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RWJ 05/2018: Gelebter Artenschutz in der Feldflur

Vorzeigeprojekt soll wachsen

Das Projekt Hegebeauftragter soll auf andere Landesteile ausgeweitet werden. Die ersten 18 Monate haben gezeigt, dass der Ansatz Erfolg verspricht, weil er auf Freiwilligkeit statt auf staatlichen Zwang setzt. In Appelhülsen (COE) wurde das Konzept Mitte April vorgestellt.

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Franz-Josef Schulze Thier (Vors. KJS Coesfeld), Clemens Frhr. v. Oer (VJE), WLV-Präsident Johannes Röring MdB, Bio-Landwirt Jan Spliethofe, LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg, Heinrich Lenfers (Vors. Landw. Genossenschaft), Hendrik Specht (Hegebeauftragter), Dr. Christian Schulze Pellengahr (Landrat Kreis Coesfeld), DJV-Präsident Hartwig Fischer und Heinrich Schürholz (Revierpächter) an einem Blühstreifen im Revier (v. l.). Das Bild im Vordergrund zeigt den Streifen in voller Blüte im vergangenen Sommer.

Rund ums Niederwild dominieren seit Jahren Hiobsbotschaften – Lebensraumverlust, schwindende Besätze und abgesagte Treibjagden. Im Münsterland will man sich damit nicht abfinden. In der Niederwild-Hochburg wird seit anderthalb Jahren ein vielversprechender Ansatz erprobt. Erste Ergebnisse sah sich DJV-Präsident Hartwig Fischer im April an. Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) rief 2016 zusammen mit LJV, dem Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer und der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft den „Hegebeauftragten für das Münsterland“ ins Leben.

 

Beteiligte müssen profitieren

Allen Beteiligten war von Beginn an klar, dass Niederwildhege nur funktionieren kann, wenn Bauern und Jäger Hand in Hand arbeiten – und beide Seiten davon profitieren. Es gibt genügend Pächter, die hegen möchten und ebenso viele Landwirte, die sich an Hegemaßnahmen beteiligen wollen. Dazu existieren sogar zahlreiche Finanztöpfe, in denen ausreichende öffentliche Mittel für lebensraumverbessernde Maßnahmen zur Verfügung stehen. Allerdings ist diese Förderlandschaft unübersichtlich und die Beantragung mühsam. Hier setzt das Projekt an: Der Hegebeauftragte Hendrik Specht, kennt alle Fördertöpfe und kann entsprechende Anträge stellen. Der Landschaftsökologe hat einen Blick dafür, welche Maßnahme an welchem Standort möglich und sinnvoll ist. Dabei achtet er etwa darauf, dass Blühstreifenmischungen keine Probleme auf angrenzenden Äckern verursachen. Dass Specht selbst aus der Landwirtschaft stammt, hat ihm bei den Bauern viele Türen geöffnet.

 

„Hendrik spricht die Sprache der Bauern und konnte so das nötige Vertrauen für die Zusammenarbeit aufbauen“, betonte Revierpächter Heinrich Schürholz, der gemeinsam mit James Brenningmeyer auf etwa 460 ha in Appelhülsen jagt. Sie waren mit die ersten Pächter, die sich für das Projekt interessierten. Die Anregung kam damals von Heinrich Lenfers, dem Vorsitzenden der örtlichen Agrar-Genossenschaft, der einen Vortrag mit Specht organisierte und so den ersten Kontakt herstellte. DJV-Präsident Hartwig Fischer betonte bei der Besichtigung, dass die Gesellschaft Ertragsausfälle von Landwirten bei Hegemaßnahmen übernehmen müsse, denn schließlich kämen die Maßnahmen der Gesellschaft zugute.

 


Ausweitung auf Ostwestfalen und Rheinland geplant

LJV-Präsident Ralph Müller-Schallenberg deutete an, dass das Projekt fortgesetzt und zudem auf das Rheinland und Ostwestfalen-Lippe ausgeweitet werden soll. Der Rheinische Bauernverband und das NRW-Umweltministerium hätten bereits Wohlwollen signalisiert, die Gespräche liefen aber noch. Die Finanzierung solle über die Jagdabgabe erfolgen. Er betonte, dass Freiwilligkeit besser als staatlicher Zwang sei und dieses Projekt genau aus diesem Grund funktioniere.

 

 


Hecke, Blühstreifen, Acker

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Blühstreifen zwischen Hecken und landwirtschaftlicher Nutzfläche beanspruchen wenig Fläche und bieten Deckung und Äsung fürs Niederwild. Fotos: F. Höltmann

Specht kombiniert gerne Hecken und Blühstreifen neben Ackerflächen, die nach der Ernte idealerweise eine Zwischenfrucht aufweisen. Bei wenig beanspruchter Fläche wird so dennoch ein hoher Nutzen erzielt – Äsung und Deckung sind beieinander, Fasan- und Rebhuhnküken finden Käfer. In den von der Landwirtschaftskammer vorgeschriebenen Saatgutmischungen finden sich 24 verschiedene Pflanzen wie Klee, Waldstaudenrogge, Phacelia, Markstammkohl oder Sonnenblumen. Altgrasstreifen bieten Hasen im Frühjahr gute Deckung.

 

Glücklicherweise kann man sich für zwei Jahre von der Mulchverpflichtung befreien lassen. In dieser Zeit ist Deckung vorhanden. Danach muss man die Flächen aber zumindest einmal schlegeln. „Doch die schönste Lebensraumaufwertung hilft dem Rebhuhn nicht, wenn es vorher gefressen wird“, erklärt Specht. Deshalb sei auch eine scharfe Raubwildbejagung unabdingbar. Der Verband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer hatte dies zum Anlass genommen und im vergangenen Jahr mehrere Betonrohrfallen für die beteiligten Reviere zur Verfügung gestellt.

 

Felix Höltmann


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