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RWJ 06/2019: KJS Steinfurt-Tecklenburg

Wildunfälle mit Maßnahmenpaket verhindern

Ein Prozent aller Wildunfälle in Deutschland passieren auf den Straßen des Kreises Steinfurt – eindeutig zu viel, finden Jäger, Landwirte, Polizei und Behörden. Deshalb haben sie gemeinsam einen Maßnahmenkatalog für mehr Verkehrssicherheit und weniger Tierleid erarbeitet.

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Jedes dritte Reh fällt im Kreis Steinfurt dem Verkehr zum Opfer – zu viel, sind sich Jäger, Landwirte, Verwaltung und Polizei einig. Ein Maßnahmenkatalog soll Abhilfe schaffen. Foto: K.-H. Volkmar

Der Kreis Steinfurt hat ein Problem mit Wildunfällen – 2 262 Kollisionen waren es 2018. Dabei kam ein Mensch zu Tode, drei Personen wurden schwer verletzt. Auch 2019 gab es bereits vor Beginn der Saison einen schwerverletzten Motorradfahrer. Außerdem entstand Sachschaden in Höhe von sechs Mio. Euro – und in diese Rechnung sind Unfälle auf Bundesautobahnen durch das Kreisgebiet gar nicht eingeflossen.

Hauptopfer Rehwild

Wildunfälle passieren hauptsächlich mit Rehen, allein 1 852 fielen dem Straßenverkehr im vergangenen Jagdjahr zum Opfer – ein Drittel der Jahresstrecke ! Zur besseren Vergleichbarkeit erfasst die Polizei Wildunfälle nämlich nicht nach dem Kalender-, sondern nach dem Jagdjahr. Hinzu kommt eine nicht unerhebliche Dunkelziffer, bei denen sich Autofahrer nicht bei der Polizei oder dem Jagdausübungsberechtigten melden. Um die Situation für Autofahrer und für das Wild zu verbessern, hat eine Arbeitsgruppe aus Polizisten, Behördenmitarbeitern, Jägern und Landwirten einen Maßnahmenkatalog für weniger Wildunfälle erarbeitet.

 

Verkehr selektiert nicht

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Albert Rohlmann (WLV), Dr. Joachim Schnieders (KJS), Landrat Dr. Klaus Effing, Jürgen Bauland (Polizei) und Bernd Buskamp (Straßenverkehrsamt) v. l. vor einer Wildunfall-Karte. Foto: B. Petercord

Eine zentrale Aufgabe kam dabei dem Ersten Polizeihauptkommissar Jürgen Bauland, der selbst Jäger ist, zu: „Wir wollten alle Beteiligten ins Boot holen“, so Bauland. Schließlich saßen KJS, Straßen NRW, Straßenverkehrsbehörde, Straßenbauamt, Verkehrswacht, Landwirtschaftsverband, Untere Jagdbehörde, Jagdbeirat und Polizei am Tisch. Allen betroffenen Gruppen war klar, dass Einzelmaßnahmen keinen Erfolg haben würden. Nur das Zusammenspiel vieler Maßnahmen kann die Zahl der Wildunfälle senken. Mitte April wurden die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. Dass jeder 20. Polizeieinsatz im Kreis ein Wildunfall ist, bindet natürlich Kräfte. Insofern hat die Polizei auch aus diesem Grund ein Interesse an weniger Wildunfällen. Zudem bedeuten Wildunfälle immer Tierleid.

 

Denn „der Straßenverkehr selektiert nicht“, so Bauland. Besser sei es, im Mai entschieden bei Jährlingen und Schmalrehen Strecke zu machen. Diese würden von den älteren Böcken überall vertrieben und auf der Flucht ausgesprochen häufig in den Straßenverkehr geraten, so Bauland. Daher haben sich die örtlichen Hegeringe bereits auf die Einführung von Rehwildwochen verständigt, um dieser Aufgabe nachzukommen. Die Untere Jagdbehörde will darüber hinaus lokale Schonzeitaufhebungen prüfen, damit an Unfallschwerpunkten auch schon im April Jährlinge und Schmalrehe erlegt werden können. „Es gibt Reviere, in denen wir 75 Prozent Fallwildanteil haben“, erklärte Bauland. Dort rate er Revierinhabern, lieber um vier Uhr anzusitzen, als um fünf Uhr zum Wildunfall gerufen zu werden.

