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RWJ 06/2020: Hilfe in Corona-Zeiten

Jäger spenden Wildbret an Bedürftige

Die Corona-Pandemie stürzt viele Menschen in wirtschaftliche Not. Deshalb hat der Landesjagdverband NRW seine Mitglieder aufgerufen, sich für die Gesellschaft zu engagieren und Wildbret zu spenden – zahlreiche Jägerschaften zwischen Rhein und Weser sind dem Aufruf gefolgt.

Berthold Antpöhler und Christoph Klare

Berthold Antpöhler und Christoph Klare

Kreisjägerschaft Paderborn

Wildbret für 9.000 € an Hilfsorganisationen

Die Kreisjägerschaft Paderborn nahm den Aufruf zum Anlass zu helfen: „Wir Jäger können mit unseren Ressourcen helfen, Not zu lindern, die auch regional bei Menschen zu spüren ist, indem wir ein wertvolles und gesundes Nahrungsmittel zur Verfügung stellen“, erklärt Annika Güthoff, Pressesprecherin der Jäger in der Domstadt.

 

So hat die Kreisjägerschaft Ende März mit Unterstützung des Kreises Paderborn eine Initiative ins Leben gerufen, die obdachlose, alte, kranke und arme Menschen vier Wochen lang mit kostenlosem Wildbret in Form von Leberwurst, Fleischwurst, Pfefferbeißern, Bratwurst und Gulasch versorgte.

 

Die Spenden gingen an Tafeln und Speisenkammern im Kreis Paderborn, die Bahnhofsmission, B 2 Streetwork und die SKM-Tagesstätte für Wohnungslose (Einrichtung der Caritas). „Der Bedarf ist sehr groß, durch die Corona-Krise geraten viele Organisationen spendenmäßig in Bedrängnis“, so Annika Güthoff. Der Bedarf der Hilfsorganisationen wurde zu Beginn der Aktion abgefragt, damit ausschließlich Fleischund Wurstprodukte produziert werden konnten, die Hilfesuchende auch direkt und ohne großen Aufwand zubereiten und verzehren können.

 

So wurden in den vier Wochen Aktionszeit knapp 50 Rehe und Wildschweine für den guten Zweck gespendet und von einem zertifizierten Fachbetrieb zu fertigen Produkten weiterverarbeitet. Christoph Klare, KJS-Mitglied und selbstständiger Metzger aus Bad Lippspringe, hatte sich sofort bereit erklärt, die Initiative zu unterstützen. Der Wert des Spendenaufkommens belief sich zum Ende der Aktion auf mehr als 9.000 €. Unterstützt wurden die Paderborner Jäger von Freunden aus dem Kreis Höxter. Auch in den Medien sorgte die Initiative für großes Aufsehen, neben jagdlichen Fachmedien berichteten darüber Radio Hochstift und die WDR Lokalzeit OWL.

 


Hegering Bielstein – Marienberghausen (GM)

Wildwürstchen für die Tafel

Der Hegering Bielstein spendete für die Tafel Dieringhausen (GM) 100 Wildwürste aus Reh- und Wildschweinfleisch.

 

Nach Ostern konnte die Tafel ein Mittagessen mit leckeren Wild-Bratwürstchen für bedürftige Menschen zubereiten. Die Spende wurde von Hegeringleiter Manfred Kind im kleinen Kreis ohne Presse überreicht.

 


Jägerschaft Bonn

Vier Sauen gespendet

Vier Sauen gespendet

Zu einem guten Projekt gehören immer drei Beteiligte – ein Ideengeber, ein Umsetzer und (am wichtigsten) ein oder mehrere Unterstützer/Spender.

 

In diesem Fall kam die Idee vom Landesjagdverband NRW. Alle sind derzeit von Corona mehr oder weniger stark betroffen, aber im Besonderen sind es die Bedürftigen am Rande der Gesellschaft. Oft sind diese Menschen ohne familiäre Unterstützung und die nötigen Annehmlichkeiten, um einen verordneten Isolationszustand gut zu überstehen. Zudem haben viele Hilfsorganisationen wie Tafeln oder der Verein für Gefährdetenhilfe (VfG) derzeit Lieferengpässe, da Restaurants und Hotels als Spender ausfallen.

 

Diese Idee fand beim Vorsitzenden der Jägerschaft Bonn, Lutz Schorn, deshalb gleich offene Ohren, und es ging nahtlos an die Umsetzung. Gleich beim ersten Telefonat mit einem Jagdfreund hatte er schon Waidmannsheil: Marco Alfter, Geschäftsführer der Dr. Hans-Riegel-Stiftung, stand als Privatperson direkt Gewehr bei Fuß und sagte seine Mithilfe zu. „Überrascht und hoch erfreut waren wir im Vorstand dann noch mal, als Marco nach einem eigens eingerichteten Jagdwochenende in seinem Revier gleich mit vier Wildschweinen anrückte, die er allesamt für die gute Aktion spendete“, so Schorn.

