Seite 1

RWJ 10/2021: Strategie-Diskussion zur Wiederbewaldung bei PEFC NRW

Zu viel Wild im Wald ?

Unter diesem Titel hatte die Regionale PEFC-Arbeitsgruppe NRW Waldbesitzende Ende August zu einem Tagesseminar nach Vogelsang (Nationalpark Eifel) eingeladen.

SCHWERPUNKT WALD UND WILD

Walter Schmitz, Markus Wolff, Florian Krumpen, Franz van Elsbergen, Wolfgang Schmieder und Uwe Schölmerich (v. l.) informierten die Teilnehmer über Projekte, Erfahrungen und Forderungen bei der Wiederbewaldung von Katastrophen-Flächen in NRW.

PEFC (Programm zur Anerkennung von Forstzertifizierungs-Systemen) ist die weltweit größte, unabhängige Institution zur Sicherstellung und Vermarktung nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Die Regionale Arbeitsgruppe NRW befasste sich Ende August im Nationalpark Eifel einen ganzen Tag lang mit Wald-Wild-Fragen.

Der NRW-Vorsitzende Dietrich Graf Nesselrode begrüßte die Teilnehmer und freute sich über das große Interesse am Tagungsthema – was aber auch angesichts der riesigen Schadflächen in NRW (Fachleute gehen bisher von über 100 000 ha aus) nicht überraschend gewesen sei.

Angesichts der Tatsache, dass Bund und Länder zwar insgesamt rund 1,5 Mrd. € zur Wiederbewaldung bereitstellen, allerdings ganz bewusst ohne flächige Schutzzäune, appellierte Nesselrode gleich zu Beginn, dass Waldbesitzende zur Schaffung klimastabiler Wälder der Zukunft dringend auf die Unterstützung der Jäger angewiesen wären.

Walter Schmitz (NRW-Jagdreferent i. R.) führte in den rechtlichen Rahmen

zur Durchsetzung von Wildschadensansprüchen ein und erinnerte etwa an das KO-Kriterium der Einhaltung von Fristen: Danach müssen forstliche Schäden pünktlich zum 1. Mai oder 1. Oktober gemeldet werden, ansonsten verfällt jeder Rechtsanspruch auf Entschädigung.

 

Ein seltsames Miteinander ...

Markus Wolff (Leiter Stadtforstamt Remscheid, Vorstandsmitglied ANW NRW) befasste sich mit der Frage, wie Waldbesitzer in einer Jagdgenossenschaft konkreten Einfluss auf die Wildbestandsregulierung nehmen können. In seiner Verantwortung sei die Verpachtung von Jagdrevieren auf ganzer Fläche durch ein System von Pirschbezirken ersetzt worden. Statt „auswärtiger reicher Jäger aus dem Ruhrgebiet“ kontrollierten dort nun Forstbedienstete, ob die Pirsch-bezirksinhaber die ihnen gestellten Aufgaben (= Abschussvorgaben) auch erfüllen.

Wolff: „Wir jagen weiter in der Fläche !“ Er verglich die Verpachtung von Jagdrevieren mit einem Schwimmbad, das Kommunen ja auch nicht zur Nutzung an solvente Einzelne – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – vermieten würden.

Sollten Bund/Land angesichts von Wildschäden die Rückzahlung von Förder-mitteln fordern (wie Wolff findet, ein rea listisches Szenario), sollten dafür nicht Wald besitzer, sondern Jäger aufkommen.

Zur Durchsetzung bislang leider individuell nur erschwert durchsetzbarer Ansprüche in einer Jagdgenossenschaft empfahl er Waldbesitzern die Gründung sog. „Jagdrecht-Bündelungsvereine“.

Hierzulande sei man mit waldfreundlichen Lösungen leider noch nicht soweit wie etwa in Bayern, eine Region, die er als beispielhaft für Deutschland darstellte.

 


Beispiele aus dem Staatswald ...

Florian Krumpen (Nationalpark Eifel) stellte das Wildtiermanagement im Nationalpark vor. Für eine saubere Doku mentation rund um die hohen Rotwildbestände der Region wies er dabei auf die mangelnde Zusammenarbeit mit den umliegenden Privatrevieren hin.

