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RWJ 04/2020: Erster Schnitt im Grünland steht an

Wildtiere nicht gefährden!

Die Zeit der Grasernte überschneidet sich mit den Setz- und Brutzeiten vieler Wildtiere, dabei werden leider in jedem Jahr viele getötet. Wie man das verhindern kann und welche Gefahren von Kadavern ausgehen, erklären Dr. Klaus Hünting (Landwirtschaftskammer NRW) und Forstassessor Gregor Klar (LJV).

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Als man den erste Schnitt noch zur Heubergung nutzte, kam dabei das meiste Wild zu schaden. Durch die Erzeugung von Qualitätssilage mit frühem ersten Schnitt hat sich die Hauptzeit der Tiergefährdung heute auf den zweiten Schnitt ausgedehnt. Weitere Gefahr droht freilebenden Tieren auch auf Ackerflächen, auf denen Grünroggen angebaut wird, der fast zeitgleich mit dem frühen ersten Grasschnitt geerntet wird. Jede Ernte bis zur ersten Maiwoche gefährdet in erster Linie Feldhasen, bis Anfang Juni ist nahezu das gesamte Wild betroffen, neben Rehen v. a. Bodenbrüter wie Fasane. Ein Verschieben der Mahd auf eine deutlich spätere Zeit würde dem Wild zwar sehr zu Gute kommen, entspräche aber nicht mehr den Grobfutter-Vorgaben für Hochleistungsrinder.

 

Botulismus ist gefährlich

Gelangen bei der Ernte Tiere mit ins Erntegut, können Bakterien aus den Kadavern das hochgiftige Botulinum-Toxin bilden. 0,1 μg in Reinform davon sind tödlich für Menschen. Pferde scheinen empfindlicher auf dieses Gift zu reagieren als Rinder. Die Futtervorlage mit Mischwagen kann bei einer größeren Zahl an Tieren zu Vergiftungen mit deutlicher Leistungseinbuße führen. Allein deshalb sollte man bei der Ernte jegliche Kontamination des Futters mit getöteten Tieren vermeiden.

 


Wie Wild verscheuchen?

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Scheuchen mit akustischen Wildrettern können Rehe kurzzeitig von Wiesen fern halten. So kann ein Ausmähen von Kitzen verhindert werden.

Abends vor der Mahd aufgestellte Rascheltüten und Flatterbänder vertreiben Wild von der Fläche. Zu frühes Aufstellen ist zu vermeiden, da Wild sonst zu fürh in die Fläche zurückkehrt. Akustische Wildretter können dagegen schon abends vor der Mahd an Scheuchen montiert werden. In Siedlungsnähe sollte man sie aus Gründen des Lärmschutzes entgegengesetzt zur Bebauung einsetzen. Die Haltbarkeit der Akkus beträgt fünf bis sechs Stunden. Zum Nachteinsatz sollte man akustische Wildretter deshalb mit Intervallschaltung versehen.

 

Akustische Wildretter – kostengünstige, sehr laute, am Mähfahrzeug befestigte Sirenen – sorgen ebenfalls für einen Vertreibungseffekt (Bauanleitung: LJV, Tel. 02 31/28 68 600, Fax: 28 68 666, info@ljv-nrw.de, www.ljv-nrw.de), funktionieren jedoch leider nicht bei sich drückenden Jungtieren und brütenden Fasanen. Einige dieser Modelle finden Sie weiter unten in diesem Artikel aufgeführt.

 


Absuchen hilft am besten

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Das Absuchen mit ausgebildeten Jagdhunden kurz vor der Ernte verbunden mit dem Hinaustragen gefundenen Wildes stellt die effektivste Wildrettung dar, setzt aber eine gute Kommunikation zwischen Bewirtschafter und Revierinhaber voraus – und ausreichende Rückzugsräume. Idealerweise wird der Revierinhaber mindestens 24 Stunden zuvor informiert, da je nach Flächengröße unter Umständen mehrere Gespanne benötigt werden. Suchen Sie frühzeitig das Gespräch, um während der stressigen Erntezeit reibungslose Abläufe zu gewährleisten.

