockenheit profitiert

Hase und Fasan profitierten von der Trockenheit. Die Myxomatose hat zum Rückgang der Wildkaninchen geführt.

 

Michael Hundt (Kölner Jägerschaft)

 


Tularämie und Uhu wirken sich negativ auf Hasen aus

Die Stockente wird aus ihren Bruthabitaten durch aggressive Nilgänse vertrieben. Der Fasan ist in der hiesigen Region kaum vorhanden. Uhus greifen stark in die Hasen-Population ein, weiterer Grund für dessen Rückgang, latent vorhandene Tularämie.

 

Gerd Spieker (KJS Düsseldorf und Mettmann)

 


Entwicklung der Prädatoren wirkt sich negativ aus

Die positive Entwicklung von Rabenkrähe, Bussard und anderen wirkt sich negativ aufs Niederwild in unserer Region aus.

 

Udo Robling (KJS Mönchengladbach)

 


Gutes Wetter für Hase, Kanin und Fasan

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... geriet der durchaus ebenfalls bessere Fasanenaufwuchs genauso unter Druck ... Foto: R. Schneider

Hegeringleiter und vielen Revierinhaber bestätigen, dass in vielen Revieren die Besätze im Vergleich zum Vorjahr anstiegen, besonders bei Hase, Fasan und Kanin. Nachdem in vielen Revieren die Hasenzählungen bessere Ergebnisse zeigten, wurden auch wieder Niederwildjagden abgehalten, wo während der letzten Jahre eine Bejagung nicht verantwortbar war. Die Fasanenstrecke könnte bis zu einem Drittel, die Hasen- und Kaninchenstrecke etwas geringer angestiegen sein, natürlich liegen noch keine vollständigen Streckenzahlen vor. So sind noch erhebliche Verschiebungen möglich, da einzelne Reviere auch gegenteilige Entwicklungen berichten. Ursächlich für den Anstieg dürfte in erster Linie die in den vergangenen zwei Jahren für Niederwild sehr günstige Witterung gewesen sein. Daneben wird vermutet, dass sich nach und nach auch die Verbesserung der Biotop-Bedingungen (Blühstreifen, Brachflächen, Winterdeckung durch Zwischenfruchtanbau) auswirken.

 

Peter Kallen (KJS Rhein-Kreis Neuss)

 


Stockente durch Nilgans und Nutria verdrängt

Das positive Wetter der letzten zwei Jahre wirkte sich positiv auf Hase und Fasan aus. Die Stockente wird durch steigende Besätze von Nilgans und Nutria verdrängt. Der Rückgang der Kaninchen ist schwer erklärbar, mögliche Gründe könnten RHD und Myxomatose sowie die wachsende Zahl an Prädatoren sein.

 

Heiner Prießen (KJS Viersen)

 


Prädatorenbejagung und Biotopverbesserung hilft

Die positive Entwicklung bei Fasan und Hase ist zum einen darin begründet, dass deutlich mehr Reviere Prädatoren ganz intensiv bejagen (Fallenjagd) und den Lebensraum verbessern. Wo dagegen kaum etwas geschieht, findet auch keine positive Entwicklung statt. Weiter entscheidend ist, dass Reviere mit positiven Veränderungen sehr vorsichtig (nur nach genauer Besatzermittlung) verantwortungsvoll Hase und Fasan bejagten – nach völliger Jagdruhe in den letzten Jahren.

 

Dr. Andreas Lohmann (KJS Kleve)

 


Wer keine Prädatoren jagt ...

Das Wetter war bei uns überdurchschnittlich gut, sodass sich besonders Hase und Fasan hätten positiv entwickeln können (weniger Kokzidiose, mehr Insekten usw.). Das war aber nur in Revieren der Fall, die Prädatoren intensiv bejagen – bei uns die Minderzahl ! Dort gabs eine deutliche Verbesserung besonders bei Hase und Fasan – auch Kiebitze konnten dort flügge werden. Wo Prädatorenbejagung nicht ausreichend intensiv durchgeführt wurde, dagegen Landwirtschaft sehr großflächig und intensiv, gabs keine anhaltende Verbesserung, teilweise sank dort gerade der Fasanenbesatz weiter. Als Küken dort rebhuhngroß waren und die ersten Felder abgeerntet waren, gings wie bei den 10 kleinen Negerlein – im Herbst waren fast keine mehr da. Der anhaltende Abwärtstrend bei der Stockente setzt sich weiter fort. Zahlreiche befriedete Gewässer in Parkanlagen bilden bei uns den Hauptlebensraum. Dort brüten quasi fast keine Stockenten mehr.

 

Die wenigen, die es dennoch versuchen, haben i. d. R. überhaupt keinen Erfolg (Raubfische, Reiher, Ratten, Gänse, Schwäne, Rabenvögel, Füchse). Für hohe Verluste sprechen wenige Küken sehr spät im Jahr (Nachgelege). Dazu nisten die Enten immer weiter und höher von Gewässern entfernt – bis zum 13. Obergeschoss eines Hochhauses! Doch auch von diesen „Hoch- und Entferntbrütern“ überleben nur sehr wenige, weil sie meist beim langen, gefährlichen Anmarsch zum Gewässer umkommen. Noch vor 20 Jahren konnte man bei uns allein auf einem größeren Parksee täglich bis zu 200 Enten beobachten, heute sind es in der gesamten Anlage mit vielen weiteren Teichen kaum noch 20 ... In einigen Revieren haben sich Kanine gut erholt, in anderen sind sie kleinlokal fast vollständig verschwunden. Neben Wetter und Prädation spielt vermutlich RHD eine entscheidende Rolle.

