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RWJ 07/2019: Sauerländer Drohnenkitzrettungs-Forum

Kitzrettung 2.0

Drohne kaufen, losfliegen, Kitze retten – ob es wirklich so einfach ist, wollten die Teilnehmer des Sauerländer Drohnenkitzrettungs-Forums wissen.

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Die Idee zum Forum entstand im Hegering Eslohe (HSK). 2018 wurde das Thema bei einer Vorstandssitzung der KJS Hochsauerland mit anderen HR-Vorsitzenden diskutiert, weil sich im angrenzenden Hessen bereits nichtjagdliche Vereine für die Kitzrettung mit Drohnen engagieren – und in der Tagespresse das Thema besetzen. Dabei ist Kitzrettung mit Drohnen auch im Sauerland kein absolutes Neuland – bereits 2017 führte eine Jagdzeitschrift einen Live-Test zur Drohnenkitzrettung durch. Auch im Raum Attendorn sah man sich angesichts der großen Wiesenflächen unter Druck, Alternativen zur Kitzrettung zu finden. 2018 suchten drei Piloten eine komplette Saison Kitze mit der Drohne – über 100 gefundene Kitzen waren ein beachtliches Ergebnis.

 

Aufgrund des überörtlichen Infobedarfs fand im August 2018 das erste „Sauerländer Drohnenkitzrettungs- Forum“ statt. Zielgruppe waren Vorstände der KJS Hochsauerland und Olpe, Hegeringleiter und Vertreter aus Landwirtschaft, Berufsjäger und die örtliche Feuerwehr. Auf dem zweiten Forum im April 2019 referierte Michael Bischoff über rechtliche Grundlagen rund um Drohnen. Damit wurde schon zu Beginn geklärt, dass es nicht einfach heißen kann: Drohne kaufen, losfliegen, Kitze retten!

 

 

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

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Beim Forum konnte auf Erfahrungen der Rettung von über 100 Kitzen zurückgegriffen werden.

Vor Durchführung der Kitzsuche. muss man sich mit Drohnen- und Wärmebildtechnik auseinandersetzen. Die Akkuladung (Flugzeit) ist begrenzt – und bei einem begrenzten Zeitfenster zur Suche stößt auch leistungsfähige Wärmebildtechnik an ihre Grenzen. Daher ist es unerlässlich, Wartezeiten zu verkürzen und ein mögliches Umsetzen der Drohne zu anderen Suchflächen so kurz wie möglich zu gestalten. Disziplin, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind unersetzlich, Helfer müssen sorgfältig eingeteilt und Aufgaben verteilt werden. Wer steht zum Beispiel zum Suchen bereit und wer übernimmt die Akkuaufladung ? Im Vorfeld gilt es, sich mit Landwirten zu besprechen, Flächen anzuschauen und Startplätze zu bestimmen. Gerade im Sauerland treffen Piloten auf anspruchsvolles Gelände, steile Wiesen mit angrenzenden Wäldern sind keine Seltenheit.

 

Die Hard- und Software ist am Vorabend zu überprüfen, damit bei der Suche keine bösen Überraschungen auftreten. Weiter ging Bischoff auf generelle Suchvarianten ein – bei der ersten leitet der Pilot die Helfer über Funk/Telefon zum Objekt, wobei die Drohne eine gewisse Orientierung gibt. Bei der zweiten Variante markiert der Pilot mit einer App das Objekt, dies sehen die Helfer ebenfalls. Sie werden durch das Smartphone zum Kitz geführt, während der Pilot keine Zeit verliert und weitersuchen kann.

 

 


Einsteigertechnik stößt schnell an Grenzen

Johannes Kremer gab Erfahrungen zur Technikauswahl weiter. Zunächst hatte er sich ein kleines Modell zum Üben zugelegt. Damit konnte man ein Gefühl für das Drohnenfliegen bekommen, aber Kitzsuche war damit nicht möglich. Teilweise kommt bei Lockangeboten aus Kostengründen integrierte Wärmebildtechnik zum Einsatz, die vom Hersteller nicht dafür ausgelegt ist, extern montiert zu werden. Hinzu kommt, dass oft die Steuerung von Drohne und Wärmebildtechnik getrennt ist – und man zwei Bildschirme braucht. Eine weitere Entscheidung bei der Wärmebildtechnik ist die Auflösung und Radiometrie – Letztere ermöglicht es, ein Temperaturfenster einzustellen, erscheinen Objekte in diesem Temperaturbereich, wird dies zum normalen Wärmebild gesondert gekennzeichnet.

 

Dies erleichtert die Suche enorm. Kremer entschied sich aus diesen Gründen für eine große Lösung vom Hersteller DJI mit einer Drohne, die für Wärmebildtechnik vorgesehen ist. Bernd Stilper lieferte einen eindrucksvollen Erfahrungsbericht. Es wurde mit bis zu acht Personen 220 ha Grünlandfläche abgesucht, was körperlich an die Grenzen ging. Mittlerweile wird mit Drohne und Teams von zwei bis drei Personen gesucht. Deren Suchleistung liegt zwischen 7 – 12 ha pro Stunde. Der Zeitaufwand konnte um 65 Prozent reduziert werden – ohne Mähverluste! 2018 fanden Stilper und sein Team 53 Kitze und 85 Hasen, selbst ein Vogelnest konnt man aus 80 m Höhe entdecken. Die Teilnehmer waren sichtlich beeindruckt von den Vorträgen und den demonstrierten Liveflügen.

 

Der Haken an der Sache – „große“ Lösungen liegen schnell bei Neupreisen jenseits der 20 000 €, können allerdings dafür auch durch 80 – 100 m Suchhöhe sehr viel Fläche in kurzer Zeit absuchen. Da man im Sauerland autonom fliegt, wird die Gefahr durch Hanglage und Waldränder im Vergleich zu günstigeren Modellen (25 m Flughöhe) deutlich reduziert. Sinn des Forums ist es, technische und kostengünstige Weiterentwicklungen zu beobachten und weiterzugeben.

Ansgar Wulf


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