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RWJ 04/2019: Frühmahd

Wildtiere nicht gefährden!

Die erste Grasernte überschneidet sich mit den Setz- und Brutzeiten der Wildtiere – von denen dabei leider viele getötet werden. Wie man diese Verluste verhindert könnte und welche Gefahren von Tierkadavern ausgehen, erläutern Dr. Klaus Hünting (Landwirtschaftskammer NRW) und Gregor Klar (LJV).

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Wer von innen nach außen mäht, hat keine wirtschaftlichen Nachteile und erhöht gleichzeitig die Fluchtchancen des Wildes. Flächen, die größer als ein Hektar sind, müssen laut Gesetz sogar auf diese Weise gemäht werden. Sehr steile Stücke sind ausgenommen.

Als man den ersten Schnitt noch zur Heubergung nutzte, kam dabei das meiste Wild zu Schaden. Durch Qualitätssilage (früher erster Schnitt) dehnt sich die Haupt-Gefährdung heute auf den zweiten Schnitt aus. Weitere Gefahr droht frei lebenden Tieren auch auf Grünroggen- Flächen zur Silagebereitung – im Gegensatz zu normalem Getreide, bei dem durch die Ernte außerhalb der Brut- und Setzzeiten weniger Gefahren für Wildtiere bestehen, wird Grünroggen oft schon kurz vor dem ersten Gras geschnitten. Jede Ernte bis zur ersten Maiwoche gefährdet in erster Linie Junghasen, von späteren Schnitten bis Anfang Juni ist nahezu das gesamte Wild betroffen (Kitze, Fasanen-Gelege/Gesperre, Hasen) – und alle Bodenbrüter.

 

Leider bedeuten aber spätere Schnitte Qualitäts- und Ertragseinbußen und entsprechen nicht mehr den Grobfutter- Vorgaben für Hochleistungs-Rinder. Gelangen ausgemähte Kadaver ins Erntegut, kann das hochgiftige Botulinum- Toxin entstehen. Durch Futtervorlage mit Mischwagen kann dabei eine größere Zahl an Tieren vergiftet werden. Schon allein daher haben auch Landwirte ein hohes Eigeninteresse daran, bei der Ernte Mähverluste möglichst zu vermeiden.

 

Wie das Wild verscheuchen?

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Scheuchen mit akustischen Wildrettern können Rehe kurzzeitig von Wiesen fern halten. So kann ein Ausmähen von Kitzen verhindert werden.

Um Wild zu vergrämen, helfen u. a. abends vor der Mahd aufgestellte Rascheltüten und Flatterbänder. Zu frühes Aufstellen ist zu vermeiden, da Wild sonst zügig auf die Fläche zurückwechselt. Auch akustische Wildretter lassen sich schon am Vorabend an Scheuchen montieren. Dabei ist allerdings zu beachten, dass in Siedlungsnähe (Lärmschutz !) akustische Wildretter von der Bebauung weg eingesetzt werden. Die Haltbarkeit der Akkus beträgt 5 bis 6 Stunden, zum Nachteinsatz sollte man akustische Wildretter daher mit Intervallschaltungen versehen.


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Kostengünstige am Mähfahrzeug befestigte Warnsirenen (akust. Wildretter) sorgen ebenfalls für einen Vertreibungseffekt, funktionieren aber leider nicht bei sich drückenden Jungtieren und brütenden Fasanenhennen. Die Bauanleitung ist beim LJV erhältlich (Tel. 0231/2868600, E-Mail: info@ljv-nrw.de, www.ljv-nrw.de).


Absuchen hilft am besten

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Bei der Mahd selbst ist darauf zu achten, dass dem Wild die Möglichkeit gegeben wird, die Fläche sicher verlassen zu können, und es nicht durch das Mähen von außen nach innen in die letzte stehen gebliebene Bahn zusammengetrieben wird. Bei den modernen, immer breiter und schneller fahrenden Mähern ist das Mähen von innen nach außen – bei sehr großen Flächen größer 2,5 ha von einer Seite zur anderen unter Berücksichtigung einer Fluchtmöglichkeit des Wildes zur nächsten Dickung oder Deckung – eine der wenigen Möglichkeiten, den Wildtieren eine kleine Fluchtmöglichkeit durch den noch ungemähten Teil der Parzelle zu ermöglichen.

