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RWJ 07/2020: Afrikanische Schweinepest (ASP)

Fortschritt bei ASP-Impfstoff

Britischen Wissenschaftlern ist bei der Suche nach einem Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) offenbar ein großer Schritt gelungen.

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Keine Entwarnung – unmittelbar vor der deutschen Ostgrenze gibt es in Westpolen immer wieder neue ASP-Fälle bei Wild- und Hausschweinen. Aktuelle Forschungsergebnisse geben jetzt Hoffnung auf einen Impfstoff gegen die Tierseuche.

Wissenschaftler des Pirbright-Instituts (GB) veröffentlichten in der Fachzeitschrift Vaccines eine Studie, derzufolge 100 Prozent der mit dem neuen Impfstoff immunisierten Schweine eine sonst tödliche Dosis des ASP-Virus überlebten. Das Pirbright-Team hat einen Impfstoff entwickelt, der ein nicht schädliches Virus als Vektor verwendet, um acht ausgewählte Gene aus dem ASP-Erreger in Schweinezellen zu transportieren.

 

 

Erkrankt, aber nicht verendet

Dort produzieren sie virale Proteine, die das Immunsystem des Schweins dazu veranlassen, auf eine ASP-Infektion zu reagieren. Alle so immunisierten Schweine entwickelten einen ausreichenden Schutz, um die in der Regel tödliche ASP-Infektion zu überleben, selbst wenn sich klinische Symptome der Krankheit zeigten. Ein weiterer Erfolg war nach Angaben der Forscher, dass man bei dieser Methode unterscheiden könne, ob Schweine geimpft wurden oder tatsächlich an ASP erkrankten. Dies sei wichtig, damit man Impfprogramme durchführen kann, ohne die Handelsfähigkeit zu verlieren. Der nächste Schritt werde nun darin bestehen, Mechanismen aufzudecken, wie die von den Virusgenen produzierten Proteine das Immunsystem stimulieren, um damit die Wirksamkeit zu steigern.

 

 


Deutsche Experten: Kein Durchbruch, aber vielversprechend

Dr. Sandra Blome (Friedrich-Loeffler- Institut/Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit) sieht diese Entwicklung zwar noch nicht als Durchbruch, bezeichnet die Ergebnisse gegenüber dem RWJ aber als „vielversprechend“. Dr. Blome: „Trotz der Tatsache, dass die Präparation bei Weitem kein wirksamer Impfstoff war, da alle Tiere erkrankten und eine beträchtliche Virämie (Virusnachweis im Blut) zeigten, ist dieser Ansatz vielversprechend hinsichtlich der Antigenauswahl und des Nachweises, dass ein solcher Impfstoff Schutz verleihen könnte. Da die Belastungsinfektion mit einem Stamm erfolgte, der sich deutlich von den derzeit kursierenden Varianten unterscheidet, müsste auch der Kreuzschutz für aktuell kursierende Stämme gezeigt werden.“

 

 


Weltweite Suche nach Impfstoff

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Auch in anderen Ländern hatten Wissenschaftler schon Zwischenerfolge bei der ASP-Impfstoffsuche vermeldet – im Dezember 2019 gaben Forscher des Agricultural Research Service (ARS) des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) bekannt, dass sie einen gentechnisch veränderten Impfstoff entwickelt hätten, der nach niedrig- und hochdosierten Injektionen eine aseptische Immunität gegen ASP biete. Im März 2020 teilte das chinesische Harbin Veterinary Research Institute mit, dass mittels Gendeletion ein Lebendimpfstoff entwickelt worden sei, bei dem sieben Genfragmente aus dem ASP-Virus gelöscht seien und der einen zuverlässigen Schutz gegen die Tierseuche biete.

 

 


ASP-Gefahr noch akut?

