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RWJ 09/2019: Zur Welt-Artenschutz-Konferenz in Genf

Öffentlichkeit wird getäuscht

Ende August wurde in Genf über das Washingtoner Artenschutzübereinkommen über den Handel mit wilden Tieren und Pflanzen (CITES) verhandelt. Einige Länder im südlichen Afrika wollten dabei Handelsrestriktionen für Elfenbein, Nashorn und Jagdtrophäen lockern. Tierschützer sind dagegen. Der DJV sprach mit dem Dokumentarfilmer und Biologen Dr. Klaus Sparwasser über Forderungen der südafrikanischen Länder und das Verhalten der NGOs.

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Neben Elfenbein ist auch Nashorn eine begehrte Beute von Wilderern. Legalisiert man den Handel – so eine Überlegung – würde der Wilderei der Boden entzogen.

DJV: Mit den Erfahrungen, die Sie in den vergangenen Jahren haben sammeln können – wie nehmen sie die Berichterstattung hierzulande wahr?

 

Dr. Sparwasser: Das Fortbestehen des Problems dient in erster Linie dem Geschäftsmodell vieler NGOs, die den Gedanken einer nachhaltigen Nutzung von Wildtieren strikt ablehnen. Dummerweise sind jedoch gerade die afrikanischen Länder im Naturschutz besonders erfolgreich, die zu mindestens eine teilweise nachhaltige Nutzung erlauben. Natürlich sind manche Konzepte zu hinterfragen, doch solange die lokale Bevölkerung von den Wildtieren, die ja im Grunde ihnen gehören, keinen ökonomischen Vorteile hat, sind alle Verbots-Konzepte zum Scheitern verurteilt. Darin steckt eine gehörige Portion alten Kolonialdenkens und eine gewisse Überheblichkeit der westlichen Nationen, die nach wie vor Afrika als eine Art Spielplatz unsere gesättigten Industrie-Zivilisation sehen. Dabei wissen die Menschen in Afrika sehr gut, wie sie mit ihren Ressourcen umzugehen haben, wenn man ihnen die Verantwortung dafür überlässt. Es gibt genug Projekte, die das gezeigt haben. Es ist tatsächlich zu hinterfragen, inwieweit nachhaltige Lösungen überhaupt erwünscht sind, oder ob es nicht viel mehr darum geht, ein erfolgreiches Geschäftsmodell für die Zukunft zu erhalten. Dabei wird immer wieder kolportiert, dass die Jagd zum Beispiel für den Niedergang vieler Tierarten verantwortlich ist. Das ist ausgemachter Unsinn. Botswana zum Beispiel beherbergt nach der letzten offiziellen Zählung 130 000 Elefanten, (...) als es kürzlich ankündigte, das seit sechs Jahren bestehende Jagdverbot aufzuheben, ging ein Aufschrei um die Welt.

 

DJV: … der in in den Medien nach wie vor akut und präsent ist. Aufgrund der Aufhebung des Verbots werden hierzulande sogar Aufrufe zum Tourismusboykott laut. Sie sind selber kein Jäger, wo ordnen Sie das Vorhaben der Regierung Botswanas ein, die Jagd jetzt auf Kommunal- und Staatsland wieder zu erlauben?

 

Dr. Sparwasser: Gehen wir mal davon aus, dass eine Quote für den Abschuss von 500 Elefanten pro Jahr festgelegt würde, angesichts der Gesamtpopulation ist diese Zahl ein Witz. Das relativiert sich ein wenig, wenn nur starke, alte Bullen mit großen Trophäen herausgegriffen würden, doch auf die Gesamtpopulation ist die Zahl von keiner Relevanz. Wenn Elefantenpopulation also irgendwo lokal bedroht sind, dann geschieht dies durch Wilderei. Wilderei hat mit kontrollierter Jagd nichts zu tun. Immerhin kommt ein Teil der Jagd-Einnahmen lokalen Dorfgemeinschaften zugute. Auch das Fleisch, was ein ganz wesentlicher Faktor ist, wird unter den Menschen verteilt. Das erhöht den Lebensstandard der Menschen dort und die haben nur wenig Anreiz, sich mit Wilderei über Wasser zu halten. Wer also nachhaltige Nutzung verbieten will, schürt im Grunde damit das illegale Abschlachten von Tieren.

 

DJV: Vor wenigen Wochen fand in Simbabwe ein erster sogenannter Wildtier- Gipfel statt. Vertreter von insgesamt 12 afrikanischen Staaten haben daran teilgenommen. Verbunden mit dem Ergebnis dieses Gipfels sind Forderungen nach einer Legalisierung des Elfenbein- oder des Nashornhandels. Wie stehen Sie zu den Forderungen?

 

Dr. Sparwasser: Ich glaube tatsächlich, dass über einen kontrollierten Handel mit Elfenbein neu nachgedacht werden sollte. Die Argumentation vieler NGOs – dass der 1999, 2002 und 2008 erfolgte Verkauf von weit über 100 Tonnen Elfenbein nach Japan und China den Druck auf afrikanische Elefanten erhöht hat – zieht nicht. Die Organisation TRAFFIC, die den globalen Handel mit bedrohten Arten überwacht, kam entgegen anderslautenden Berichten zu dem Ergebnis, dass ein Zusammenhang zwischen den Verkäufen und einem Anstieg der Wilderei nicht nachweisbar war. Dies bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass dafür Tausende von Elefanten abgeschlachtet werden. Elefantenpopulationen wachsen in freier Natur um sechs und sieben Prozent pro Jahr. Wo die Population stabil ist, sterben ebenso viele alte Tiere eines natürlichen Todes. Nicht alle davon tragen Elfenbein, doch damit existiert eine natürliche Quelle, aus der sich dieser Markt speisen kann. (...)

Selbst das Aufgebot schwer bewaffneter Anti-Wilderer-Einheiten hat im letzten Jahrzehnt dem Töten von Nashörnern wegen ihres Horns keinen Einhalt gebieten können. Ein regulierter Handel würde unter Umständen Abhilfe leisten. Wer Rhino-Horn legal erwerben kann, muss dafür keine Nashörner abschlachten. Die Frage, welche politischen und monetären Interessen es verhindern, dass dieser Weg zumindest versucht wird, scheint absolut berechtigt. (...)

 

vollständiges Interview s. www.jagdverband.de


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