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RWJ 01/2021: Aus gesundheitlichen Gründen

Tiroler Jäger retten Rehe auf Skiern aus Tiefschnee

Anfang Dezember schneite es im Sellraintal so stark wie seit 1910 nicht mehr. Über 125 cm Neuschnee fielen innerhalb von 36 Stunden und brachten mehrere Rehe in Lebensgefahr. Nur ein mutiger Einsatz rettete sie. Von Lukas Ruetz.

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Der starke Schneefall überraschte die Rehe und brachte sie in Lebensgefahr. Da Alpentäler oft dicht besiedelt sind, wird dem Wild der natürliche ­Abstieg in die Flussauen verwehrt. Fotos: J. Pattis

Im Winter sind die Rehe des Sellraintales nur unterhalb der Waldgrenze anzutreffen. Doch in diesem Jahr hatte es bis Anfang Dezember kaum geschneit. Das Rehwild hielt sich noch auf der Zirmbachalm (1 800 m) auf, als es von einem unglaublichen Schneefall überrascht wurden. Innerhalb von 36 Stunden schneite es 125 cm.

 

Eingeschneit

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Von Freitagabend bis Sonntagfrüh fielen im Sellraintal 125 cm Neuschnee. So viel wie seit 110 Jahren nicht mehr.

Mehr als genug für die kleinen Wiederkäuer, um im tiefen, lockeren Neuschnee festzustecken und gefangen zu bleiben. Am Abend des 7. Dezember entdeckten die ersten Jäger die Rehe. Anton Steuxner, Jagdpächter des Reviers Zirmbachalm: „Die Rehe konnten weder vor noch zurück. Manche waren durch den Kampf mit den Schneemassen derart erschöpft, dass sie kaum ein Lebenszeichen mehr zeigten.“

 


Die Bergung der Tiere

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Dieses Kitz war so geschwächt, dass es sich nicht mehr fortbewegen konnte.

Die Jäger Anton Steuxner, Wolfgang Holzer und Erich Prantl rückten am Dienstagmorgen mit Clemens und Lukas Ruetz auf Tourenski aus, um sechs Geißen, Böcke und Kitze lebend zu bergen.

 

„Bei den Schneemassen war die Rettung der sechs Tiere im Grunde eine leichte Aufgabe,“ sind sich die beiden „Reh-Bergretter“ Clemens Ruetz, Jagdaufseher des Reviers St. Sigmund und sein Bruder Lukas einig.

 

„Die Tiere kamen kaum voran und einige schienen auf ihre Rettung gewartet zu haben. Nur die Spurarbeit mit den Tourenski durch den metertiefen Neuschnee stellte eine konditionelle Herausforderung dar. Mit vereinten Kräften aller Beteiligten konnten wir die Rehe zur eineinhalb Kilometer entfernten und 300 Höhenmeter tiefer gelegenen Wildfütterung bringen – wo der Schnee tags zuvor mit einer Helfertruppe niedergetreten wurde.“

 


Dem sicheren Tod geweiht

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Jagdpächter Anton Steuxner mit einem der geretteten Böcke.

Ruetz findet klare Worte zum Schicksal der Tiere: „Für die Rehe hätte die Gefangenschaft im weißen Verlies den sicheren Tod bedeutet. Unsere Aufgabe als Jäger ist nicht nur die Reduktion und die Erhaltung des Wildbestandes im Sinne einer ökologischen Ausgewogenheit, sondern vor allem auch die Hege des Wildes. Die Jagd ist ein essentieller Teil unserer Gesellschaft und Kulturlandschaft – verantwortlich für die Versorgung von Wildtieren die durch die extrem dichte Besiedelung des Alpenraumes nicht mehr in ihre ursprünglichen Winterlebensräume in den früheren Auenlandschaften der tiefen Täler abwandern können. Die Alpen sind in den Tälern teilweise so dicht besiedelt wie die großen Ballungszentren Europas.“

 


Dringender Appell an Skifahrer

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Jagdaufseher Clemens Ruetz bei der anstrengenden Bergung eines Bockes.

Der passionierte Tierfreund richtet auch einen dringenden Appell an alle Wintersportler und Naturliebhaber:

 

„Die derzeit großen Schneemengen in Teilen Tirols bedeuten eine drastische Lage für unsere Wildtiere! Ruhe ist jetzt das A und O. Bitte nehmt Abstand von Wildfährten im Schnee und beachtet lokale Wildruhezonen. Fütterungsgebiete sollen unbedingt großräumig umgangen werden.“ Wer auf Wild triff, soll am besten ruhig stehen bleiben und abwarten – keinesfalls die Tiere verfolgen. Wildbergungen sind Profis vorbehalten. Sollte jemand ein Wildtier in einer echten Notlage entdecken, meldet man das am besten im nächsten Gemeindeamt oder bei der Polizei. Von dort aus wird das Jagdschutzpersonal informiert.

 


Glückliches Ende

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Den Rehen wurden die Augen mit einem T-Shirt bedeckt, damit sie beim Transport ruhig blieben.

Inzwischen konnten die Tiere regelmäßig und wohlauf im Nahbereich der Fütterung gesichtet werden. „Im nächsten Frühling werden sie sicher wieder in ihren Sommer- und Herbstlebensraum bei der Zirmbachalm zurückkehren können. Dann hoffentlich ohne einen Wintereinbruch diesen Ausmaßes.“, resümiert die gesamte Truppe abschließend.

 

Lukas Ruetz

 

 


Der Autor Lukas Ruetz ist Bergsteiger und Blogger (www.lukasruetz.at). Sein Bruder Clemens ist Aufsichtsjäger im Revier St. Sigmund unterhalb des Skigebietes Kühtai. Ihre Familie betreibt den Alpengasthof Ruetz in St. Sigmund im Sellraintal. Wer die Jagd in einem hochalpinen Alpental kennenlernen möchte, kann sich mit den Brüdern – ggf. über die Redaktion – in Verbindung setzen.


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