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RWJ 04/2021: Zum Start der Grünlandernte

Wildtiere nicht gefährden!

Die Grasernte überschneidet sich mit den Setz- und Brutzeiten vieler Wildtiere, viele davon werden leider dabei jedes Jahr getötet. Wie man das verhindern könnte und welche Gefahren von Tierkadavern ausgehen, darüber berichten Dr. Klaus Hünting (Landwirtschaftskammer NRW) und Gregor Klar (LJV NRW).

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Als man den ersten Schnitt noch zur Heubergung nutzte, kam dabei das meiste Wild zu schaden, durch Qualitätssilage (früher erster Schnitt) hat sich die Hauptgefährdung heute auf den ersten und zweiten Schnitt ausgedehnt. Eine weitere Gefahr droht freilebenden Tieren, wo Grünroggen angebaut wird. Anders als bei normalem Getreideanbau wird dieser kurz vor oder fast zeitgleich mit einem frühen ersten Grasschnitt gewonnen. Doch ganz egal, ob Grünroggen, Ackergras oder Dauergrünland – jede Ernte bis zur ersten Maiwoche gefährdet in erster Linie Hasen. Neben Rehen, die dann meist gesetzt haben, sind ab der zweiten Mai-Dekade auch Fasane, andere Bodenbrüter und weiter Hasen gefährdet. Ein Verschieben der Mahd auf einen deutlich späteren Zeitpunkt würde Wild zwar sehr zugute kommen, aber daraus resultierende Qualitäts- und Ertrags einbußen entsprechen nicht mehr den Futter-Vorgaben für Hochleistungsrinder.

 

 

Gefahr durch Botulismus

Gelangen getötete Wildtiere ins Erntegut, könnten natürlich vorhandene Bakterien das hoch giftige Botulinum-Toxin bilden. Durch die heute übliche Futtervorlage können vergiftete Partien homogen vermischt und bei mehreren Tieren zu Vergiftungen mit deutlichen Leistungseinbußen führen. Nicht nur vor diesem Hintergrund sollte bei der Ernte jegliche Kontamination des Futters mit getöteten Tieren vermieden werden.

 

 


Wild verscheuchen – aber wie?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Wild von der Fläche zu vergrämen, dazu zählen u. a. abends vor der Mahd aufgestellte Rascheltüten und Flatterbänder, die Wild von der Fläche vertreiben. Ein zu frühes Aufstellen ist zu vermeiden, da Wild solche Störungen sonst schnell wieder akzeptiert und in die Flächen zurückzieht.

 

Akustische Wildretter können auch am Abend vor der Mahd an aufgestellten Scheuchen montiert werden. In Siedlungsnähe setzt man sie aus Lärmschutzgründen in die entgegengesetzte Richtung zur Bebauung ein.

 

Die Haltbarkeit der Akkus beträgt rund sechs Stunden, für Nachteinsätze sollte man akustische Wildretter daher mit einer Intervallschaltung versehen.

 

Sehr laute, am Mähfahrzeug befestigte Warnsirenen sorgen für einen kostengünstigen Vertreibungseffekt. Die Bauanleitung ist über den LJV erhältlich (Tel. 02 31/28 68- 600, E-Mail: info@ljv-nrw.de, www.ljv-nrw.de), funktionieren jedoch leider nicht bei sich drückenden Jungtieren und brütenden Fasanenhennen.

 

 


Am besten Absuchen

Das Absuchen zur Mahd anstehender Flächen mit ausgebildeten Jagdhunden kurz vor der Ernte mit Hinaustragen gefundenen Wildes ist die wohl effektivste Wildrettung, setzt aber neben geeigneten Rückzugsräumen eine gute Kommunikation zwischen Bewirtschafter und Revierinhaber voraus.

 

Idealerweise werden Revierinhaber mindestens 24 Stunden vorher über den anstehenden Termin informiert, da je nach Flächengröße ggf. mehrere Gespanne für eine erfolgreiche Kontrolle benötigt werden und dieses mit mehr Vorlaufzeit besser zu organisieren ist.

