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RWJ 10/2019: Orsoy-Land (WES)

Hege und Pflege in optimaler und seltener Form

Im Rahmen einer kleinen Serie stellen wir verschiedene Projekte vor, die sich um den Biotop-Hegepreis beworben haben. Im Revier Orsoy-Land bei Rheinberg hat Revierpächter Frans van Bommel mit einer beachtlichen Anzahl von Wildäckern und Hecken, Schutzzonen und Rückzugsräumen für das Wild geschaffen.

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Die Revierflächen bei Rheinberg am Niederrhein gehörten früher dem Mineralölkonzern BP und dem Bergbau-Unternehmen RAG. Die Neuverpachtung des Reviers mit 565 ha erfolgte 2016 durch die Flurbereinigungsbehörde. 250 ha liegen im Vogelschutzgebiet „Unterer Niederrhein“. Außerdem wird ein Hochwasserpolder gebaut. Im Revier verteilt befinden sich etwa 40 Wildäsungsflächen (20 ha), eine Vielzahl von Hecken und landwirtschaftlich genutzten Flächen. Das Gebiet hat ein außergewöhnlich hohes Entwicklungspotenzial im Naturschutz. Mit finanzieller Hilfe der „Arbeitsgemeinschaft für Landschaftspflege im Kreis Wesel (AGLW)“ sind in den letzten drei Jahren mehrere tausend Heckenpflanzen neu gesetzt worden.

Hecken wurden aufgewertet

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Ab 2017 wurde die Pflege der Wildacker­flächen übernommen.

Alte, mit Holunder durchwachsene Hecken wurden zurückgeschnitten und neue Wildäsungsflächen angelegt. Diese Biotope führen gemeinsam mit artenreichem Grünland und Ackerflächen zu einer Erhöhung der Strukturvielfalt. Hervorzuheben ist auch das hohe Engagement der Jagdpächter, trotz erheblicher Jagdbeschränkungen im Naturschutzgebiet. Außerdem scheint die Zusammenarbeit des Arbeitskreises zu funktionieren und sich positiv auf die Entwicklung des Gebietes auszuwirken. Seitdem der neue Jagdpachtvertrag in Kraft getreten ist, haben die Jagdpächter verschiedene Maßnahmen durchgeführt. 2018 wurde ungefähr ein Drittel der als Wildacker genutzten Fläche neu bestellt. Dies wird in den nächsten Jahren fortgesetzt (auch 2019 geplant). Das Ziel ist, einen Wildacker alle drei Jahre neu einzusäen. Seit 2018 wird auch das Elefantengras (Miscanthus) gemulcht, sodass es für Mensch und Wildtier begehbar wurde.

 

Anfang 2019 ist diese Maßnahme großflächiger durchgeführt worden. 2019 wurden bisher 1,23 ha Miscanthus-Anbaufläche gemulcht. Die Biotop-Hegearbeiten werden im April mit weiteren Ansaaten auf Wildackerflächen fortgesetzt Darüber hinaus wird mit der Biologischen Station im Kreis Wesel zusammengearbeitet, um einen Wildacker von 1,7 ha in eine artenreiche Staudenwiese umzuwandeln. Dabei werden die Mahdzeitpunkte an die Schutzbedürfnisse der Bodenbrüter und jungen Säugetiere angepasst.

 

 


Weißdorn- und Schlehdornhecken

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Weiß- und Schlehdorn wurden in großer Anzahl auf brachliegenden Flächen oder in Lücken bestehender Hecken gepflanzt.

Die Heckenpflanzen wurden zum Teil auf brachliegenden Flächen, zum Teil auf offene Stellen ehemaliger Hecken oder in die Lücken bestehender Hecken gepflanzt. Rund um das Haus Husenhof wurde eine alte Weißdornhecke durch das Entfernen des üppigen Holunder-Bewuchses und die Neuanpflanzung von Weiß- und Schlehdorn-Pflanzen wiederhergestellt. Insgesamt wurden in den letzten drei Jahren mit über 6 600 Weiß-und Schlehdorn- Pflanzen und einer Gesamtlänge von rund 1,7 km Hecken gepflanzt bzw. restauriert.

 

 


Kunstbauten

Im Revier sind in der Vergangenheit acht Kunstbauten angelegt worden. Über fünf der Vorrichtungen bestanden Zweifel, ob diese sich noch in einem ordnungsgemäßen Zustand befanden. Deshalb wurden sie in 2017 kontrolliert. Vier der fünf Kunstbauten wurden 2017 wieder instand gesetzt, und in 2018 wurde auch der fünfte Kunstbau repariert.


Breites Bündnis

Um das aus naturschutzfachlicher Sicht wichtige Rast- und Brutgebiet für arktische Gänse, Limikolen oder Steinkauz weiterzuentwickeln, wurde der „Arbeitskreis Jagd und Naturschutz Orsoy Land“ aus Pächtern, Bezirksregierung, LANUV, Kreisverwaltung, Kreisjägerschaft, Landesjagdverband, NABU, Regionalforstamt Unterer Niederrhein, Deichverband Orsoy und der Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung initiiert.


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