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RWJ 01/2019: Leserbrief

Wölfe in den Nationalpark!

Zu: „Entnahme widerspricht nicht dem Schutzzweck“

 

In einem vermeintlich hoch gebildeten Land überrascht die Konzeptlosigkeit („wir schaffen das“) von Umweltministerien und Verbänden im Umgang mit dem Wolf. Einige „verhaltensauffällige“ Wölfe wurden bereits getötet – handelt es sich dabei um Erfolge oder Straftaten (Töten eines Wildtieres ohne vernünftigen Grund)?

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Nachdem es – zumindest in NRW – um den Wolf lange Zeit ruhig blieb, steigt mit zunehmendem Ärger (Schermbeck) die Nervosität. Foto: www.pixabay.com

Wölfe, welche die Scheu vor den Menschen verloren haben, sind nicht verhaltens auffällig, zeigen vielmehr normales Verhalten, wie es bei anderen unbejagten Wild tieren beobachtet werden kann. Wenn man sich mit Verhaltensstudien beschäftigt und sich nicht zu den Tausenden „Wolfsexperten“ zählt, wird erkennbar, dass sich Politik und Gesellschaft auf einem Irrweg von Ratschlägen und Lösungen bewegen. Durch intensive Bejagung von Schalenwild, besonders Reh und Rotwild im Staatswald, werden „Problemwölfe“ erzogen und in bewohnte Gebiete mit Tierhaltung abgedrängt. Aus dieser Erkenntnis hat man sich im Nationalpark Böhmerwald (CZ) entschlossen, Schalenwild nicht mehr zu bejagen. Würde daraus ein Konzept entwickelt, nicht nur in Nationalparken, sondern auch in Bundes- und Landesforsten die Jagd auf Schalenwild einzustellen (gegen Reh und Rotwild führt man derzeit einen Krieg), könnten dort konfliktfrei Wolfsgebiete geschaffen werden.

 

Außerhalb der Staatswald-Flächen würden wolfsfreie Zonen gelten, ähnlich rotwildfreien Gebieten. Der größte Schaden, der dem Wolf und seinem Bleiberecht zugeführt wird, sind nicht Tierhalter und Jäger, sondern vermeintliche Wolfs-Experten, die Tier- über Menschenrechte stellen, jedem Wolfsübergriff gleich einen „Rechtsanwalt“ zur Seite stellen und Sorgen und Ängste der Menschen verlachen. Das Lebensrecht des Wolfs als faszinierender Tierart, der wir Respekt und Achtung entgegenbringen, ist nur mit den Menschen, nicht gegen sie möglich. Erik Zimen, einer der bekanntesten Wolfsforscher, brachte es auf den Punkt: „Der Wolf hat die jahrhundertelange Verfolgung aus dem einzigen Grund überlebt, weil er einordnen kann, wann der Mensch ihm gefährlich werden kann – und wann nicht.“

 

D. Bertram, 53894 Mechernich

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