 

Suchen Sie frühzeitig das Gespräch, um in der arbeitsintensiven Erntezeit ein reibungsloses Absuchen der Flächen vor der Ernte zu gewährleisten – dies so früh wie möglich zu koordinieren, ist das entscheidende, rettende Kriterium!

 

Bei der Mahd selber ist darauf zu achten, dass Wild die Möglichkeit bleibt, die Fläche sicher verlassen zu können – es also nicht durch das Mähen von außen nach innen in die letzte stehen gebliebene Bahn zusammengetrieben wird.

 

Bei modernen, immer breiter und schneller fahrenden Maschinen ist das Mähen von innen nach außen (bei Flächen über 2,5 ha von einer Seite zur anderen mit einer Fluchtmöglichkeit zur nächsten Deckung) eine der wenigen Möglichkeiten, Wildtieren die Rettung durch noch ungemähte Teile zu weisen. Das gilt besonders für Althasen und Dreiläufer, selbst Fasanenhennen können so das Gesperre noch in Sicherheit bringen.

 

Eine Diplomarbeit der Uni Potsdam (2004) dokumentiert, dass das Mähen von innen nach außen nach kurzer Einarbeitung nicht zeit- und kostenintensiver als traditionelle Arbeitstechniken ist.

 

Abgelegte Kitze sind dadurch aber nicht zu retten – Ducken und Tarnen schützt nicht vor Erntemaschinen. Um Kitze und andere Ducker vor dem Mähtod zu bewahren, müssen

 

  • abends vorher Scheuchen ggf. mit akustischen Wildretter aufgestellt werden
  • vor der Mahd mit Jagdhunden mit oder ohne akustische Wildretter abgesucht werden, dabei sollten Führer wie Hunde Gehörschutz tragen.

 


Drohnen u. Wärmebildkameras

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Die Rettung abgelegter Kitze und anderer Ducker mit Drohnen und Wärmebildkameras ist hocheffektiv. Allerdings sollte man bei der Anschaffung nicht am verkehrten Ende sparen, dazu sind erforderliche Fluglizenzen zu beachten. 


Zum Einsatz benötigt man ein Team aus Piloten, Beobachtern sowie mehreren Helfern und Buschmännern. Die Verfügbarkeit der Helfer und Buschmänner über 6 bis 8 Wochen kann für den Erfolg genauso einen begrenzenden Faktor darstellen wie die eingeschränkte Flugfähigkeit von Drohnen bei Regen und Wind. 


Die Aus- bzw. Überlastung der Drohnen kann dazu führen, dass an manchen Tagen nicht alle zur Mahd anstehenden Flächen abgeflogen werden können – gerade dann ist es besonders wichtig, gefährdete Bereiche genau zu kennen. Die Anzahl der geretteten Kitze lag nach verschiedenen Erfahrungsberichten2020 in den Revieren zwischen 1 und 155, ohne gute Kooperation und Kommunikation zwischen allen Beteiligten vor Ort wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.


Kurzfristiger Schutz

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Wenn man so arbeitet – also von Außen nach Innen mäht – sind Wildtierverluste und kontaminiertes Mähgut vorprogrammiert ...

Die Anlage alternierender Rückzugsstreifen kann ein weiterer Baustein zur Verhinderung von Mähverlusten sein. Nach einer Untersuchung der Landwirtschaftskammer NRW sind wechselnde Rückzugsstreifen ein möglicher Weg, um Niederwild und Bodenbrütern bessere Möglichkeiten zu geben, Nachwuchs großzuziehen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass diese Streifen nicht als Erstes freigemäht werden, sondern Wild während der Mahd von innen nach außen in die Streifen gedrückt wird.


Langfristiger Schutz

Da Rand- und Saumbereiche bei Wild besonders begehrt sind, sollte man Randstreifen, die nicht gerade im Schattenbereich von Bäumen liegen, bei den ersten Schnitten stehen lassen. Zum dritten Schnitt wäre dieses extensive Material noch geeignet, um in Wickelballen strukturreiches Futter zur Jungvieh- und Trockensteher- Fütterung zu gewinnen. Randstreifen, auf denen Futter immer wieder mäßig wächst oder schlecht trocknet, bieten sich auch für dauerhafte Wildackermischungen an (z. B. WSM 3). Mehrjährige Rückzugs- und Saumflächen locken wildlebende Tiere aus der intensiv genutzten Fläche und entschärfen die Problematik beim Mähen.


