Seite 1

RWJ 08/2020: Projekt LEPUS NRW – gemeinsam für Artenvielfalt in der Agrarlandschaft

Lebensräume erhalten, planen und schützen

Die alarmierende Situation bei Niederwild- und Offenlandarten wie Feldlerche oder Kiebitz zeigt auf, dass Lebensräume und Biodiversität in der Kulturlandschaft dringend verbessert werden müssen. Dazu gibts jetzt einen neuen Ansatz.

nw schwarzbracheblühstreifen id39429

Das Niederwild benötigt vielfältige Strukturen, die es in der Kulturlandschaft nicht mehr oft gibt. Landwirte und Jäger wollen das mit einem breiten Förderprogramm ändern. Die NRW-Stiftung unterstützt das Projekt im Münsterland, im Rheinland und in Ostwestfalen. Fotos (3): Specht/SWK

Trotz vereinzelter Lichtblicke der letzten drei Jahre sind speziell die Niederwildbesätze in NRW in vielen Gebieten nach wie vor auf niedrigem Niveau. Die Gründe sind vielfältig und reichen von intensiver Landbewirtschaftung über zunehmende Dichte und Vielfalt an Prädatoren bis zu immer extremerem Wetter. Neuen Schub gibt jetzt das Projekt LEPUS NRW – Lebensräume erhalten, planen und schützen.

 

 

Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz – Hand in Hand

nw kräutersaum wildobst swk id39427

Die Maßnahmen kommen einer ganzen Reihe von Lebewesen zugute.

Umgesetzt wird es in den nächsten drei Jahren von den Stiftungen Westfälische und Rheinische Kulturlandschaft. Das Projektgebiet orientiert sich an der Verbreitung des Rebhuhns in NRW und konzentriert sich auf Offenlandregionen von Ostwestfalen übers Münsterland bis zum Niederrhein und der Kölner Bucht.

 

Unterstützt vom Landesjagdverband und den Verbänden der Jagdgenossenschaften in NRW arbeitet das LEPUSBeratungsteam daran, Lebensraumbedingungen bedrohter Arten der Agrarlandschaft zu verbessern. Dazu sind auch die beiden Landwirtschaftsverbände als Partner beteiligt. Das Projekt legt den Fokus auf Lebensraumgestaltung und setzt an, wo klassische Hege mit Bodenbrüterschutz und Prädatorenbejagung an komplexen Förderprogrammen und Gesetzen an Grenzen stößt. Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, wird das Projekt exklusiv von der Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege (NRW-Stiftung) gefördert.

 

Das LEPUS-Projekt nutzt Erfahrungen aus dem erfolgreichen Münsterland-Projekt Hegebeauftragter, das vom LJV mitgetragen und mit Landwirten und Grundeigentümern umgesetzt wurde (2016–19).

 

 


Naturschutzmaßnahmen individuell umsetzen

nw feldhase specht - swk id39426

Dazu wurde ein umfangreicher Katalog mit vielen Maßnahmen in Acker, Grünland und an Gewässern gestaltet, anhand dessen sich für jeden Teilnehmenden individuelle Vorschläge ausarbeiten lassen. Die Maßnahmen reichen von der Aufwertung von Waldrändern und Heckenkomplexen über die Gestaltung und Pflege von Kleingewässern und Gräben bis zur Anlage von Blühflächen – den gedeckten Tischen im Offenland. An dieser Stelle schließt sich der Nahrungskreislauf von Insekten, Bodenbrütern und Niederwild, sodass die Arten ausreichend Deckung und gute Lebensbedingungen für wachsende Populationen vorfinden.

 

 

 

 


Projektreviere gesucht!

nw projektraumlepus id39425

Das Projektgebiet wurde über das Münsterland hinaus auf Teile Ostwestfalens und des Rheinlandes ausgeweitet.

„Wir sind nun auf der Suche nach interessierten Niederwild-Revieren, die mit uns zusammen die Lebensbedingungen für Feldhase und Co. vor Ort aufwerten wollen“, berichten Hendrik Specht und Torsten Quinkenstein als Projektleiter eines fünfköpfigen Teams der beiden Kulturland-Stiftungen. Gemeinsam mit Revierpächtern, Landwirten und Grundeigentümern erarbeitet das Team Maßnahmen, mit denen man die Strukturund Artenvielfalt in ausgewählten Projektrevieren erhöhen und die Landschaft aufwerten kann. Ein Schwerpunkt liegt auf der Beratung und Vermittlung naturschutzfachlicher Fördermaßnahmen im landwirtschaftlichen Bereich, wobei jeder Betrieb gesondert betrachtet wird, um Maßnahmen zusammenzustellen, die zur jeweiligen Struktur passen.

 

Darüber hinaus wird eine Vielzahl Biotop-verbessernder Maßnahmen aufgezeigt, die man auch unabhängig von landwirtschaftlichen Flächen umsetzen kann – wie die Optimierung und Ausgestaltung von Gewässern, Waldrändern und Hecken, die häufig bereits durch Jäger gepflegt werden, kleine Dinge können bereits viel bewirken ! Bei der Auswahl von Maßnahmen gehts um praxistaugliche Zusammenstellungen, die für das Niederwild möglichst ökologisch hochwertig sind. Neben Blühstreifen/- flächen gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die ökologisch wie finanziell für Landwirte eine Alter native zu witterungsabhängigen Anbauverfahren darstellen können.

 

 


So funktionierts

Teilnehmen können interessierte Jagdreviere (Jagdgenossen, -pächter, Naturschutz-Interessierte) aus Projektregionen im Münsterland, Ostwestfalen-Lippe und dem Rheinland. Dazu muss man zunächst einen sog. Landschaftsinformationsbogen (LIB) ausfüllen, in dem allgemeine Eckdaten zum Vorkommen von Rebhuhn und Feldhase sowie zur persönlichen Motivation gemacht werden. Da klassische Niederwild-Reviere im Vordergrund stehen, soll der Anteil an Offenland dominieren.

 

Auch die Form der Beratung kann man wählen – es werden sowohl Voll- wie auch Kurzberatungen angeboten:

 

  • Eine Vollberatung erstreckt sich über einen Jahresverlauf inklusive Einzelberatung interessierter Landwirte, Revierfahrten und Vor-Ort-Beratung.
  • Die Kurzberatung richtet sich an Reviere, die bereits durch eigenes Engagement umfangreich Lebensraumgestaltung praktizieren, aber fachlichen Austausch suchen und Empfehlungen in Anspruch nehmen möchten (Beratungsumfang max. drei Tage).

 

Bei beiden Varianten erhalten die Teilnehmer Vorschläge für Lebensraum verbessernde Maßnahmen in Form einer eigenen Reviermappe mit Empfehlungen zu Umsetzung und Lage von Maßnahmen.

 

Für beide Varianten fällt bei Aufnahme in das Projekt eine einmalige Gebühr an – 150 € (Voll-) bzw. 100 € (Kurzberatung).

 

LIB und weitere Infos s. www.lepusnrw.de, www.rheinischekulturlandschaft.de/lepus, www.kulturlandschaft.nrw/lepus


Bildergalerie Lebensräume erhalten, planen und schützen

Aktiv nur für Mitglieder!

Bitte melden Sie sich an, oder werden Sie Mitglied.