 

Bei der Mahd selber ist darauf zu achten, dass man dem Wild die Möglichkeit gibt, die Fläche sicher zu verlassen – es also nicht durch Mähen von außen nach innen zusammentreibt. Bei modernen Mähern ist die Arbeit von innen nach außen eine der wenigen Möglichkeiten, Wildtieren eine kleine Fluchtmöglichkeit zu ermöglichen. Besondere Althasen und Dreiläufer, aber auch Fasane können so ihre Küken noch in Sicherheit bringen. Eine Diplomarbeit der Uni Potsdam dokumentierte, dass diese Methode nach kurzer Einarbeitung nicht zeit- und kostenintensiver als traditionelle Technik ist.

 


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Leider können abgelegte Kitze so nicht gerettet werden, um sie und andere Ducker zu retten, muss man

  • Scheuchen mit oder ohne akustische Wildretter aufstellen
  • vor der Mahd mit Hunden und Wildrettern absuchen (Gehörschutz)!

Drohnen mit Wärmebildkamera

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Die Wildrettung mittels Drohnen und Wärmebildkameras gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die hocheffizienten Systeme sind allerdings teuer und benötigen erheblichen logistischen Aufwand.

Die Rettung abgelegter Kitze und anderer Ducker kann nach Erfahrungen etwa der Hegeringe Versmold und Eslohe auch mit Drohnen und Wärmebildkameras gelingen. Allerdings darf bei der Anschaffung nicht am verkehrten Ende gespart werden. Für Drohnen bis 2 kg benötigt man zurzeit keinen Führerschein. Weiter benötigt man ein Team aus Pilot, Beobachter und mehreren Helfern. Die Verfügbarkeit der Helfer über sechs bis acht Wochen kann einen begrenzenden Faktor darstellen. Aus-/Überlastung der Drohne kann dazu führen, dass an manchen Tagen nicht alle zu mähenden Flächen abgeflogen werden können. Dann ist es wichtig, gefährdete Bereiche genau zu kennen. Allein der Hegering Versmold konnte 2019 so 93 Kitze und sieben Gelege retten. Ohne gute Kooperation und Kommunikation zwischen allen Beteiligten wäre dieser Erfolg nicht möglich gewesen.

 


Kurzfristiger Schutz

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Wenn man so arbeitet – also von Außen nach Innen mäht – sind Wildtierverluste und kontaminiertes Mähgut vorprogrammiert ...

Die Anlage alternierender Rückzugsstreifen kann ein weiterer Baustein zur Verhinderung von Mähverlusten sein. Nach einer Untersuchung der Landwirtschaftskammer NRW sind wechselnde Rückzugsstreifen ein möglicher Weg, um Niederwild und Bodenbrütern bessere Möglichkeiten zu geben, Nachwuchs großzuziehen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, dass diese Streifen nicht als Erstes freigemäht werden, sondern Wild während der Mahd von innen nach außen in die Streifen gedrückt wird.


Langfristiger Schutz

Da Rand- und Saumbereiche bei Wild besonders begehrt sind, sollte man Randstreifen, die nicht gerade im Schattenbereich von Bäumen liegen, bei den ersten Schnitten stehen lassen. Zum dritten Schnitt wäre dieses extensive Material noch geeignet, um in Wickelballen strukturreiches Futter zur Jungvieh- und Trockensteher- Fütterung zu gewinnen. Randstreifen, auf denen Futter immer wieder mäßig wächst oder schlecht trocknet, bieten sich auch für dauerhafte Wildackermischungen an (z. B. WSM 3). Mehrjährige Rückzugs- und Saumflächen locken wildlebende Tiere aus der intensiv genutzten Fläche und entschärfen die Problematik beim Mähen.


Blühstreifen

Blühende Feldränder sehen nicht nur schön aus. Sie sind eine echt ökologische Aufwertung und erhöhen die Artenvielfalt – schon wenige gezielt angelegte Streifen mit blühenden Pflanzen vom Frühjahr bis Spätherbst helfen außerdem bei der Mähstrategie von innen nach außen, da sie wildlebende Tiere anziehen. Wo möglich sollte dazu eine Gliederung großer Schläge mit Blühstreifen (Förderprogramme !) nachgedacht werden. Ansprechpartner für Förderung und weitere Programme sind

 

 

Ohne Schaffung und Erhalt von Rückzugsräumen laufen Maßnahmen zur Rettung wildlebender Tiere ins Leere. Pflegen Sie gute Kontakte zwischen Jägern und Landwirten, nur so können wir Wildtiere in freier Feldflur für die nachfolgende Generation erhalten und die Kontamination von Futter vermeiden.