Blühstreifen anlegen

Blühende Feldränder sehen nicht nur schön aus. Sie sind eine echt ökologische Aufwertung und erhöhen die Artenvielfalt – schon wenige gezielt angelegte Streifen mit blühenden Pflanzen vom Frühjahr bis Spätherbst helfen außerdem bei der Mähstrategie von innen nach außen, da sie wildlebende Tiere anziehen. Wo möglich sollte dazu eine Gliederung großer Schläge mit Blühstreifen (Förderprogramme !) nachgedacht werden. Ansprechpartner für Förderung und weitere Programme sind

 

 

Ohne Schaffung und Erhalt von Rückzugsräumen laufen Maßnahmen zur Rettung wildlebender Tiere ins Leere. Pflegen Sie gute Kontakte zwischen Jägern und Landwirten, nur so können wir Wildtiere in freier Feldflur für die nachfolgende Generation erhalten und die Kontamination von Futter vermeiden.

 

Wichtiger Hinweis: Laut Landesnaturschutzgesetz NRW ist es gemäß § 4 Abs. 1 Ziffer 5 verboten „ … bei der Mahd auf Grünland ab 1 ha von außen nach innen zu mähen, davon unberührt bleibt stark hängiges Gelände …“


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BFI Kitzretter B0/37

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BFI Kitzretter B0/37

Der BFI-Kitzretter B0/37 verhindert die Ablage von Kitzen im Feld durch laute Signaltöne. Er lässt sich ergänzend zu Flattertüten verwenden und bringt Ricken dazu, Kitze aus Wiesen zu führen. Dazu beschallt ein Gerät etwa 5 ha eine Nacht lang. Da sich der Schall nur in eine Richtung ausbreitet, kann man die Geräte auch nah an der Bebauung aufstellen. Beim Fehlen von Jagdhunden kann man damit Flächen auch unmittelbar vor der Mahd im Zickzack ablaufen (Gehörschutz!). Die Batterie-Lebensdauer beträgt bei Dauerton etwa fünf, bei Intervall-Schaltung rund 80 Std. Das Gerät ist nicht wasserdicht (muss vor Regen geschützt werden) und wird mit einer handelsüblichen 9V Block-Batterie betrieben (nicht im Lieferumfang!)

 

www.wild-rettung.de/produkte/


Modifizierter Kitzretter BFI B0/38

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BFI Kitzretter B0/38

Diese Alternative verhindert die Ablage von Kitzen im Feld durch laute Signaltöne und blaues Blinklicht. Das zusätz liche Blinken vergrämt auch Sauen.

 

Er kann am Waldrand aufgehängt werden, beschallt ebenfalls etwa 5 ha und verfügt über folgende Funktionen:

  • LED-Blinken im Intervall (10 Min. aus – 10 Sek. Blinken)
  • LED-Dauerblinken
  • Signalton und LED-Blinken (Intervall)
  • Signalton und LED-Dauerblinken

 

www.wild-rettung.de/produkte/


Wildretter B0/40

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Wildretter B0/40

Der BFI-Kitzretter B0/40 (94 dB)verhindert die Ablage der Kitze im Feld durch laute Signaltöne und blaues Blinklicht. Das hilft auch gegen Schwarzwild. Er kann am Waldrand aufgehängt werden. Die Intervallschaltung bietet den Ricken die Möglichkeit, ihre Kitze aus der Wiese zu führen. Ein Gerät beschallt etwa einen Hektar. Da sich der Schall nur in eine Richtung ausbreitet, kann man die Geräte auch nah an der Bebauung aufstellen. Öse am Gehäuseoberteil zum Befestigen mittels Draht, Faden oder Kabelbinder Intern können die Gerät selbständig auf die gewünschte Funktion eingestellt werden:

 

  • Nur LED Blinken im Intervall (10 min aus – 10 sec. blinken)
  • Nur LED Blinken dauernd Signalton und LED Blinken im Intervall (10 min. aus – 10 sec. an)
  • Signalton und LED Blinken dauernd

 

www.wild-rettung.de/produkte

 


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