Da in den Medien in diesen Wochen vor allem über die Corona-Pandemie berichtet wird, könnte der Eindruck entstehen, dass die ASP nicht mehr akut wäre. Wir Jäger wissen, dass dies leider nicht der Fall ist. Für Deutschland sind in erster Linie die Seuchengebiete in Belgien und Polen von Bedeutung. Im Süden Belgiens scheint sich die Situation zu beruhigen und das Infektionsgeschehen abzuebben, für Februar und März wurden je nur noch ein an ASP verendetes Wildschwein gemeldet, im April und Mai gar keine mehr. Auch Hausschweine sind nicht betroffen. In unserem östlichen Nachbarland sieht die Lage aber leider anders aus – im Februar gab es dort 1 115 gemeldete ASP-Infektionen, im März sogar 1 218. In den folgenden Monaten flachte das Infektionsgeschehen zwar ab, war mit 712 (April) und 280 Fällen (Mai) aber immer noch sehr hoch. Zudem hatte es im März und April je einen Fall bei Hausschweinen gegeben.

 

Allerdings gab es im gesamten Jahr 2019 nur 2 477 Fälle bei Wild- und 48 bei Hausschweinen. Zwar spielen sich die meisten Fälle im Osten und Norden des Landes und damit recht weit von Deutschland entfernt ab. Deshalb ist für uns der Ausbruch rund um das schlesische Zielona Góra (Grünberg) von Bedeutung. Die kürzeste Distanz eines bestätigten Falles in Polen zur deutschen Staatsgrenze beträgt aktuell etwa 10,5 km. Deshalb ist die Gefahr einer Einschleppung nach Deutschland weiter hoch. Von zentraler Bedeutung sind daher v. a. die Einhaltung von Biosicherheitsmaßnahmen und die Früherkennung.

 

 


Sorgen in Ostdeutschland

Von deutscher Seite wird mit einer Vielfalt an Maßnahmen reagiert. Am Ufer der Neiße wurden Elektro-Zäune aufgestellt, um ein Einwandern von Sauen aus Polen nach Brandenburg und Sachsen zu verhindern. Jäger, Förster und Landwirte sind aufgefordert, wachsam zu sein und nach Fallwild Ausschau zu halten. Jede tot aufgefundene Sau muss beprobt werden. Mit Beginn des Jagdjahres 2018/2019 wurde die Erlegungsprämie in Brandenburg eingeführt. Jagdausübungsberechtigte können eine Erlegungsprämie beantragen, die als Ausgleich für den entstandenen Mehraufwand zur Reduzierung der Schwarzwildbestände gewährt wird. Gleichzeitig soll ein Anreiz geschaffen werden, verstärkt Schwarzwild zu bejagen. Dabei wird allerdings nicht jede erlegte Sau bezuschusst. Stattdessen gibt es für jeden zusätzlich zur Jagdstrecke 2015/16 erlegten Schwarzkittel 50 €.

 

Zudem wurde eine Ausnahme vom Verbot der Verwendung künstlicher Lichtquellen (allgemein gebräuchliche Taschenlampen oder [Hand-]Scheinwerfer) erlassen. Der Saufang ist erlaubt, erfordert aber eine Genehmigung. Im Vorfeld gab es wissenschaftliche Untersuchungen, die die hohe Effektivität dieser Jagdart nachweisen konnten. Dazu gibt es einen Praxisleitfaden der Landesforsten unter In Sachsen müssen Jäger jedes erlegte Stück Schwarzwild auf die Klassische Schweinepest beproben lassen und jedes Stück Fallwild oder Schwarzwild mit Auffälligkeiten auf die ASP. Dazu erhalten sie eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 10 € pro Tier. Das sind Szenarien, die für NRW noch nicht vorstellbar sind, doch die Gefahr einer Einschleppung bleibt real. Da die Marktreife eines Impfstoffs trotz erster Erfolge noch Jahre dauern kann, gilt es, die Einschleppung der ASP durch entsprechende Hygienemaßnahmen weiterhin zu vermeiden.

 

Felix Höltmann


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