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RWJ 09/2019: Serie: Ausgezeichnete Biotophege-Projekte

Vielfalt in der Agrarlandschaft

Fünf Projekte bewarben sich um den Biotophegepreis 2019. In einer kleinen Serie stellen wir die Projekte vor, heute zeigen wir die Eigenjagd der Familie Schulze Stumpenhorst bei Neubeckum (WAF).

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Der konventionelle landwirtschaftliche Betrieb ist Teil des NRW-weiten Netzwerks Leitbetriebe Biodiversität.

Lothar Schulze Stumpenhorst ist es gelungen, sein Revier mit Biotopen zu vernetzen. Heute sind dort viele Tierarten heimisch und auch der Rückgang der Niederwildbestände ist kaum zu spüren. Das Projekt zeigt, dass intensive Landwirtschaft und Naturschutz nebeneinander betrieben werden können. Das Revier erstreckt sich über 106 ha. Die Kombination langfristig angelegter Hecken und Tümpel in Verbindung mit wechselnden Strukturen auf angrenzenden Ackerflächen machen die Besonderheit aus. Die Eigenjagd ist Teil eines konventionell wirtschaftenden Betriebs mit Ackerbau, Schweinemast und Sauenhaltung.

 

 

Uferrandstreifen

Entlang der Gewässerlinien wurden auf 16 ha Uferrandstreifen angelegt. Sie wurden größtenteils mit einer Breite von 30 m angelegt – nahezu optimale Wanderkorridore, Brutplätze und Nahrungsquellen für viele Arten. Auf den Flächen hat sich ein gräserbetonter Bestand entwickelt, auch charakteristische Arten wie der Wiesenbocksbart bereichern den Aufwuchs. Zur Optimierung der Maßnahmen trägt die Staffelmahd bei. Dadurch sind im Jahresverlauf unterschiedlich hohe Aufwüchse vorhanden. Für Wildtiere werden so neben zusätzlicher Deckung auch Bereiche zum Trockenlaufen geschaffen.

 

 


Anbau vielfältiger Kulturen

Hinzukommend wird die Agrar- Umweltmaßnahme (AUM) „Vielfältige Kulturen“ umgesetzt. Voraussetzung dafür ist ein Leguminosenanteil von mindestens 10 Prozent der Ackerfläche. Dieser wird durch den Anbau von Ackerbohnen umgesetzt.

 

 


Blühstreifen und Blühflächen

Im südlichen Teil des Reviers erfolgte die Anlage von Blühflächen und Pflegebrachen. Die Ansaat der Blühflächen liefert vielen Heckenvogelarten ein zusätzliches Nahrungsangebot. Im nördlichen Teil des Reviers – mit direktem Bezug zum Offenland – bietet die Anlage eines Ernteverzichtsstreifens und der extensive Getreideanbau Feldlerche, Kiebitz oder Rebhuhn wichtigen Lebensraum. Schwarzbrachen, auf denen sich eine natürliche Vegetation einstellt, sind ein weiterer Baustein. Mit dem LANUV wurden alternative Einsaatmischungen abgestimmt. Die Mischungen sind grasfrei und beinhalten mehrjährige Wildpflanzen in Kombination mit blühenden Kulturpflanzen und typischen Äsungspflanzen für das Niederwild.

 

 


Pflegemanagement

Gerade im Winter ist es entscheidend, die Streifen nicht zu mulchen. Wenn eine Pflegemaßnahme erfolgen muss, wird diese auf den Blühflächen überwiegend im Februar/März durchgeführt. So verbleiben die Samen über den Winter auf der Fläche und dienen als Nahrung. Wichtig ist auch dabei die Staffelmahd, im Winter müssen die Arten der Feldflur Deckung in den Streifen finden können.

 

 


Blühschneisen im Maisacker

Auf dem Betrieb werden seit 2018 auch Biodiversitäts- und Bejagungsschneisen angelegt. Dazu werden um die Maisflächen herum auf 0,5 ha blühende Streifen eingesät.

 

 


Wildacker

Zusätzlich werden noch 2 ha Wildacker mit Topinambur angelegt. Im Frühjahr dienen dessen schmackhafte Wurzeln zur Äsung, im Sommer und Winter bietet er Deckung.

 

 


Landschaftselemente

Entlang der Gewässerlinien wurden Hecken angelegt. Sie bieten Schutz und Nahrung und gliedern das Revier. Die Hecken wurden durch die Pflanzung von 20 Wildapfelbäumen und 10 Wildbirnen ergänzt. Am Hof wurden Streuobstwiesen angelegt und durch die Einsaat einer artenreichen Wildpflanzenmischung ergänzt. Bemerkenswert ist auch die Anlage von 13 Tümpeln, drei davon im Rahmen eines Ökokontos. Sie tragen essenziell zur positiven Entwicklung der Arten bei und befinden sich größtenteils im Übergangsbereich von Wald zu Acker.

 

 


Wald

Zudem konnte ein alter Fichtenbestand (4 ha) gerodet und mit Eichen bepflanzt werden. Nach dem großen Eschensterben wurden 2 ha mit Flatterulmen aufgewertet. Diese Art ist robust und entwickelt sich auch an nassen Standorten sehr gut.

 

 


Artenvorkommen im Revier

Beobachtungen zeigen, dass in guten Jahren über 100 Hasen, 50 Fasanen- Hähne, 25 Wildkaninchen und ein sehr guter Rehbestand anzutreffen sind. Besonders die Schwarzbrachen leisten dazu einen wertvollen Beitrag. 71 Vogelarten (!) konnten auf den Ackerflächen und angrenzenden Waldrändern nachgewiesen werden. Besonders zahlreich vertreten sind dabei typische Arten, die in Hecken zu finden sind – Grasmücken, Heckenbraunellen und Goldammern. Ebenfalls vergleichsweise häufig sind Fasane, diverse Drosseln und Sumpfrohrsänger vertreten, seltener treten Bluthänfling, Stieglitz und Feldsperling auf. Besonders bemerkenswert sind die Vorkommen von Baumpieper (2), Neuntöter (4), Schwarzkehlchen (Brutverdacht), Feldschwirl (Brutverdacht), Turteltaube (Brutzeitnachweis) und Wachtelkönig (rufender Durchzügler).


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