 

Stefan Lacher (KJS Gelsenkirchen)

 


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Hege wirkt

Durch trockene Sommer und Hegemaßnahmen wie Blühstreifen hat sich bei Fasan, Hase und Stockente ein reproduktionsfähiger Besatz aufbauen können. Franz-J.

 

Schulze Thier (KJS Coesfeld)

 


Positiv fürs Niederwild

Weniger strenge Winter und eine Intensivierung der Prädatorenbejagung führten zu einer positiven Entwicklung bei Fasan und Hase.

 

Dr. Joachim Schnieders (KJS Steinfurt-Tecklenburg)

 


Gutes Wetter

Wo Prädatoren stark bejagt wurden, fielen die Strecken besser aus. Gutes Wetter im Frühjahr/Sommer mit gestiegenem (immer noch auf zu niedrigem Niveau) Insektenvorkommen hat sich positiv auf den Fasan ausgewirkt.

 

Ralf Reckmeyer (KJS Gütersloh)

 


Trockener Sommer war negativ für Stockenten

Trockene Sommer führten zum Versiegen vieler Wasserstellen (Löcher, Gräben) und wirkten damit negativ auf den Besatz der Stockente.

 

Reinhard Middendorf (KJS Unna)

 


Stockenten leiden unter Waschbär, Nilgans und Nutria

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... wie der Bruterfolg der Stockente – durch Prädation (Waschbär), Konkurrenz (Gänse) ... Fotos (2): K. - H. Volkmar

Der Rückgang der Stockenten ist bedingt durch steigende Besätze von Waschbär, Nilgans und Nutria. Der Fasanen-Anstieg ist dem trockenen Sommer und der vermehrten Schaffung von Wasserstellen geschuldet. Der leichte Anstieg der Kaninchen liegt am geringeren Auftreten von RHD und Myxomatose.

 

Helmut Nordhaus (KJS Hamm)

 


Leichter Anstieg beim Hasen

Bei uns gabs keine Veränderung bei Stockente, Fasan und Wildkaninchen, beim Hasen ist ein leichter Anstieg festzustellen.

 

Hans-Jörg Braun (KJS Hagen)


Stockente wird durch Wildgänse verdrängt

Die negative Entwicklung der Stockenten ist u.a. durch eine Verdrängung aus traditionellen Bruthabitaten durch die steigende Zahl der Wildgänse bedingt. In neuen Bruthabitaten besteht ein erhöhtes Prädations- und Ausmährisiko für Stockenten. Die positive Entwicklung beim Fasan ist bedingt durch Biotopverbesserung, trockene Sommer und gute Prädatorenbejagung. Keine Verschlechterung beim Hasen ist durch trockene Sommer und weniger Grünlandschnitte – und damit Mähverluste – verursacht. Die negative Entwicklung bei Kaninchen ist durch die RHD bedingt.

 

Jürgen Schulte-Derne (KJS Soest)

 


Weniger Stockenten durch Nutrias

Der Rückgang der Stockente wird wesentlich dem erhöhten Nutria-Besatz zugeordnet. Zuwächse bei Fasan und Hase resultieren aus Hegebemühungen, trockenen Sommern, weniger Grünlandschnitten und verstärkter Prädatorenbejagung (mehr Fangjagd).

 

Berthold Antpöhler (KJS Paderborn)

 


Waschbär schadet Stockenten

Trockene Sommer führten zur positiven Entwicklung bei Fasan und Hase. Der leichte Rückgang bei den Stockenten ist u. a. der Prädation durch Waschbären geschuldet.

 

Dirk Reese (KJS Lippe)

 


RHD zehntet Kaninchen

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... und bei Kaninchen v. a. durch Seuchen-züge von Myxomatose und RHD.

Ein RHD-Seuchenzug im Spätsommer führte zum starken Rückgang unseres Wildkaninchenbesatzes.

 

Friedrich-W. Miele (KJS Bielefeld)

 


Weniger Kaninchen, leichter Anstieg bei Fasan und Hase

Bei Fasan und Feldhase hat ein leichter Anstieg stattgefunden. Bei Stockenten gabs keine Veränderung und Wildkaninchen eine stärkere Absenkung.

 

Matthias Ebmeyer (KJS Herford)

 


Wetter, intensive Prädatorenjagd und verbesserte Biotope nutzen dem Niederwild

Weniger Starkregen und trockene Sommer haben in Revieren mit intensiver Prädatorenbejagung und biotopverbessernden Maßnahmen (Blühstreifen) zum Anstieg von Fasan, Hase und Kaninchen geführt.

 

Petra Bauernfeind-Beckmann (KJS Hubertus Recklinghausen)


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