 

Wichtiger Hinweis: Laut Landesnaturschutzgesetz NRW ist es gemäß § 4 Abs. 1 Ziffer 5 verboten „ … bei der Mahd auf Grünland ab 1 ha von außen nach innen zu mähen, davon unberührt bleibt stark hängiges Gelände …“


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BFI Kitzretter B0/37

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BFI Kitzretter B0/37

Der BFI-Kitzretter B0/37 verhindert die Ablage von Kitzen im Feld durch laute Signaltöne. Er lässt sich ergänzend zu Flattertüten verwenden und bringt Ricken dazu, Kitze aus Wiesen zu führen. Dazu beschallt ein Gerät etwa 5 ha eine Nacht lang. Da sich der Schall nur in eine Richtung ausbreitet, kann man die Geräte auch nah an der Bebauung aufstellen. Beim Fehlen von Jagdhunden kann man damit Flächen auch unmittelbar vor der Mahd im Zickzack ablaufen (Gehörschutz!). Die Batterie-Lebensdauer beträgt bei Dauerton etwa fünf, bei Intervall-Schaltung rund 80 Std. Das Gerät ist nicht wasserdicht (muss vor Regen geschützt werden) und wird mit einer handelsüblichen 9V Block-Batterie betrieben (nicht im Lieferumfang!)

 

www.wild-rettung.de/produkte/


Modifizierter Kitzretter BFI B0/38

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BFI Kitzretter B0/38

Diese Alternative verhindert die Ablage von Kitzen im Feld durch laute Signaltöne und blaues Blinklicht. Das zusätz liche Blinken vergrämt auch Sauen. Er kann am Waldrand aufgehängt werden, beschallt ebenfalls etwa 5 ha und verfügt über folgende Funktionen:

  • LED-Blinken im Intervall (10 Min. aus – 10 Sek. Blinken)
  • LED-Dauerblinken
  • Signalton und LED-Blinken (Intervall)
  • Signalton und LED-Dauerblinken

 

www.wild-rettung.de/produkte/


Wildretter B0/40

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Wildretter B0/40

Der BFI-Kitzretter B0/40 (94 dB)verhindert die Ablage der Kitze im Feld durch laute Signaltöne und blaues Blinklicht. Das hilft auch gegen Schwarzwild. Er kann am Waldrand aufgehängt werden. Die Intervallschaltung bietet den Ricken die Möglichkeit, ihre Kitze aus der Wiese zu führen. Ein Gerät beschallt etwa einen Hektar. Da sich der Schall nur in eine Richtung ausbreitet, kann man die Geräte auch nah an der Bebauung aufstellen. Öse am Gehäuseoberteil zum Befestigen mittels Draht, Faden oder Kabelbinder Intern können die Gerät selbständig auf die gewünschte Funktion eingestellt werden:

 

  • Nur LED Blinken im Intervall (10 min aus – 10 sec. blinken)
  • Nur LED Blinken dauernd Signalton und LED Blinken im Intervall (10 min. aus – 10 sec. an)
  • Signalton und LED Blinken dauernd

 

www.wild-rettung.de/produkte

 


Praxis-Tipp

Akustische Wildretter richtig einstellen

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Wussten sie, dass sich der Ton an der Piezosirene verändern lässt? Bei Auslieferung ist er manchmal ab Werk nicht richtig eingestellt – und hat dann wenig bis gar keine Wirkung.

 

Nach der Öffnung des Gehäuse deckels blickt man von oben auf die rechteckige grüne Steuer-Platine (s. Foto). Lösen Sie jetzt die drei kleinen Befestigungsschrauben und drehen die Platine vorsichtig um. Auf der braunen Unterseite befindet sich ein meist orange-farbener Drehschalter, ein sog. Potentiometer. Mit einem kleinen Schraubendreher kann man diesen Schalter etwa um 180 Grad von West nach Ost in zwei Richtungen drehen. Der richtige Ton zum Vertreiben von Wildtieren ergibt sich in der Schalterstellung Nordnordost (NNO, s. Foto). Schrauben Sie danach alle Teile wieder an – und benutzen Sie beim Testen und Einstellen einen Gehörschutz !


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