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RWJ 08/2018: Wildtierfreundliche Landwirtschaft

Wie man Landwirtschaft, Jagd und Artenschutz verknüpft

Die Exkursion im Rahmen eines Niederwild-Seminars, zu dem die KJS Warendorf und der WJSC einluden, führte ins Revier von Landwirt Richard Schulte.

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Der Landwirt und Jäger Richard Schulte (2. v. r.) stellte den Teilnehmern – darunter auch LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg – sein Konzept vor, r. Organisator Markus Degener.

Jagen, um zu schützen, erst kommt nicht „gefressen werden und dann erst schöner wohnen“ – so lautete das Motto eines Niederwildseminars in DelbrückWestenholz (PB). Der Schutz von Bodenbrütern funktioniert nicht ohne die intensive Bejagung von Raubsäugern wie Fuchs oder Hermelin. Diese Erkenntnis müsste sich in der Szene der Naturschutzverbände herumgesprochen haben. Wer eine andere Auffassung vertritt, sollte sich mit Dr. Marcel Holy unterhalten.

 

Der Biologe ist seit Jahren für die Naturund Umweltschutzvereinigung Dümmer in Niedersachsen tätig – unpopulär, aber unerlässlich. In dem 4 500 ha großen Schutzgebiet (FFH, Vogelschutz) wurden zum Schutz von Bodenbrütern wie dem Großen Brachvogel oder der Uferschnepfe Flächen wiedervernässt, Gehölze als Ansitzwarten für Greifvögel entfernt und Naturbauten von Füchsen zugeschaufelt – selbst im April/Mai. Trotzdem gingen die WiesenbrüterBestände weiter zurück. 2010 starteten probeweise heimische Jäger auf der Hälfte des Schutzgebietes mit der intensiven Reduktion der Raubsäuger – der Bruterfolg stieg deutlich. Deshalb wurde 2014 die Bejagung auf die Gesamtfläche ausgeweitet.

 

„Prädatorenmanagement ist eine Daueraufgabe“, betonte Holy, daher werde dort zukünftig ein Berufsjäger eingesetzt. Nicht die Strecke an sich zähle, sondern „wann“ die Füchse erlegt würden, erläuterte Christoph Hildebrandt, Leiter der Jagdschule des Landesjagdverbandes RheinlandPfalz. Wer die Fuchsdichte effektiv senken wolle, müsse den Welpenfang intensivieren, erklärte der Experte. Der Berufsjäger machte aber auch unmissverständlich klar: „Wir wollen den Fuchs nicht ausrotten.“

 

Kritische Worte

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Rund 100 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, diverse Fallentypen genau zu inspizieren.

Sind Jäger heute überhaupt noch den Aufgaben im Niederwildrevier gewachsen – bzw. bereit, diese zu leisten? Andreas Mohr (Rebhuhnhegering Wetterau/HS) sieht das durchaus kritisch: „Mir helfen viele grüne Autos und Jagdhornbläser draußen nicht, wenn im Revier keine entsprechenden Niederwildbestände erreicht werden.“ Früher sei Jagd eine Lebensaufgabe gewesen – und heute für viele Jüngere offenbar nur noch eine zeitlich begrenzte Freizeitbeschäftigung. So gerate die Jagd selbst politisch auf die Abschussliste. So gab es laut Mohr 2015 in Hessen Bestrebungen, den Schrotschuss abzuschaffen. Behauptet wurde weiter, es gäbe in unserem Nachbarland keine 4 000 Rebhühner mehr, und Wiesel seien vom Aussterben bedroht.

 

Daraufhin wurden die Jäger aktiv – vereinsübergreifend schlossen sich im Wetteraukreis mehr als 100 Reviere freiwillig zum RebhuhnHegering zusammen. Voraussetzung ist aktive Mitarbeit, es muss gezählt und kartiert werden. „Wir haben das Rebhuhn zum politischen Tier gemacht“, berichtete der Jäger. Neben lebensraumverbessernden Maßnahmen und ganzjähriger Fütterung findet das größte RaubwildbejagungsProjekt Hessens aktuell in der Wetterau statt. „Werden Sie aktiv“, appellierte Mohr an die NRWJäger. „Die Zukunft der Jagd wird sich am Niederwild entscheiden.“

 

Britta Petercord


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