 


Bauern mit im Boot

Dass jeder 20. Polizeieinsatz im Kreis ein Wildunfall ist, bindet natürlich Kräfte. Insofern hat die Polizei auch aus diesem Grund ein Interesse an weniger Wildunfällen. Zudem bedeuten Wildunfälle immer Tierleid. Denn „der Straßenverkehr selektiert nicht“, so Bauland. Besser sei es, im Mai entschieden bei Jährlingen und Schmalrehen Strecke zu machen. Diese würden von den älteren Böcken überall vertrieben und auf der Flucht ausgesprochen häufig in den Straßenverkehr geraten, so Bauland. Daher haben sich die örtlichen Hegeringe bereits auf die Einführung von Rehwildwochen verständigt, um dieser Aufgabe nachzukommen. Die Untere Jagdbehörde will darüber hinaus lokale Schonzeitaufhebungen prüfen, damit an Unfallschwerpunkten auch schon im April Jährlinge und Schmalrehe erlegt werden können.

 

„Es gibt Reviere, in denen wir 75 Prozent Fallwildanteil haben“, erklärte Bauland. Dort rate er Revierinhabern, lieber um vier Uhr anzusitzen, als um fünf Uhr zum Wildunfall gerufen zu werden.


Warnschilder und Salzlecken

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Das Wildwechsel-Zeichen soll durch einen neongelben Hintergrund aufgewertet werden.

Große, farbige Warnschilder mit auffälligen Wildmotiven sollen auf Unfallschwerpunkte hinweisen. Dabei hätten sich Motive aus Niedersachsen bewährt, eine Anschaffung wird geprüft. Allerdings muss man Haftungsfragen klären, etwa wenn Schilder am Straßenrand auf Metallkonstruktionen gesetzt werden. Oft können allerdings auch sehr einfach umzusetzende Maßnahmen helfen. Bauland stellte beim Abgleich von Wetterdaten und Unfallstatistiken fest, dass es bei Frost vermehrt zu Wildunfällen kommt. Hintergrund ist Streusalz, das von Rehen am Straßenrand aufgenommen wird. Mit wenig Aufwand und geringen Kosten könnten da Salzlecken im Bestand entlang der Verkehrswege Abhilfe schaffen.

 


Blaue Reflektoren weiter gefragt

Auch wenn die Wirkung der blauen Reflektoren unter Wissenschaftlern umstritten ist, haben Jäger im nördlichen Münsterland damit gute Erfahrungen gemacht. Deshalb werden solche Reflektoren auch weiter genehmigt. Auf Kreisstraßen kümmern sich Straßenmeistereien um die Installation der blauen Kunststoffdreiecke, entlang von Landesstraßen sind dagegen weiter Jäger in Eigenleistung dafür verantwortlich. Derzeit sucht Landrat Dr. Klaus Effing nach einer Finanzierungslösung, denn mit drei bis fünf Euro pro Stück gehen solche Maßnahmen schnell „ins Geld“. Bei erhöhtem Damwildvorkommen können auch Duftzäune eine gute Wirkung entfalten, „das Portfolio der Maßnahmen ist mannigfaltig, man muss sehen, was wo Sinn macht“, so der KJS-Vorsitzende Dr. Joachim Schnieders.

 


Tue Gutes und sprich darüber

Die Kreisjägerschaft benennt fünf ehrenamtliche Obleute, die entsprechend geschult auf Vertreter anderer Behörden und Revierinhaber zugehen. „Wo es Unfallschwerpunkte gibt, suchen unsere Obleute aktiv das Gespräch mit Revierinhabern, um Lösungsansätze zu erarbeiten“, erklärte Dr. Schnieders. Außerdem werde auf HR-Versammlungen für die Thematik sensibilisiert. Steinfurts Landrat Dr. Klaus Effing will das Projekt auf der nächsten Landrätekonferenz seinen Kollegen aus den Münsterland-Kreisen Borken, Coesfeld und Warendorf sowie dem OB von Münster vorstellen. Dr. Schnieders wird das Projekt anderen Kreisvorsitzenden und dem LJV-Präsidium bei einer LJV-Vorstandssitzung vorstellen. Im Oktober sollen die Maßnahmen ausgewertet und eine erste Bilanz gezogen werden.

 

Felix Höltmann


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