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RWJ 03/2019: Wachsender Unmut erreicht die „Große Politik“

Wolfs-Chaos in Deutschland

Mit der Abschuss-Freigabe von zwei sog. „Problem-Wölfen“ in Schleswig-Holstein und Niedersachsen eskaliert der nicht endende Streit zwischen immer stärker betroffenen Nutztierhaltern und Wolfschützern. Währendessen herrscht rund um die Wölfin im Norden des Ruhrgebiets seit Wochen merkwürdige Funkstille – eine kritische Sachstands-Analyse:

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Foto: H. Pieper

Am 22. Januar bestätigte das Landesumweltamt NRW (LANUV), dass es sich beim Verursacher getöteter Schafe am 7. Dezember 2018 bei Hünxe (WES) zweifelsfrei um einen Wolf gehandelt habe. Für diese sensationelle Erkenntnis benötigte das mit einem immer wieder kritisierten Untersuchungs-Monopol ausgestattete Senckenberg-Institut diesmal die traurige Rekordzeit von knapp sieben Wochen! Mit keinem Wort erwähnt das LANUV bis heute die Tat sache, dass die Wölfin „GW954f“ bei der erneuten Tötung von Nutztieren im Advent 2018 erstmalig in NRW eine vorschriftsmäßig eingezäunte Anlage überwand. Wozu es führen kann, wenn Wölfe sich erkennbar auf nur scheinbar gesicherte Nutztiere spezialisieren, kann man derzeit nördlich von NRW beobachten:

 

  • In Schleswig-Holstein hat der grüne Umweltminister einen Wolf zum Abschuss freigegeben, der rund um den Landkreis Pinneberg immer wieder Schafe gerissen hat – trotz aller Zäune,
  • in Niedersachsen kam der Umweltminister (SPD) zum gleichen Ergebnis und gab den Leitrüden des „Rodewalder Rudels“ (Nienburg/Weser) zum Abschuss frei.

Im Zuge der dortigen Diskussionen wurde der zuständige Wolfsberater in sozialen Netzwerken massiv bedroht – und vom Minister aus der Schusslinie genommen. Parallel dazu forderten betroffene Nutztierhalter den Minister auf, weitere 16 (!) Wolfbeauftragte zu entlassen, die in einem Offenen Brief die Abschussfreigabe kritisiert hatten – das Vertrauensverhältnis zu ihnen sei nachhaltig gestört. Äußerst interessant (und unterschiedlich) wurde in den beiden Bundesländern mit der Frage umgegangen, wer denn den Wolf töten solle.

 

 

Schlüsselfrage: Wer soll Wölfe töten?

So antwortete Helmut Dammann-Tamke, der Präsident der Niedersächsischen Jäger, darauf in einem Interview: „Ich rate Jägern, sich da rauszuhalten, weil wir sonst nur als Menschen dargestellt werden, die nur schießen und nicht die Natur erhalten wollen. Nein – die Politik muss das Problem lösen.“ Als sich dagegen das Ministerium in Schleswig-Holstein an den dortigen LJV wandte, schloss dessen Präsident Wolfgang Heins in einem Interview nicht aus, den Wolf ggf. sogar „persönlich“ zu töten! Zur gleichen Zeit fordern noch viel stärker von Wolfs-Übergriffen betroffene Tierhalter in Sachsen, Brandenburg (wo teilweise schon Kälber „in Ställen“ von Wölfen getötet wurden !) oder Sachsen- Anhalt eine ganz andere Umgehensweise. Danach soll die Politik Regionen festlegen, in den Wölfe geschützt, geduldet oder erlegt werden sollen.

 

 


Landtagswahlen und der Wolf

Die Diskussion um den Umgang mit Wölfen erhält vor dem Hintergrund von Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen in diesem Jahr eine ganz neue Dimension. Wo die Bevölkerung auf dem Land das Gefühl nicht los wird, dass „die da oben“ ihre Sorgen überhaupt nicht ernst nehmen (analog der unseligen Diesel-Fahrverbote), gerät der Vollschutz einer explodierenden Wolfs- Population immer stärker unter Druck. So wird denn auch der reflexartige Hinweis auf die „von der EU streng geschützte Art“ nicht dadurch richtiger, dass man ihn gebetsmühlenartig wiederholt: Der sog. „gesicherte Erhaltungszustand“ der Wölfe ist nämlich längst erreicht, wenn man die bei uns heimischen Grauhunde (endlich) zu der Population zählen würde, zu der sie ganz unzweifelhaft gehören – der baltisch-eurasischen nämlich.

 

 

 

Zurück nach NRW: Nach der Ausweisung eines zweiten Wolfsgebietes in der Senne hört man von der Wölfin in Hünxe seit Wochen ... nichts. Dass sie in dieser Zeit zur Veganerin geworden ist, dürfte genauso unwahrscheinlich sein wie eine Rückbesinnung zu Bio-Kost (= Vorliebe für Rehe und Sauen). Es bleibt spannend.

 

Matthias Kruse

 

 


Wölfe in Deutschland

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