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RWJ 03/2021: Wölfe erhitzen die Gemüter

Kurswechsel in Niedersachsen

Nachdem Mitte Februar im Emsland ein Problemwolf legal erlegt wurde, nehmen die Diskussionen an Fahrt auf. Auch in NRW gibt es neue Nachweise.

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Die legale Erlegung eines Problemwolfs im Emsland durch einen Jäger wird auch die Diskussion in NRW, besonders um die immer wieder auffälligen Wölfe bei Schermbeck (WES), sicher neu entfachen. Foto: Marcel Langthim / pixabay.com

Niedersachsen will intensiver gegen Wölfe vorgehen, die wiederholt als wolfssicher geltende Zäune überwinden und Nutztiere reißen. Aktuell sind in unserem Nachbarland gleich mehrere der großen Räuber zum Abschuss freigegeben. So wurde Mitte Februar im Landkreis Emsland ein weiblicher Wolf erlegt, für den eine Ausnahmegenehmigung vorlag.

 

Die Wölfin gehörte zu einem Rudel in Herzlake, das für größere Schäden verantwortlich gemacht wird. Tiere aus diesem Rudel hatten mehrfach Herdenschutzmaßnahmen überwunden. Laut Umweltminister Lies wurden seit Ende 2018 mehr als 500 Schafe gerissen. „Dabei ist allein einem Schäfer, der dort tätig ist, ein Schaden von ungefähr 50 000 € entstanden. Wir selbst haben in der Region 40 000 € für Herdenschutzmaßnahmen ausgegeben“, sagte Lies.

 

Umweltminister wehrt sich gegen NABU-Kritik

Dagegen hatte es Kritik vom NABU und Ex-Umweltminister Christian Meyer (Grüne) gegeben, der seinem Nachfolger Olaf Lies (SPD) vorwarf, auf Konfrontation, statt auf Dialog zu setzen. Zudem wolle er „unliebsame Kritiker mit einem Maulkorberlass mundtot machen“. Das Niedersächsische Umweltministerium hatte zwei ehrenamtliche Wolfsberater wegen übermäßig kritischer, unangemessener Äußerungen zur Wolfspolitik des Landes von ihren Aufgaben entbunden. Auch Auskunft über mögliche Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss problematischer Wölfe will das Umweltministerium in Hannover angesichts der Gefahr der Identifizierung von Weidetierhaltern und Jägern nicht geben. Das Auskunftsrecht der Öffentlichkeit stoße an Grenzen, wenn Ruf und Leben von Menschen bedroht seien – etwa Nutztierhalter, die den Abschuss eines Problemwolfes beantragen oder Jäger, die den Staat aus Verantwortungsbewusstsein bei der Entnahme unterstützen (wie im Emsland). Todeswünsche für Schäfer in Social Media und Schüsse auf einen Hochsitz sind nur einige der zahlreichen Beispiele, was Beteiligte zu befürchten hätten.

 

Zudem sollen bei wiederholtem Überwinden „wolfssicherer“ Zäune in Niedersachsen nicht nur einzelne Problemwölfe „letal vergrämt“ werden, sondern darüber hinaus weitere Individuen – so lange, bis die Zäune nicht mehr überwunden werden – eine echte „Zeitenwende“ zur Stützung von Weidetieren im ländlichen Raum !

 


NRW: Weiterer Wolf in Lippe

Unterdessen scheinen sich Wölfe auch in NRW weiter auszubreiten. Am 19. Dezember 2020 wurde ein Wolf in einem Wald bei Lage (LIP) von einer Fotofalle erfasst. Der Ort liegt im Norden des Wolfsgebietes Senne (ausgewiesen 2018), weil dort mehrfach eine Wölfin (Kennung GW1044f) festgestellt worden war. Seit Oktober 2018 ist sie nicht mehr nachgewiesen worden und gilt als „verschollen“. Am 16. Oktober 2020 wurde in einem Wald bei Altenbeken (PB) im Süden des Wolfsgebietes Senne ein weiblicher Wolf (Kennung GW1897f) nachgewiesen.


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