 

Da man die Sauen natürlich nicht roh weitergeben wollte, suchte man nach einem qualifizierten Metzger – auch hier hätte man es nicht besser treffen können: Achim Reske, seines Zeichens Jäger und Inhaber eines renommierten Wildverarbeitungsbetriebs in Roisdorf, sicherte seine uneingeschränkte Mithilfe zu. Seine soziale Ader bewirkte schließlich, dass alle Sauen fachgerecht zerlegt, verarbeitet und veredelt wurden. Das Ergebnis waren rund 150 fertige Dosen mit köstlichem Wildgulasch bzw. -schaschlik sowie Wildbolognese, die in seinem Betrieb stets reißenden Absatz finden, denn Wild ist ernährungsphysiologisch ein hochwertiges, regionales Lebensmittel mit Bioqualität und einem Tierwohllabel das noch erfunden werden müsste. Reske spendete sowohl Arbeitszeit als auch Material, sodass alles in allem nun ein Produkt im Wert von insgesamt über 1 000 € zur Spende bereitstand.

 

Damit die Spende auch da ankommt, wo man sicher sein kann, dass Bedürftigen geholfen wird, entschloss man sich, den VfG mit der Weitergabe zu betrauen. Der Verein unterstützt Menschen, die hilfebedürftig sind und aufgrund ihrer Stellung am Rande der Gesellschaft oft durch das soziale Netz fallen.

 

Lutz Schorn

 


Hegering Overath (GL)

Jäger spenden Wildbret für Tafel

Auf Vermittlung des Hegerings Overath(GL) kamen ab 65 kg bestes Wildbret bei der örtlichen Tafel in die Verteilung. Spender des hochwertigen Biofleisches im Wert von rund 1 500 € sind die Eheleute Marlis und Walter Stein aus Engelskirchen-Loope.

 

Hegeringleiter Andreas Heider: „Wir sind den Eheleuten Stein sehr dankbar für die großzügige Spende und haben sie gern an die Overather Tafel, die einen tollen Job macht, weitergeleitet.“ Dort war die Freude ob der nicht alltäglichen Ware riesengroß.

 

Hildegard Schönenborn, Tafel-Vorsitzende: „Seit dem 20. April sind wir wieder für unsere Kunden da, derzeit allerdings unter erschwerten Bedingungen. Fleisch haben wir leider selten im Angebot, obwohl es zu einer ausgewogenen Ernährung dazugehört. Umso mehr freuen wir uns über diese Spende der Overather Jäger, zumal es sich um gesundes Bio-Wildfleisch aus heimischen Wäldern handelt.“ Geliefert wurden fertig portionierte Bratenstücke, Wurst und Gulasch vom Hirsch, vom Reh und vom Wildschwein, alles fachmännisch zerwirkt und portionsgerecht gefrostet.

 


Hegering Steinhagen (GT)

60 kg Wildbret für Bedürftige

Da auch die Gütersloher Tafel aktuell weniger Spenden bekommt, hat der Hegering Steinhagen die Initiative ergriffen und 60 kg Reh, Rot- und Schwarzwild in vakuumierten Verpackungen übergeben. Liane Schiermeyer von der Tafel freute sich sehr über die hochwertigen Spenden. Da die Tafeln wegen der Ansteckungsgefahr geschlossen sind, beliefert die Tafel die Bedürftigen zusammen mit dem Roten Kreuz direkt zu Hause.

 


Kreisjägerschaft Rhein-Sieg

Wild-Überraschung zum Muttertag

Der Muttertag veranlasste Jäger im Rhein-Sieg-Kreis, speziell im Hegering Wahlscheid-Lohmar-Neunkirchen- Seelscheid, dem Restaurant Aueler Hof Wildbret für ein besonderes Menü zu spenden. Dort wird nämlich jeden Tag Essen für Bedürftige zum symbolischen Preis von 1 € zubereitet.

 

In diesen besonderen Zeiten unterliegen Familien starken Belastungen, und zwar nicht nur finanziell. Deshalb war es den Spendern, die ungenannt bleiben möchten, eine Herzensangelegenheit, gerade jetzt Menschen zu zeigen, dass man an sie denkt. Das Menü zum Muttertag bestand aus Wildbraten vom Kirchscheider Hof, Gnocci und frischem Rotkohl sowie einem Wildcreme-Süppchen – aus heimischem Rehrücken und weiteren Reh- Teilen entsteht dazu eine Wildessenz. Daraus wird mit frischen Pilzen eine Wildcreme-Suppe bereitet und mit Cognac verfeinert.


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