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RWJ 03/2020: Gemeinsame Positionen von Jägern und Waldbauern

Wald und Wild gehören zusammen

Waldbauern und Jäger in NRW sind nach Stürmen, Borkenkäfer- und Trockenjahren gemeinsam in Sorge um die Zukunft des Waldes.

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Vereinbarten auf der Jagd & Hund das Positionspapier Wald und Wild gehören zusammen – v. l. die Vorsitzenden Max Frhr. v. Elverfeldt (Familien-betriebe Land und Forst NRW), Ralph Müller-Schallenberg (LJV NRW), Dr. Arno Becker (RVEJ), Dr. Philipp Frhr. Heereman (Waldbauernverband NRW) und Clemens Frhr. v. Oer (VJE).

Es besteht kein Zweifel, dass angesichts der anstehenden Wiederaufforstungsarbeiten der Wildbestand in diesen Bereichen reduziert und dazu auch finanzielle Hilfe durch das Land, etwa beim Einsatz jagdlicher Einrichtungen, geleistet werden muss“, heißt es in einem gemeinsamen Papier von Landesjagdverband, Waldbauernverband NRW, der Familienbetriebe Land und Forst NRW, der Rheinischen und westfälischen Verbände der Eigenjagdbesitzer und Jagdgenossenschaften.

Die Vorsitzenden Ralph Müller-Schallenberg, Dr. Philipp Frhr. Heereman, Max Frhr. v. Elverfeldt, Dr. Arno Becker und Clemens Frhr. v. Oer vereinbarten das Papier auf der Jagd & Hund. Darin erkennen die Verbände an, dass die Landesregierung die großen Herausforderungen im Blick und tatkräftige Unterstützung zugesagt hat und stellen folgende gemeinsame Positionen „in gelebter Eigenverantwortung und Solidarität“ fest:

 


1.

Im Hinblick auf die besondere potentielle Gefährdung von Baumpflanzen durch Rehwildverbiss sind die Jäger aufgerufen, die Bejagung zu intensivieren und ähnlich wirkungsvoll zu steigern wie nach dem Ausnahmesturm Kyrill oder beim Schwarzwild zur Eindämmung des Verbreitungsrisikos der ASP. Wir bekennen uns insofern auch zum Inhalt des sog. Waldpaktes (10. 12. 2019), als die Grundvoraussetzung für den Aufbau klimaangepasster Wälder ein Schalenwildbestand ist, der eine natürliche Verjüngung der Hauptbaumarten grundsätzlich ohne Schutzmaßnahmen ermöglicht. Zur Erzielung standortangepasster Mischwälder durch einen Baumartenwechsel wird in den meisten Fällen jedoch nicht auf Schutzmaßnahmen verzichtet werden können.

 

Durch eine alleinige Erhöhung des Abschusses wird das angestrebte waldbauliche Ziel nicht zu erreichen sein. Nur mit einer zielgerichteten und an den betroffenen Flächen ausgerichteten Bejagung sind die waldbaulichen Ziele zu erreichen. Der Wildbestand muss (auch nach den einschlägigen Bestimmungen) immer angemessen sein. Vereinbarungen zwischen Grundeigentümern und Jagdausübungsberechtigten über bestimmte Abschussquoten sind beim Rehwild immer und bei den anderen wiederkäuenden Schalenwildarten im gesetzlichen Rahmen möglich.

 


2.

Die gesetzlichen Jagdzeiten bieten Gestaltungsspielraum, v. a. soll die Jagdzeit auch auf weibliche Rehe und Kitze im September zur intensiven Bejagung genutzt werden. Eine Vorverlegung der Jagdzeit auf Bock und Schmalreh ab Anfang/Mitte April kann sinnvoll sein, allerdings nur in bestimmten Gebietskulissen (Waldregionen) gefährdeter und aufzuforstender Wälder, einem Ausnahmezeitraum von fünf Jahren, nur unter Berücksichtigung von Waidgerechtigkeit und Tierschutz und Einbeziehung der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung NRW. Neben dieser räumlichen und zeitlichen Begrenzung muss weiter im Einzelfall eine individuelle Behandlung möglich sein.

 


3.

Bund, Land und Kommunen sind aufgefordert, ihrer Vorbildfunktion für den Waldumbau gerecht zu werden und wissenschaftliche Lösungen aufzuzeigen. Artenvielfalt im Wald muss Sträucher und Krautpflanzen ebenso einschließen wie die Tierarten. Wald und Wild gehören zusammen.

 


4.

Direkt bei Wiederaufforstung oder Sukzession sind ausreichend Jagdschneisen einzuplanen, damit auch in den besonders kritischen Folgejahren die allseits geforderte intensive Bejagung erfolgen kann. Die Lage solcher Schneisen sollten von Waldeigentümern und Jagdausübungsberechtigten gemeinsam vor Ort festgelegt werden.

 


5.

In NRW sind bewährte Bejagungsstrategien zur Unterstützung landesweiter Wiederaufforstungsmaßnahmen seit Kyrill bekannt und beschrieben. Sowohl die Empfehlungen für die Wiederbewaldung der Orkanflächen in NRW (2007) als auch das Waldbaukonzept NRW (2018) als Umsetzungsprojekt im Rahmen der Klimaanpassungsstrategie Wald NRW enthalten wissenschaftlich basierte und praxiserprobte Handlungskonzepte, auf deren Basis auch die aktuelle Aufgabe gemeistert werden kann.

 


6.

Eine sachgerechte Besucherlenkung nach entsprechender Aufklärung der Bevölkerung darf kein Tabu sein, um die Ziele der Waldsicherung und Waldaufforstung zu erreichen.


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