Franz van Elsbergen (Leiter Staatswald im Regionalforstamt Rureifel/Wald u. Holz NRW) stellte ein Weißtannen-Projekt und Jagdstrategien im Hürtgenwald vor.

In zwei verpachteten Staatswaldrevieren sei es gelungen, durch entsprechende Maßnahmen gemeinsam mit Privatjägern auch ehrgeizige waldbauliche Ziele umzusetzen. Dazu zählte sowohl der körperliche Nachweis wie auch ein Anreiz-System, das die Pächter bei erfüllter Abschussvorgabe von jeglichen Wildschadens-Zahlungen freistellte – und zu Pachtabschlägen bis 20 Prozent führt !


Für ein so erfolgreiches Miteinander benötige die Forstverwaltung (so van Elsbergen) allerdings „brauchbare Jäger“, die dies jährlich etwa in einem echten Schießleistungsnachweis belegen müssen.


... und dem Kommunalwald

Die Gemeinde Nettersheim (EU) ist ein großer Waldbesitzer in der Eifel mit Jagdrecht auf rund 2 000 ha. Wolfgang Schmieder (Forstamtsleiter Nettersheim) beschrieb die Zustände zu Beginn seiner Amtszeit mit eindrücklichen Worten: „Wir waren der Club der Bonsai-Züchter – angesichts überhöhter Wildbestände war selbst die Fichte auf rund einem Drittel der Fläche nicht mehr zu verjüngen !“

Er habe den Gemeinderat dahingehend beraten, bei allem Verständnis für ganz andere Interessen privater Jäger von einer weiteren Verpachtung des Gemeinde-

waldes abzusehen. Heute wird fast die gesamte Fläche (bis auf 270 ha Rest) nicht mehr verpachtet, sondern eigenbewirtschaftet – unter seiner Regie. Dafür können sich auch die alten Pächter bewerben, von denen sich aber „aus Statusgründen“ so Schmieder, etliche schwer damit täten.

Seine Vorgaben seien durchaus restriktiv, so dürfen die Jäger nicht mehr rund ums Jahr in die Fläche. Schmieder: „Wir definieren Öffnungszeiten für unsere Jäger.“

Uwe Schölmerich (NRW-Vorsitzender AG Naturgemäße Waldwirtschaft/ANW) stellte Gedanken zu Jagd und Klimawandel im naturgemäßen Wald vor. Dazu forderte er einen erkennbaren Wechsel von der klassischen hin zu einer waldorientierten Jagd. Für diese neue Art der Jagd brauche es „fitte Jäger“: motiviert, trainiert und technisch up to date. Es gelte, an vielen Stellschrauben bisher liebgewordener, aber ineffektiver Jagdelemente zu drehen. So könne man etwa bei Bewegungsjagden auf „sekundärmotivierte“ Treiberwehren, die nur an ein kostenloses Mittagessen dächten, gut verzichten. Sein Credo auf dem Weg zu den Wäldern der Zukunft: „Engagiert jagen und Holz machen !“


Eigentumsrechte gehen vor

In der Abschlussdiskussion wurde die große Sorge der teilnehmenden Waldbesitzer deutlich. Womit man die wegfallende Brotbaum-Art Fichte zukünftig ersetzen kann, weiß heute sicher noch niemand, Weißtanne und Douglasie werden dabei wahrscheinlich eine gewisse Rolle spielen.

Ein Teilnehmer erinnerte an einen entscheidenden Faktor – im Ringen um die Bejagung privater wie öffentlicher Wälder gehe es am Ende um die Umsetzung Grundgesetz-geschützter Eigentumsrechte. Die Eigentümer der Wälder hätten zu entscheiden, wie auf ihren Flächen gejagt werde.

Anwesende Jäger wiesen darauf hin, dass diese anspruchsvolle Aufgabe aber wohl nur gemeinsam, also mit den Jägern – und nicht gegen sie – gelingen könne.

Matthias Kruse

 


Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.