 

Das gilt insbesondere für Althasen und Dreiläufer, selbst Fasanenhennen können so ihre Küken noch in Sicherheit bringen. Eine im Jahr 2004 veröffentlichte Diplomarbeit der Uni Potsdam dokumentierte noch einmal, dass das Mähen von innen nach außen nach einer kurzen Einarbeitungszeit nicht zeit- und kostenintensiver als traditionelle Arbeitstechniken ist. Es ist allerdings dabei zu beachten, dass abgelegte Kitze durch diese alternative Arbeitstechnik nicht gerettet werden können. Ducken und Tarnen schützt zwar den Hasen und das Reh vor seinen natürlichen Feinden, aber nicht vor Erntemaschinen. Um die Kitze und andere Ducker vor dem Mähtod zu bewahren, müssen weiterhin am Abend vorher Scheuchen mit oder ohne akustischen Wildretter aufgestellt werden. Außerdem müssen die Flächen vor der Mahd mit einem brauchbaren Jagdhund mit oder ohne akustischen Wildretter abgesucht werden. Bei dieser Arbeit sollten sowohl der Hundeführer wie auch der brauchbare Jagdhund mit einem Gehörschutz ausgestattet sein.


Alternative Mäh-Verfahren

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Da die Rand- und Saumbereiche vor allem beim Wild besonders begehrt sind, lohnt es sich hier, die Nutzung zu überdenken. Die Möglichkeiten sind sehr vielseitig. Randstreifen, die nicht gerade im Schattenbereich von Bäumen liegen, könnten bei den ersten Schnitten stehen bleiben. Zum dritten Schnitt wäre dieses eher extensive Material noch geeignet, um in Form von Wickelballen strukturreiches Futter für die Jungvieh- und Trockensteher- Fütterung zu gewinnen.

 

Randstreifen, auf denen das Futter immer wieder mäßig wächst oder schlecht trocknet, bieten sich auch für dauerhafte Wildackermischungen an (z. B. WSM 3). Mehrjährige Rückzugs- und Saumflächen locken das wild lebende Tier aus der intensiv genutzten Fläche und entschärfen die Problematik beim Mähen in den nächsten Jahren.


Kurzfristiger Schutz

Blühende Feldränder sehen nicht nur schön aus. Sie sind eine echte ökologische Aufwertung, erhöhen die Artenvielfalt und fördern zusätzlich die Akzeptanz. Schon wenige, gezielt angelegte Blühstreifen mit blühenden Pflanzen vom Frühjahr bis zum Spätherbst helfen ihnen außerdem bei der Mähstrategie von innen nach außen, da sie die wild lebenden Tiere quasi anziehen.

 

Wo möglich, sollte auch eine Gliederung großer Ackerschläge mit Blühstreifen unter Nutzung von Förderprogrammen nachgedacht werden. Ansprechpartner zu Förderungsmöglichkeiten und weiteren Programmen sind die örtlich zuständigen unteren Naturschutzbehörden, Kreisstellen der Landwirtschaftskammer NRW, Stiftung Rheinische Kulturlandschaft (www.rheinischekulturlandschaft. de) und die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft (www. kulturlandschaft.nrw/web/stiftungwestfaelische- kulturlandschaft/).

 

Ohne die Schaffung und Erhaltung von Rückzugsräumen laufen Maßnahmen zur Rettung der wild lebenden Tiere ins Leere. Pflegen Sie gute Kontakte zwischen Jägern und Landwirten. Nur so können wir Wildtiere in freier Feldflur für nachfolgende Generationen erhalten und jegliche Kontamination des Futters mit getöteten Tieren vermeiden.

 

Wichtiger Hinweis: Gem. § 4 Abs. 1 Ziff. 5 des Landesnaturschutzgesetzes ist es verboten, bei der Mahd auf Grünlandflächen ab 1 ha von außen nach innen zu mähen, außer in stark hängigem Gelände.

 

Bestellmöglichkeiten: LJV NRW,

www.conrad.de, www.voelkner.de, www.digitalo.de, www.amazon.de/UnbekanntWILDRETTERBAUSATZ/dp/B00D5T554E


Langfristiger Schutz

Da Rand- und Saumbereiche bei Wild besonders begehrt sind, sollte man deren Nutzung überdenken – so können Randstreifen (nicht gerade im Schattenbereich von Bäumen) bei ersten Schnitten stehen bleiben. Zum dritten Schnitt wäre dieses eher extensive Material immer noch geeignet, als Wickelballen strukturreiches Futter für Jungvieh und Trockensteher zu gewinnen. Randstreifen, auf denen Futter immer wieder mäßig wächst oder schlecht trocknet, bieten sich auch für dauerhafte Wildackermischungen an (WSM 3). Mehrjährige Rückzugs-/Saumflächen locken Wildtiere aus intensiv genutzten Flächen und entschärfen Probleme beim Mähen in den nächsten Jahren.


