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RWJ 10/2021: Wiesenvogel-Projekt in der Medebacher Bucht kommt nicht in die Pötte ...

Vogelschutz benötigt Jagd

Wiesenvogelschutz lässt sich nicht allein durch die Optimierung des Lebensraums erreichen. Im EU-Vogelschutzgebiet Medebacher Bucht (HSK) arbeitet man daher an einem Prädatorenmanagement, um Höhlen- und Bodenbrüter zu schützen.

Naturschutz

Ohne effektives Prädatorenmanagement werden Rebhuhn und Kiebitz verloren gehen – auch in bedeutenden Schutzregionen in NRW.

Offensichtlich genügt es nicht, einen Lebensraum zu optimieren, um schützens-werte Vogelarten in ihrem Bestand zu fördern. Dies zeigt sich in der Praxis
immer wieder, aktuell in der Medebacher Bucht im östlichen Hochsauerlandkreis unmittelbar an der Grenze zu Hessen. Das dort 2004 ausgewiesene gleich-
namige EU-Vogelschutzgebiet (VSG) ist mit rund 14 000 ha das viertgrößte in NRW. Trotz umfangreicher Bemühungen, den dortigen Lebensraum zu erhalten und durch zahlreiche Maßnahmen zu optimieren, ist es bisher dort nicht gelungen, den Rückgang der zu schützenden Vogelarten zu stoppen.

In dem im Mai 2019 verabschiedeten Vogelschutz-Maßnahmenplan wurde daher auch die Etablierung eines Prädatorenmanagements vorgeschlagen. Denn es gibt Hinweise darauf, dass die Prädation durch Raubsäuger und andere Arten einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Rückgang zahlenmäßig bereits geschwächter Vogelarten hat.

 

Konzept ist genehmigt

Naturschutz

Ziel einer Info-Veranstaltung Mitte September in Hallenberg war es, alle Beteiligten (besonders Revier- und Jagdscheininhaber ) über das geplante Prädatorenmanagement zu informieren.

Das Grobkonzept stellte Berufsjäger Christian Lintow vor. Demnach würden die Reviere aufgrund des Vorkommens an Rebhühnern (Leitart einer länder über-greifenden Initiative) in drei Kategorien unterteilt und entsprechend mit Betonrohr- bzw. Holzkastenfallen aus gestattet. Insgesamt würden, so Lintow, rund 180 Fallen benötigt, die dann möglicherweise von einem Berufsjäger betreut würden. Nach sechsjähriger Erfahrung in einem Birkhuhn-Projekt in der Rhön konnte Lintow die mögliche Sorge von Revierinhabern entkräften – so ein Berufsjäger störe nicht, wichtig sei allerdings, dass er das Vertrauen der Revierinhaber genieße. „Das Konzept für das Prädatorenmanagement wurde bereits genehmigt“, informierte Alfons Brocke, Ansprechpartner der Arbeitsgruppe Prädatorenmanagement im VSG Medebacher Bucht. Noch offen sei die Finanzierung – immerhin werden für die Berufsjägerstelle rund 70 000 € veranschlagt und für die Fallen noch einmal rund 200 000 €.

Dazu soll das Vorhaben in ein geplantes Naturschutzgroßprojekt eingebunden werden – dessen Realisierung nimmt allerdings noch zwei bis drei Jahren in Anspruch.

Doch die Zwischenzeit wird genutzt. So wurden bereits vier Fangjagdlehrgänge mit rund 60 Teilnehmern veranstaltet, gestartet ist zudem bereits ein dreijähriger Fallentest. In fünf Revieren soll herausgefunden werden, welche Modelle sich mit Blick auf Zuverlässigkeit, Handling, Effizienz und Montage am besten eignen, erläuterte Berufsjäger Karim Abassi.

Getestet würden dabei auch verschiedene Fangmelder, zudem soll das Projekt digital organisiert werden.

 


Erfahrungen vom Dümmer

Seit 2010 sammelt man im Natura 2000- Gebiet Dümmer (Landkreis Diepholz/NS) umfangreiche Erfahrungen zum Prädatorenmanagement.

Seit 2018 stellt dort ein Berufsjäger Raubwild und Nutrias mit Fallen und Waffe nach, seit 2020 gibts dort sogar eine erste BerufsjägerAusbildungsstelle im Artenschutzbereich. „Ein Zukunftsmarkt“, ist Dr. Marcel Holy (Mitarbeiter der Natur- und Umweltschutzvereinigung Dümmer) überzeugt.


Um beim Wiesenvogelschutz Erfolge zu erzielen, sei der Lebensraum zwar wichtig, aber ebenso eine intensive und großräumige Bejagung.

Noch eine Erfahrung wurde am Dümmer in diesem Frühjahr gemacht – „Nachrück-Effekte“ durch andere Arten, die Aufzuchterfolge zunichtemachen: Durch die Ausstattung von Küken mit Peilsendern konnte man nachweisen, dass mehr als die Hälfte (!) der besenderten Küken von Rohrweihen, Mäusebussarden und Turmfalken aufgefressen wurden. Beim Rebhuhn spiele auch der Habicht eine Rolle, ergänzte Holy. Der Naturschutz reagiert darauf mit dem Entfernen „vertikaler Strukturen“, sprich der Fällung von Bäumen und Gehölzen, die Greifen als Horstbäume und Ansitzwarten dienen !

Fazit der Veranstaltung: Wiesenvogelschutz ist ganz offenbar komplexer als oft gemeint. Bezogen auf das Prädatorenmanagement kam Holy zum Fazit: „Es gilt durchzuhalten – das ist eine Daueraufgabe !“

Britta Petercord


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