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RWJ 07/2021: Energiepflanzenanbau und Biodiversität im Einklang

Umsetzungsstarkes Naturschutz-Projekt zeigt Erfolge

Ansprüche und Erwartungen an landwirtschaftliche Flächen sind enorm, besonders in Regionen mit Tierhaltung und Biogaserzeugung wird es immer schwieriger, Flächen zur Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen zu finden. Dass sich Energiepflanzenanbau und biologische Vielfalt keineswegs ausschließen müssen, stellte die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft mit einem Modellprojekt unter Beweis.

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Blütenvielfalt statt Mais-Wüsten – auch so können landwirtschaftliche Flächen zur Erzeugung von Biomasse für Biogasanlagen aussehen !

Das Vorhaben Energiepflanzenanbau und Biodiversität – Landwirte ackern zur Förderung der Biodiversität im Münsterland wurde seit 2015 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

 

Auf der Abschlussveranstaltung Mitte Juni bei Münster stellte das Projektteam Lösungsansätze vor, wie Biogas erzeugt und gleichzeitig die biologische Vielfalt gefördert werden kann. Daran nahmen auch BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel und NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser teil.

 

Beate Jessel: „Vom dramatischen Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland sind überproportional relativ häufig Bestäuberarten wie Schwebfliegen betroffen. Vermindert sich die Bestäubungsleistung, sind davon massive Auswirkungen auf unsere Landwirtschaft wie auch unser aller Wohlergehen zu erwarten. Die Kooperation von Naturschutz und Landwirtschaft kann ein Weg sein, über den sich die notwendigen naturverträglichen Bewirtschaftungsformen erreichen lassen. Das Projekt hat durch die Zusammenarbeit mit Landwirtinnen und Landwirten das Bewusstsein
für den Wert der biologischen Vielfalt gestärkt und zur Akzeptanz von Naturschutzmaßnahmen beigetragen. Wir müssen jedoch von der Einzelmaßnahme und vom Einzelprojekt breit in die Fläche kommen, und hier spielen neben der Kooperation von Naturschutz und Landwirtschaft die Weichenstellungen durch die europäische und nationale Agrarpolitik eine entscheidende Rolle.“

 

NRW-Umweltministerin Ursula HeinenEsser lobte das erfolgreiche Leuchtturmprojekt. Der Ansatz des Projektes zeige, dass produktionsintegrierter Naturschutz gemeinsam mit der Landwirtschaft großes Potenzial biete:
„Die Stiftung eignet sich in ihrer Funktion an der Schnittstelle zwischen Landwirtschaft und Naturschutz besonders zur Umsetzung und Weiterentwicklung praxisorientierter Lösungsansätze. Denn wir müssen mit unseren Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt, besonders zum Schutz blütenbestäubender Insekten wie Schmetterlingen, Wildbienen und entsprechenden Käferarten in die Fläche kommen.“

 

Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft, Hubertus Beringmeier, zeigte sich erfreut über die Erfolge und die Resonanz:
„Die Bereitschaft der Landwirte, am Projekt teilzunehmen, war hoch und hat im Verlauf stetig zugenommen. Dank praktischer Erfahrungen der Landwirte konnten die Maßnahmen im Verlauf des Projektes optimiert werden.“

 

Das große Engagement der Landwirte und ihre Bereitschaft, neue Wege zu beschreiten, hatte dem Projekt 2017 und 2019 die Auszeichnung UN-Dekade-Projekt Biologische Vielfalt eingebracht.

 

Die Stiftung Westfälische Kulturlandschaft setzte sich mit dem Modellprojekt das Ziel, biodiversitätsfördernde Maßnahmen zu erproben, die zukunftsfähig und praxistauglich sind. Gemeinsam mit etwa 40 landwirtschaftlichen Betrieben wurden verschiedene Maßnahmen auf einer Fläche von 230ha umgesetzt – mehr als 320 Fußballfelder groß.

 

Zu produktionsintegrierten, also in den Betriebsablauf passenden Maßnahmen zählen etwa mehrjährige Blühflächen, ein gemeinsamer Anbau von Stangenbohnen, Mais oder Getreide mit bestäuberfreundlichen Blühpflanzen wie Wicken. Das begleitende Monitoring machte die Erfolge deutlich: So wurden in einjährigen Blühflächen/-streifen zur Biogasproduktion im Mittel etwa 30 Tagfalterindividuen kartiert, dagegen in reinen Maisbeständen nur zwei Individuen.

 

Das Projekt ist Teil des vom Deutschen Bauernverbands koordinierten Verbundprojekts Lebendige Agrarlandschaften – Landwirte gestalten Vielfalt! Es erprobte in drei Modellregionen (Münsterland, Mosel, Rheinland), wie Artenvielfalt in unterschiedlichen Agrarlandschaften gefördert werden kann. Neben der Stiftung Westfälische Kulturlandschaft beteiligten sich daran der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau, die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft und das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung.

 

Hintergründe: Das Projekt Energiepflanzenanbau
und Biodiversität im Münsterland
wird über sechs
Jahre bis Juni 2021 im Bundesprogramm Biologische Vielfalt
durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln
des Bundesumweltministeriums und die Landwirtschaftliche
Rentenbank gefördert. Es ist Teil des Verbundprojektes
Lebendige Agrarlandschaften – Landwirte gestalten
Vielfalt!
Weitere Info: www.kulturlandschaft.nrw

 

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