Blühstreifen

Blühende Feldränder sehen nicht nur schön aus – sie sind echte ökolo gi sche Aufwertung, erhöhen die Artenvielfalt und fördern die Akzeptanz. Schon weni ge, gezielt angelegte Streifen mit blühenden Pflanzen vom Frühjahr bis Spätherbst helfen dazu beim Mähen von innen nach außen, da sie Wildtiere quasi anziehen. Wo möglich, sollte auch über eine Gliederung großer Schläge mit Blühstreifen unter Nutzung von Förderprogrammen nachgedacht werden. Ansprechpartner dafür und weitere Programme sind:

Ohne Schaffung und Erhaltung von Rückzugsräumen laufen Maßnahmen zur Rettung von Wildtieren ins Leere. Pflegen Sie gute Kontakte zu Landwirten. Nur so lassen sich Wildtiere in freier Feldflur für nachfolgende Generationen erhalten und Futterverunreinigungen mit Kadavern vermeiden.


Wichtiger Hinweis

Mit Veröffentlichung des Landesnaturschutzgesetzes NRW (24.11.2016) ist es gem. § 4 Abs. 1 Ziff. 5 verboten: „5. bei der Mahd auf Grünlandflächen ab 1 ha von außen nach innen zu mähen (außer stark hängiges Gelände)“.

recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_detail?sg=0&menu=1&bes_id=4910&anw_ nr=2&aufgehoben=N&det_id=397070

 

 


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BFI Kitzretter B0/37

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Der BFI-Kitzretter B0/37 verhindert die Ablage von Kitzen im Feld durch laute Signaltöne. Er lässt sich ergänzend zu Flattertüten verwenden und bringt Ricken dazu, Kitze aus Wiesen zu führen. Dazu beschallt ein Gerät etwa 5 ha eine Nacht lang. Da sich der Schall nur in eine Richtung ausbreitet, kann man die Geräte auch nah an der Bebauung aufstellen. Beim Fehlen von Jagdhunden kann man damit Flächen auch unmittelbar vor der Mahd im Zickzack ablaufen (Gehörschutz!). Die Batterie-Lebensdauer beträgt bei Dauerton etwa fünf, bei Intervall-Schaltung rund 80 Std. Das Gerät ist nicht wasserdicht (muss vor Regen geschützt werden) und wird mit einer handelsüblichen 9V Block-Batterie betrieben (nicht im Lieferumfang!)

www.bfi-elektronik.de

 


Modifizierter Kitzretter BFI B0/38

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Diese Alternative verhindert die Ablage von Kitzen im Feld durch laute Signaltöne „und“ blaues Blinklicht. Das zusätz liche Blinken vergrämt auch Sauen. Er kann am Waldrand aufgehängt werden, beschallt ebenfalls etwa 5 ha und verfügt über folgende Funktionen:

  • LED-Blinken im Intervall („10 Min. aus – 10 Sek. Blinken“)
  • LED-Dauerblinken
  • Signalton und LED-Blinken (Intervall)
  • Signalton und LED-Dauerblinken

www.bfi-elektronik.de


Akustische Wildretter richtig einstellen!

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Wussten Sie’s – der Ton an der Piezosirene lässt sich verändern. Bei Auslieferung der Bausätze ist er manchmal nicht richtig eingestellt – und hat dann wenig bis gar keine Wirkung auf Wildtiere. Nach Öffnung des Gehäusedeckels blickt man auf die grüne Steuerungsplatine (s. Foto).

 

Lösen Sie jetzt die drei kleinen Befestigungsschrauben und drehen die Platine vorsichtig um. Auf der braunen Unterseite befindet sich ein orangefarbener Drehschalter (Potentiometer). Mit einem kleinen Schraubendreher lässt er sich in zwei Richtungen drehen – der „richtige“ Ton zur Vertreibung liegt etwa bei Nordnordost. Schrauben Sie alle Teile wieder an und benutzen zum Testen und Einstellen Gehörschutz!


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