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RWJ 06/2022: Revierbegang in Zeiten der Wald-Katastrophe

Miteinander statt übereinander

Bereits zum zweiten Mal organisierte ein Jagdpächter eine gemeinsame Revierbegehung mit Waldbesitzern und Forstfachleuten, um für schwer geschädigte Flächen ein zukunftsfähiges Jagdmodell auszuloten. Der RWJ war dabei.

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Auf Einladung von Jagdpächter Wolfgang Milcke (5. v. l.) trafen sich Waldbesitzer und Jäger mit dem ANW-Vorsitzenden Hans v. d. Goltz (3. v. l.) zum Waldbegang.

Unmittelbar an der Landesgrenze zu Hessen liegt die Genossenschaftsjagd der Gemeinde Düdinghausen (HSK), seit mehreren Jahrzehnten trägt dort Pächter Wolfgang Milcke die Verantwortung. Das Revier ist eigentlich 310ha groß, doch durch Weihnachtsbaum-Kulturen beträgt die bejagbare Fläche lediglich noch 275ha (160 Wald/115 Feld).

Der Jagdbezirk hat sich in den letzten Jahren radikal verändert – durch Borkenkäfer, Dürre und Windwürfe entstanden zahlreiche Kahlflächen, viele Waldbesitzer wissen noch immer nicht im Detail, wann und womit sie wieder aufforsten sollen.

Das Verhältnis zwischen Jagdvorstand und Pächter ist sehr kooperativ und freundschaftlich.

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Hier funktioniert erfolgreiche Bestands­begründung auch ohne Zaun – die Bejagungsschneisen sollen verbreitert werden.


Ausgangssituation

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Beispielhaft für die dringend nötige Zusammen­arbeit von Waldbesitzern, Förstern und Jägern – regelmäßig treffen, ringen und Sorgen teilen!

Zum zweiten Mal nach 2017 lud Wolfgang Milcke im April den Vorstand von Jagdgenossenschaft und Forstbetriebsgemeinschaft, den vor Ort zuständigen Revierförster, den Kirchenvorstand (großer Waldbesitzer), Hans v. d. Goltz (Bundesvorsitzender AG Naturgemäße Waldwirtschaft/ANW) sowie seine Reviernachbarn, ehemalige Mitpächter und mitjagende Jungjäger zu einem großen Revierbegang ein. Dabei ergab sich für alle Beteiligten erkennbar folgende Situation:

 

  • Verbiss- und Entmischungsschäden an Naturverjüngung (Buche, Fichte) u. Kulturen vornehmlich durch Rehe,
  • Entmischungsprozess, bei dem am Ende immer Fichte bleibt (Monokultur),
  • Magnetwirkung kleiner von Fichten und Gattern umgebener Flächen,
  • in Zäunen kommt von Natur aus Buche, Fichte u. Kirsche ohne Verbissbelastung, auch Weißtanne wurde gepflanzt,
  • nach Einschätzung des Jagdpächters werden Rehe in den letzten Jahren stetig schwächer (Wildbret/Gehörn),
  • Beunruhigung durch Wanderer, Mountainbiker, die viele Wege durchs Revier intensiv nutzen,
  • durch gegatterte (Weihnachtsbaum-) Kulturen wird Wild verstärkt auf den Restflächen konzentriert.

Was man tun muss

Hans v. d. Goltz stellte an mehreren Waldbildern fest, dass die Situation waldbaulich nach fünf Jahren nicht zufriedenstellen könne, aus Sicht der Waldbesitzer müsse der Jagddruck daher weiter hoch gehalten werden.

Was ein engagierter Pächter aber auch erreichen kann, zeigte eine andere Fläche: Dort hatte der Besitzer ebenfalls eine Zäunung geplant, stellte nach einigen Jahren aber erfreut fest, dass durch die massiv verstärkte Bejagung mit neuen Hochsitzen und Schneisen sein Jungwald auch ohne diesen Schutz hochkommt. Alle Beteiligten verständigten sich nach intensivem Austausch über folgende Maßnahmen:

 

  • Bejagung der Rehe in der Fläche anstatt an Äsungsflächen,
  • konzentrierte Jagd an waldbaulichen Brennpunkten, mehrere Bewegungsjagden im Jahr (Freigabe: alles bejagbare Wild),
  • Anschaffung geeigneter Ansitzböcke,
  • Waldbesitzer und Jagdgenossen sollen wenn waldbaulich vertretbar Bejagungsmöglichkeiten im Wald verbessern (Schneisen, Auflockerung dunkler Bestände, Holzlagerplätze a.Wegrändern),
  • an Wildwiesen soll Wild in Ruhe äsen und nicht bejagt werden,
  • die Jagdgenossenschaft verpflichtet den Pächter, in den nächsten Jahren
    42 Rehe zu schießen (20 je 100ha Wald/6 je 100ha Feld/Grünland) – 2002 waren es 13.

Am Ende der mehrstündigen Waldwanderung mit intensiver Diskussion traf sich die Truppe noch zu einem gemütlichen Umtrunk. Ganz im Südosten von NRW lieferte dieser Nachmittag ein gelungenes Beispiel für das gelebte Miteinander von Waldbesitzern und Jägern!

 

Matthias Kruse


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