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RWJ 02/2018: Medienrummel um Afrikanische Schweinepest (ASP)

Drückjagd an der A2

Um der Ausbreitung der ASP vorzubeugen, organisierte das Veterinäramt Bielefeld gemeinsam mit dem städtischen Forstbetrieb und örtlichen Jägern eine viel beachtete Drückjagd entlang der A 2. Ziel war neben der Reduzierung der Sauenbestände auch eine Sensibilisierung der Bevölkerung für die Gefahren der Seuche und die Notwendigkeit der Jagd.

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Fotos (3): F. Höltmann Am Morgen herrschte reges Interesse lokaler und überregionaler ­Medien – über die Jagd wurde sogar in der Tagesschau berichtet. ­Das Bild zeigt den Bielefelder Amtsveterinär Dr. Hans-Helmut Jostmeyer (l.) und Förster Herbert Linnemann (2. v. l.) bei der Begrüßung.

Oberhalb des Sammelpunktes donnerte der Schwerlastverkehr über die A2 in Richtung Osten. Neben den Jägern und Hundeführern tummelten sich zahlreiche Reporter in dicker Winterkleidung. Die Journalisten baten die Jäger, für Bilder zu posieren und stellten Fragen, die diese ausführlich und gewissenhaft beantworteten. Der Medienrummel hatte einen Grund – „dass“ die ASP Deutschland erreichen wird, gilt unter Fachleuten als sehr wahrscheinlich. Wo sie zuerst ausbrechen könnte, wird unter Jägern, Tierärzten und Landwirten kontrovers diskutiert. Viele Experten gehen davon aus, dass die Seuche nicht über die grüne Grenze nach Sachsen oder Brandenburg kommt, sondern mit dem Schwerlastverkehr entlang der Autobahn 2 von Ost nach West verbreitet werden wird. Um diesem Szenario vorzubeugen, fand Anfang Januar in Bielefeld eine in den Medien viel beachtete Drückjagd statt. Der RWJ war dabei:

 

 

21 Sauen auf der Strecke

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Direkt unterhalb der viel befahrenen Autobahn A2 fand die Begrüßung der großen Jagd statt.

Auf Anregung des Bielefelder Amtstierarztes Dr. Hans-Helmut Jostmeyer wurden in Wäldern entlang der A 2 mit über 100 Schützen auf etwa 900 ha in acht Revieren gejagt. Die Autobahn ist in diesem Bereich nicht gezäunt. Daher besteht dort eine besonders hohe Ansteckungsgefahr über weggeworfene Lebensmittel, die mit dem Virus infiziert sein könnten. „Unabhängig von der Strecke ist die Jagd ein Erfolg, da die Bevölkerung für die Gefahren der ASP sensibilisiert wurde“, resümierte Jostmeyer am Streckenplatz. Am Ende des Tages konnten dort immerhin 21 Sauen und sieben Rehe gelegt werden. „Ich bin zufrieden, auch wenn es ein paar Sauen mehr hätten sein können“, erläuterte Förster Herbert Linnemann vom Bielefelder Umweltbetrieb, der die Jagd mitorganisierte.

 

Diskussionen im Vorfeld

Der Stadtwald ist Naherholungsgebiet der Großstadt. Daher war während der Jagd trotz Hinweisschildern stets mit Joggern oder Spaziergängern zu rechnen. Um bei Erholungsuchenden um Verständnis für die Einschränkungen zu werben, wiesen Amtsveterinär und Jäger bereits im Vorfeld durch eine Pressemeldung in den beiden großen Lokalzeitungen auf die Jagd hin. Durch die Berichterstattung wurden allerdings auch Jagdgegner auf die Aktion aufmerksam – in sozialen Netzwerken kam es darauf zu kontroversen Debatten. Schließlich rückten am Jagdtag neben den Lokalzeitungen nicht nur der WDR, sondern auch dpa und einige Privatsender an.

 

Jagdgegner stören

Zudem behinderte ein Dutzend Tierrechtler die Ausübung der Jagd. Die selbst ernannten Aktivisten umringten Jäger, filmten, fotografierten und versuchten, sie in Diskussionen zu verwickeln. Immerhin gingen von ihnen weder Beleidigungen noch Gewalt aus. Die Jäger nahmen die ungebetenen Gäste relativ gelassen hin.


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Erlegtes Wild wurde zentral versorgt – und der Aufbruch direkt der Tierkörperbeseitigung zugeführt – ein Beispiel, das Schule machen sollte.

Vorbildliche Hygiene

 

Jostmeyer wollte mit der Aktion auch auf die Jäger einwirken. Aus hygienischen Gründen wurde zentral aufgebrochen, der Aufbruch in Tonnen verpackt und direkt der Tierkörperbeseitigung zugeführt. „Es wäre hilfreich, wenn in Zukunft bei allen Drückjagden der Aufbruch direkt auf Kosten der Landkreise bzw. Städte der Tierkörperbeseitigung zugeführt und nicht im Wald vergraben würde“, regte der Veterinär an. Darüber hinaus verteilt die Stadt Bielefeld kostenlos Beutel aus Maisstärke, in denen Aufbruch vom Einzelansitz verpackt und sauber transportiert werden kann. Diese Beutel können dann ebenfalls kostenlos bei den Recyclinghöfen der Stadt Bielefeld und bei zwei Schlachtbetrieben abgegeben werden, wo man sie fachgerecht entsorgt.

 

Außerdem möchte er bei Jägern und Bevölkerung für revierübergreifende Drückjagden werben. „Von Bielefeld geht heute ein Signal aus“, so der Tierarzt, der der Strecke einen Frischling beisteuerte.

 

Felix Höltmann


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