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RWJ 12/2020: Neuer Landrat spricht sich für Entnahme aus

Pony von Wolf gerissen

In Kirchhellen (NRW) ist ein Shetland-Pony am 25. Oktober auf einer Koppel tot aufgefunden worden. Ein Wolfsriss war aus mehreren Gründe naheliegend. Nun liegt eine offizielle Bestätigung des Senckenberg-Instituts vor: Es war ein Wolf.

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Ein gerissenes Pony.

Nur wenige Meter vom Hof entfernt standen zwei Ponies aus einer Koppel bei Bottrop-Kirchhellen am Nordrand des Ruhrgebiets. Am späten Abend des 25. Oktobers wurden die Besitzer vom lauten Wiehern der Tiere geweckt. Da dies absolut ungewöhnlich ist, verließen sie das Haus um nachzusehen. Als sie die Koppel mit einer starken Taschenlampe ausleuchteten, sahen in der Dunkelheit sie zwei orange-leuchtende Augenpaare, die daraufhin im angrenzenden Wald verschwanden. Eines der beiden Kleinpferde hingegen war tot. Für die Halter und den herbeigerufenen Tierarzt war schon damals klar, dass es sich bei den Angreifern um Wölfe gehandelt haben musste.

 

 

Wolf als Angreifer identifiziert

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Die Wölfin (l.) hat den Zaun überwunden und steht im Gatter, der Rüde (r.) wartet davor.

Mittlerweile hat das Senckenberg-Institut bestätigt, dass das Tier eindeutig von einem Wolf gerissen wurde. Es ist damit der erste bestätigte Riss eines Ponys durch einen Wolf in Nordrhein- Westfalen. Das Tier wurde im Bereich der Keulen angeschnitten, wie aus einem Protokoll hervorgeht, das dem RWJ vorliegt.

 

Die Weide war durch einen stromführenden Zaun in Höhe von 80 bzw. 120 cm geschützt. Den Vorgaben zum Wolfsschutz erfüllt dieser Zaun damit nicht. Er war allerdings an einigen Stellen zusätzlich mit Stacheldraht verstärkt.

 

Aufnahmen einer Wildkamera einer benachbarten Koppel zeigen, dass die Wölfe an besagtem Abend in Bottrop-Kirchhellen auf eine eingezäunte Pferdekoppel gelangten.

 

Die beiden Wölfe sind dort offensichtlich gestört worden und zogen unverrichteteer Dinge ab. Minuten später wurde das Shetlandpony in der Nähe der Koppel gerissen. Dem LANUV sind die Materialien bekannt.

 


Wolfsgebiet Schermbeck

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Ein Island-Pony fixiert den Wölfsrüden außerhalb des Weidezauns, die Wölfin ist nicht mehr zu sehen.

Die Region am Nordrand des Ruhrgebiets gehört zum Wolfsgebiet Schermbeck. Immer wieder sind dort, vor allem im Kreis Wesel, Nutztierrisse einer standorttreuen Wölfin zugeordnet worden. Sie ist dafür bekannt, auch als wolfssicher geltende Zäune zu überwinden. Mittlerweile wird sie von einem mit ihr verwandten Rüden begleitet.

 

 


Neuer Landrat für Abschuss

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Die Koppel, auf der die Shetland-Ponies standen, grenzt direkt ans Wohnhaus der Besitzer. Fotos(4): E. Vornbrock

Anträge zur letalen Entnahme der Wölfin wurden bislang stets abgewiesen. Zuletzt hatte der frühere Landrat des Kreises Wesel, Ansgar Müller (SPD), eine Tötung der Wölfin nach Rücksprache mit dem LANUV abgelehnt.

 

Der neue Landrat des Kreises Wesel, Ingo Brohl (CDU), hatte bereits im Wahlkampf eine andere Vorgehensweise angekündigt.

 

Nach seinem Amtsantritt sagte er, dass es sich um eine Problemwölfin handele und er eine Abschuss befürworte, sofern er rechtlich möglich sei.

 

Für diese Aussage war er unter anderem vom NABU scharf kritisiert worden. Brohl argumentierte hingegen, dass sein Vorgänger eine sachliche Debatte erschwert hätte, indem er die Wölfin vermenschlicht und ihr den Namen Gloria von Wesel gegeben hatte.

 

Felix Höltmann


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